Das verschwundene Stück Wald

Was von der Kiefer übrig blieb: Im Wald von Bernd Scholz hatten es Diebe auf das Holz von rund 75 Bäumen abgesehen. Foto: Hans-Georg Taken
Was von der Kiefer übrig blieb: Im Wald von Bernd Scholz hatten es Diebe auf das Holz von rund 75 Bäumen abgesehen. Foto: Hans-Georg Taken

Bernd Scholz sieht vor lauter Bäumen zwar noch seinen Wald, doch ein Stückchen davon ist weg. Rund 75 Kiefern sind ohne Wissen des Besitzers abgeholzt und abtransportiert worden. „Das war Diebstahl“ sagt Scholz – und hat Anzeige erstattet.

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16. Juli 2008, 11:01 Uhr

Kummer - Dort, wo der Acker aufhört, fängt das kleine Waldstück von Bernd Scholz an. Schaut er aus dem Schlafzimmerfenster, dann kann er es sehen. „Wenn sie nachts gekommen wären, dann hätte ich es doch gemerkt“, sagt der hochgewachsene Mann mit den kurzen Haaren, bevor er von Licht spricht, das er hätte sehen, und Lärm, den er hätte hören müssen. Sie, damit meint Scholz die großen Unbekannten, die ihn um fast einen Hektar seines Waldbestandes beraubt haben. Tagsüber müssen sie gekommen sein, irgendwann Mitte, Ende Juni, mit schwerem Gerät und einer großen Portion Dreistigkeit. Das Holz von rund 75 Kiefern haben sie mitgenommen, ein verwüstetes Fleckchen Wald und einen von Scholz geschätzten Schaden in Höhe von rund 10 000 Euro hinterlassen.

„Das können nur Profis gewesen sein“
Es war am vergangenen Samstag, am frühen Abend, als Bernd Scholz das tat, was er nur in Ausnahmefällen macht: Er hat während des laufenden Betriebs den Herd in der Küche seines „Lindenkrugs“ verlassen. „Ein Stammgast fragte mich, ob ich in meinem Wald Holz eingeschlagen hätte“, erzählt der Gastwirt. Nein, das habe er nicht. Scholz fuhr sofort los, ruckelte mit seinem Geländewagen über einen unebenen Waldweg bis hin zu der Stelle, an der Baumfällschneidemaschine und Tieflader eine breite Schneise in seinen fünf Hektar großen Wald getrieben haben. Überall Baumstümpfe, harzige, knorrige Stolperfallen, die schienbeinhoch aus dem weichen Waldboden herausragen. Kleine und große Äste, Baumkronen, Rinde – alles kreuz und quer durcheinander. Mittendrin noch Holz, gutes Holz, das von den ehemals stolzen, 90 Jahre alten Kiefern übrig geblieben ist und nun verstümmelt liegen gelassen wurde. „Die Baumfällmaschine kann so eingestellt werden, dass sie ein bestimmtes Maß abschneidet“, weiß Scholz. Zehnmeterstücke, vermutet er, darauf hätten es die Diebe abgesehen. „Das können nur Profis gewesen sein“, ist sich Scholz sicher. Er rief noch am Sonnabend die Polizei und erstattete Anzeige. Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei. Doch den Schaden hat Bernd Scholz. Rund 15 weitere Kiefern wurden bei der mehrstündigen, illegalen Abholzung beschädigt. Sie müssen auch gefällt werden. „Dabei sollte erst in frühestens zehn Jahren wieder abgeholzt werden. Dann wäre das Holz noch besser und wertvoller gewesen“, sagt Scholz, der zwischen den seltenen Abholzzeiten nur Brennholz für seine drei Haus- und Gaststätten-Öfen aus dem Wald holt, der schon seit Generationen im Familienbesitz ist.

„Ungewohnte Aktivitätensofort melden“
Auch Erika Jauert hat sich den Schaden in Scholzens Gehölz schon angeschaut. Erika Jauert ist Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft Rögnitztal Kummer. Diese kümmert sich um die rund 220 Hektar Wald der angeschlossenen 37 Privatwaldbesitzer. Auch Bernd Scholz zählt dazu. „Bisher sind wir von solchen Aktionen verschont geblieben“, sagt Erika Jauert. Auch in den Forstämtern in der Umgebung, so ein Sprecher, sei dies in dieser Form noch nicht vorgekommen. An ein Versehen glauben Bernd Scholz und Erika Jauert nicht.  „Wir haben mit den Lohnunternehmern und dem Forstamt gesprochen. Diese seien zu dem Zeitpunkt nicht in diesem Gebiet tätig gewesen“, so Jauert. Sie hofft, dass dies ein Einzelfall war. „Trotzdem wäre es gut, wenn alle Waldbesitzer genau hinschauen, was für Fahrzeuge in ihren und den angrenzenden Gebieten unterwegs sind. So können ungewohnte Aktivitäten sofort gemeldet werden“, sagt Jauert. Genauer hinsehen wird Bernd Scholz in Zukunft auch, denn ein verschwundenes Waldstück reicht ihm.

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