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Bützow : Dem Chronisten durch den Ort folgen

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Klaus Jonas stellt in der Reihe des Bützower Heimatvereins "Ein Mitglied stellt sich vor" seinen Wohnort anhand einiger Bauwerke und deren Geschichte vor. Diese Reihe veranstaltet der Verein einmal im Jahr.

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erstellt am 22.Jul.2011 | 09:44 Uhr

Hufeisen in vielen verschiedenen Formen oder filigrane Eisenstücke - Klaus Jonas steht in der Schmiede auf seinem Grundstück und spricht über die verschiedenen Verwendungsweisen der Eisenstücke. "Ich habe von 1956 bis 1961 hier selbstständig gearbeitet und musste dann schließen", sagt Klaus Jonas. Der Grund: Die LPG, sein damaliger Hauptauftraggeber, musste damals bei der PGH Mechanik Baumgarten Schmiede-Gegenstände bestellen. Weil die Einnahmen dann nicht mehr ausreichten, schloss Klaus Jonas die Schmiede, die sein Vater 1933 eröffnet hatte.

Klaus Jonas stellt in der Reihe des Bützower Heimatvereins "Ein Mitglied stellt sich vor" seinen Wohnort anhand einiger Bauwerke und deren Geschichte vor. Diese Reihe, bei der ein Mitglied ein spezielles Thema aussucht, veranstaltet der Verein einmal im Jahr.

Der 81-Jährige weist in seiner "Werkstatt" nicht nur auf die Gegenstände, sondern auch auf die Werkzeuge hin. Dabei hält er beispielsweise eine überdimensionierte Raspel in der Hand. "Wenn die Mahlzähne bei den Pferden nicht richtig abgeschliffen waren, hat man mit solch einer Zahnraspel nachgeholfen", erklärt Jonas, der 1955 auf der Lehrschmiede in Rostock die Ausbildung für diesen Beruf absolvierte. Er nimmt ein ellipsenförmiges, leicht gebogenes Hufeisen von der Wand. "Mit dieser Form werden heute wieder Turnierpferde versorgt", sagt Jonas und geleitet die Teilnehmer nach draußen vor sein Wohnhaus.

Klaus Jonas zeigt auf einen Baum auf einer kleinen Erhebung vor seinem Haus. "Da hinten hat mal die Mühle, die 1873 errichtet wurde, gestanden", erklärt er. Doch sie ist 1876 abgebrannt, danach entstand wieder eine neue. "Schließlich ist die Mühle 1965 zusammengefallen", sagt Jonas. Er hat für die Teilnehmer einen Rundgang, der an markanten Gebäuden des Ortes entlang führt, zusammengestellt. Baumgarten bestand im 19. Jahrhundert aus 15 Hufen, wobei eine Hufe 39 Hektar groß war, und 22 Büdnereien. "Eine Büdnerei entstand immer dann, wenn eine Hufstelle abgebrannt war und wenn sie in die Hufe rein gebaut wurde", erklärt Klaus Jonas.

Der rüstige Senior interessiert sich seit Kindestagen für die Entwicklungen in seinem Ort. "Meine Mutter hat sich auch schon immer über die Geschichte ihres Ortes belesen", sagt Jonas. Er betreibt dieses Hobby - sich über die Geschicke des Ortes zu belesen - auch darum, weil er "einfach keinen Nachfolger findet". Wer in historischen Büchern wühlt, kann jede Menge interessante Fakten über den Ort erfahren.

So auch über die Alte Molkerei. "In Mecklenburg wurden 1887 zehn Genossenschafts-Molkereien gegründet, darunter war auch die in Baumgarten", sagt Jonas. Laut Anmerkungen in den Geschichtsbüchern soll es bei Molkerist Hintz, der von 1898 bis 1914 die Molkerei verwaltete, hervorragenden Käse gegeben haben. "1956 wurde die Molkerei mit der in Bützow vereinigt und musste ihren Betrieb einstellen", sagt Jonas. Seitdem seien in dem Gebäude Brüterei, Maschinenraum, Butterraum sowie eine Wäscherei eingerichtet. Bis 1980 fand auch der Werkunterricht in dem Haus statt. Mittlerweile steht das Gebäude unter Denkmalschutz, Ernst Lau hat hier eine Galerie eingerichtet. Auf seinem Rundgang führt Klaus Jonas die Gruppe zu einem weiteren Denkmal, die Kirche. Für Fritz Hoßmann, Vorsitzender des Heimatvereins, war dieser Abschnitt besonders spannend. Er erklärt: "Es erfolgte Ende des 19. Jahrhunderts ein konkreter Umbau des Gotteshauses unter Federführung des Landbaumeisters Adolf Prahst, der auch in Bützow einige Häuser gestaltet hat." Begeistert waren er und die anderen Interessenten auch über die analemmatische Sonnenuhr, womit eine ellipsenähnliche Form gemeint ist, die bei Bernd Schmidt auf dem Hof zu sehen ist.

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