Demo nach Schlägerei am1. Mai

Junge Gadebuscher protestierten gestern gegen rechte Gewalt. Anlass war eine Schlägerei in der Nacht des 1. Mai, bei der acht Gadebuscher von 20 Schlägern angegriffen und verletzt worden sein sollen.

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02. Mai 2008, 10:10 Uhr

Gadebusch - Was acht Gadebuscher Jugendliche am späten Abend des 1. Mai erlebt haben, hat nicht nur sie sondern auch ihre Freunde geschockt. Gegen 21.00 Uhr waren die acht Jugendlichen auf dem Weg zur Tankstelle an der Ratzeburger Chaussee, als etwa 20 Angreifer auf die Gruppe zugestürmt sein sollen. Flaschen sollen als Waffen benutzt und Elektroschocker gegen die acht Jugendlichen eingesetzt worden sein. Die Gadebuscher zählen diese Angreifer zum rechtsradikalen Spektrum der Region und protestierten gestern spontan gegen Gewalt von rechts und machten auf den Angriff vom 1. Mai aufmerksam.

Bei dem Überfall wurden unter anderem zwei Mädchen mit Elektroschockern attackiert. „Die Verbrennung habe ich schon vom Arzt untersuchen und attestieren lassen“, berichtet eine der Verletzten, die wie sie sagt nur wenig von dem Stromstoß abbekommen hatte, weil sie sich wegdrehen konnte. Sie schildert auch, dass sich die acht Gadebuscher eigentlich von der Übermacht der Angreifer entfernen wollten. Dann hätten aber sechs der Schläger einen Jungen Mann aus der Gruppe gegriffen, ihn zu Boden geschlagen und bis zur Bewusstlosigkeit getreten, Er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Angreifer sollen Jagdszenen inszeniert haben

Die Angreifer sollen sich entfernt haben, als die Polizei am Ort des Geschehens eintraf. So wurden Personalien der noch Anwesenden aufgenommen und eines der Opfer in Gewahrsam genommen. Etwa eine Stunde nach der ersten Attacke kam es zu einem erneuten Angriff auf die Gadebuscher, die eine politisch linke Meinung vertreten. Auch hier soll wieder ein Opfer der Schlägerei von der Polizei mitgenommen worden sein.Bei den Attacken sollen die vermutlich rechtsextremen Angreifer sogar Jagdszenen inszeniert haben, bei denen sie von fünf auf eins runter zählten, um dann auf einen der Jugendlichen loszustürmen.

Die Gadebuscher Jugendlichen, die gestern gegen den Angriff vom 1. Mai protestierten, bringen die Schläger in Verbindung mit einem Herrentagswagen, der ihnen im Laufe des Feiertages aufgefallen war. „Auf dem Anhänger, der von einem Tarnnetz überspannt wurde, war am Heck ein Galgen installiert. An diesem wurde eine dunkelhäutige Gummipuppe ,erhängt‘!“, beschreiben sie die Beobachtung in einem Flugblatt. Dazu soll laute, rechtsradikale Rockmusik ertönt sein.

Da ein Anhänger mit derart geschmackloser „Dekoration“ am 1. Mai der Polizei gemeldet wurde, hat auch Sprecherin Steffi Nietz in Schwerin Kenntnis davon. „Der Wagen wurde angetroffen. Es waren aber friedliche Jugendliche, die Technomusik hörten und eine Beate-Uhse-Puppe als Verzierung am Wagen hatten“, erklärt sie. Von einem rechtsextremen Hintergrund hätten die Beamten bei dieser Gruppe nichts bemerkt.

Auch bei der Schlägerei am Abend des 1. Mai spricht die Gadebuscher Polizei vorerst von einer Schlägerei zwischen mehreren Jugendlichen. Die Ermittlungen müssten zeigen, wer Angreifer und wer Opfer war. Auch der Einsatz von Elektroschockern sei Bestandteil der laufenden Prüfungen. „Bisher weiß ich nicht, dass derartige Waffen benutzt wurden“, erklärt Gadebuschs Revierleiter Wolfgang Haagen.
Warum zwei der Gadebuscher Jugendlichen aus dem linken Spektrum am Abend in Gewahrsam genommen wurden, verstehen deren Freunde nicht. Schließlich hatten sie angegeben, attackiert worden zu sein. Dass die Angreifer hingegen am Abend „unbehelligt laufen gelassen wurden“ bezeichnen die Gadebuscher sogar als absurd.

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