Denkmalschutz gegen Abriss von altem Speicher - Marienplatz-Galerie vor dem Aus?

Streitobjekt: Der Denkmalschutz will diesen Speicher erhalten, Center-Investor und Stadt plädieren für Abriss.  Foto: Klawitter
Streitobjekt: Der Denkmalschutz will diesen Speicher erhalten, Center-Investor und Stadt plädieren für Abriss. Foto: Klawitter

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01. Juli 2008, 07:43 Uhr

Schwerin - „Das ist ein misslicher Stil“, sagte Joachim Tenkhoff gestern. Soeben hatte der Investor der geplanten „Marienplatz-Passage“ von unserer Redaktion erfahren, dass das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege dem von ihm geplanten und von der Stadt unterstützten Abriss eines alten Kornspeichers auf dem für das Einkaufszentrum überplanten Areal nicht zustimmen werde. Es sei befremdlich, dass er davon durch die Presse erfahre, obwohl er selbst, Denkmalpflege und Kommune für Ende dieser Woche noch einmal Gespräche zum Thema geplant hätten.

Fest steht für Tenkhoff jetzt, „dass wir sämtliche Arbeiten am Projekt sofort einstellen“. Denn ohne den Abriss des im Hinterhof des Karrees zwischen Marienplatz, Helenen-, Mecklenburg- und Martinstraße stehenden Fachwerkgebäudes könne das Center nicht gebaut werden: „Um das geplante Shop-in-Shop-System funktional umsetzen zu können, muss der Speicher weichen“, so der Investor.

In der „Marienplatz-Galerie“ sind rund 50 Geschäfte, Hotel und Garage geplant, die Eröffnung war bislang für Anfang 2010 vorgesehen. Die Mieterliste ist laut Tenkhoff bereits lang.

Doch das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege lässt an seiner Entschlossenheit keinen Zweifel: „Wir werden dem beantragten Abriss die Zustimmung verweigern“, so Landeskonservatorin Ewa Prync-Pommerencke auf Anfrage unserer Zeitung. Das Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert, ein klassisches Magazin, sei das größte seiner Art in Schwerin und markiere die bauliche Ausbreitung des ursprünglichen Stadtkerns.

„Unter dem Fundament vermuten wir Reste der alten Stadtmauer“, so Prync-Pommerencke. Sie wolle Investor und Stadt davon überzeugen, den Speicher in das Center zu integrieren. Die Verbindung alter und moderner Architektur könne zu attraktiven städtebaulichen Lösungen führen, so die Landeskonservatorin.

Die Vorgehensweise des Denkmalschutzes löst auch in der Stadtverwaltung große Irritation aus. „Drei Tage vor einem Investorengespräch mit einem feststehenden Urteil an die Öffentlichkeit zu gehen, macht uns sauer“, so der amtierende Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff. Sollte die „Marienplatz-Galerie“ nicht gebaut werden, wäre dies für die Landeshauptstadt eine „Katastrophe“.

Die Hoffnung aufgeben will Friedersdorff jedoch noch nicht: „Wir setzen weiter darauf, dass das Bauministerium den Center-Plänen bereits 2001 inklusive Abriss des Speichers zugestimmt hat.“

Schon einmal hat das Land Denkmalschützer überstimmt
Tatsächlich könne sich das Land über Entscheidungen der Denkmalschützer hinwegsetzen, hieß es gestern aus dem Bauministerium.

Dies sei in Schwerin bereits Mitte der 90er-Jahre geschehen: Obwohl die Konservatoren den Abriss der alten Stadthallen am Marienplatz abgelehnt hatten, konnte nach einem Machtwort des Landes das Schlosspark-Center wie geplant gebaut werden.

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