Demontiert Schwerin sein Erbe?

Auf der einen Seite wolle Schwerin mit dem Ensemble Alter Garten in die Unesco-Weltkulturerbe-Liste, andererseits werden denkmalgeschützte Gebäude wie am Marienplatz einem Neubau geopfert, sagt Architekt Ulrich Bunnemann.

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21. Juli 2008, 06:30 Uhr

Schwerin - „Man plant immer intelligenter mit dem Bestand. Unsanierte Gebäude sind keine Schandflecken, sondern das Potenzial für die Entwicklung unserer Stadt“, sagt Ulrich Bunnemann. Der Architekt weiß mit solchem Potenzial umzugehen. Seit zehn Jahren engagiert er sich mit seiner „Schelfbauhütte“ für den Erhalt historischer Bausubstanz. Mit der Sanierung der Lehmstraße 8, Schweinemarkt 2 und 2a und der Landreiterstraße 1c hat Bunnemann bewiesen, dass eine hochwertige Sanierung stark geschädigter Gebäude kostengünstiger sein kann als ein Neubau. Das Engagement des Unternehmerpreisträgers hat die Stadt sogar mit dem Baupreis gewürdigt.

„Wir sehen einen Widerspruch darin, dass die Stadt auf der einen Seite einen Baupreis für gelungene Sanierungen auslobt und auf der anderen Seite es zulässt und aktiv betreibt, dass denkmalgeschützte Gebäude weggerissen werden“, beklagt der Architekt. Städtebaufördermittel würden für aufwändige Sanierungen ebenso ausgegeben wie für den Abriss historischer Häuser. „Es geht nicht um den Erhalt von alten Gebäuden um jeden Preis. Manchmal ist eine Zäsur notwendig, um Besseres schaffen zu können“, sagt Bunnemann. Bei der geplanten Marienplatz-Galerie sieht er das aber nicht.

Der Abriss des alten Kornspeichers in den Marienhöfen ist für Ulrich Bunnemann nur ein Beispiel eines traurigen Trends. „Das Eckgebäude Markt, Schmiedestraße wurde ohne Not abgerissen. Die Bausubstanz wies kaum Schäden auf. Dann wurde es durch eine Kopie ersetzt, mit der Schwerin an Authentizität verliert“, nennt der Architekt ein Beispiel. Auch an der Kreuzung Landreiter-, Hospital-, Bergstraße habe man zwei denkmalgeschützte Fachwerkhäuser weggerissen. „Während das eine Grundstück zehn Jahre als Müll- und Parkplatz genutzt wurde – erst in diesen Tagen wird es neu bebaut –, hat man die Grundstücke Ecke Berg-, Hospitalstraße mit einem niveaulosen Wohn- und Geschäftshaus bebaut, das kurz nach seiner Fertigstellung bereits in der Zwangsversteigerung verkauft werden musste“, berichtet Bunnemann. In der Bergstraße 12 mussten das denkmalgeschützte Fachwerkhaus und die alte Schmiede im Hinterhaus weichen. „Die nun fertig gestellten Neubauten haben nichts von dem unverwechselbaren Charme der Vorgängerbauten“, bemängelt der Architekt.

Ulrich Bunnemann hat sich mit seiner Sorge um das städtebauliche Erbe Schwerins jetzt auch an Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff gewandt. Bunnemann: „Noch ist es nicht zu spät, den Abriss der Gebäude am Marienplatz, die zum kulturellen Erbe unserer Stadt gehören, zu stoppen.“

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