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11. Dezember 2017 | 23:54 Uhr

Debatte mit vielen Fragezeichen

vom

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2010 | 08:49 Uhr

Schwerin | Bei den meisten Bürgern stößt sie auf wenig Gegenliebe: Die Rente mit 67. Angestoßen wurde die erneute Diskussion von der SPD-Bundestagsfraktion, die über Verschiebung des Reformbeginns nachdenkt. Das Deutsche Institut für Wirtschafts forschung empfiehlt unterdessen bereits eine Erhöhung des Renteneinstiegsalters auf 70 Jahre. "Diese Sommerdiskussion darf nicht zur Schaffung neuer Probleme führen", fasste gestern in Schwerin der Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern (VUMV), Hans-Dieter Bremer, die Erwartungen der Wirtschaft zusammen. Seit drei Jahrzehnten bekäme jeder Deutsche pro Jahr knapp drei Monate längere Lebensdauer "geschenkt". Jedem müsse klar sein, dass der dafür notwendige Lebensunterhalt auch vorher von den Betroffenen aufgebracht werden muss. "Entweder arbeiten wir alle ein wenig länger und zahlen länger niedrigere Beiträge oder wir hören nach wie vor früh auf und zahlen aber mehr in die Kasse ein", so Bremer.

Auch viele Schweriner sind schon von der Rente mit 67 wenig begeistert. Die Idee, das Einstiegsalter noch weiter zu erhöhen, lehnen sie schlicht ab. Den Grundtenor einer SVZ-Umfrage bringt Ben Malwig auf den Punkt: "Im ersten Moment erscheint das nur abschreckend für Leute, die körperlich arbeiten. Aber auch die Entwicklung der Technik läuft heute so schnell, dass selbst der Bürojob mit 66 schwierig werden kann. Rente mit 70 halte ich für absolut übertrieben." Der 20-jährige Schweriner ist heute Student. Ihn wird das Resultat der aktuellen Rentendebatte voll treffen. Nach dem vorgesehenen Stufenmodell soll es die Rente mit 67 erstmals 2029 geben.

Erwerbschancen für Ältere verbessern sich

Für alle, die schwerer körperlicher Arbeit nachgehen, sollen Ausnahmerege lungen greifen. "Die SPD hat eine Überprüfungsklausel durchgesetzt, die verhindert, dass der oft zitierte nicht mehr leistungsfähige Dachdecker mit 67 natürlich nicht mehr seinen Beruf ausüben muss", erklärt Schwerins Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Hacker (SPD) auf SVZ-Nachfrage. "Es geht uns jetzt darum, vor dem Hintergrund der konkreten Ar beitsmöglichkeiten für ältere Arbeit nehmer diese Überprüfungsklausel konkret auszugestalten und Regelungen für gleitende Übergänge zu finden." Eine Diskussion über das Renteneintrittsalter mit 70 Jahren hält Hacker für "völlig über flüssig".

Das sieht sein Schweriner Bundestagskollege von der CDU genauso. "Der Vorschlag, das Renteneintrittsalter auf 70 anzuheben ist nicht sachgerecht und wenig hilfreich. 67 Jahre halte ich unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen für sinnvoll. Leider wird in der Debatte nur unzureichend darauf hingewiesen, dass sich für Versicherte, die mindestens 45 Pflichtbeitragsjahre aus Beschäftigung, Kindererziehung und Pflege erreicht haben, nichts ändern wird. Sie werden weiter mit 65 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen können."

Die ablehnende Haltung eines Großteils der Bevölkerung nehmen beide Politiker wahr - und ernst . "Politik muss noch mehr um Verständnis werben", resümiert Monstadt. "Wir dürfen aber nicht nur bis zur nächsten Bundestagswahl denken. Durch den Geburtenknick wird auch in MV der Bedarf an qualifizierten Fachkräften weiter wachsen, dadurch verbessern sich die Erwerbschancen für ältere Mitbürger."

Tatsächlich gehen in Westmecklenburg aktuell nur etwa 25 Prozent der Er werbsfähigen über 60 Jahre einer so zialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. "Dieser Anteil wird sich allerdings in Zukunft erhöhen", sagt der Chef der Schweriner Arbeitsagentur, Helmut Westkamp. Angesichts der demo grafischen Entwicklung seien die Unternehmen schon jetzt aufgerufen, die Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer zu erhöhen. "Die Rente mit 67 ist eine politische Frage", betont Westkamp. Kritiker des Modells müssten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Alternative nach Lage der Dinge nur in einer Erhöhung der jetzigen Beiträge zur Rentenversicherung bestehen könnte.

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