Das stinkt zum Himmel

Unordnung, wo man nur hinsieht, Bier- und Schnapsflaschen in den Ecken, beißender Geruch in der Nase beim Betreten des Hauses, – aus dem ehemaligen beschaulichen Heim von Therese Gallmeister ist eine Müllhalde geworden.

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22. Oktober 2008, 08:55 Uhr

Plau am See - Die Mauerstraße ist eine ruhige kleine Gasse in Plau am See. Viele kleine Häuschen mit winzigem Vorgarten stehen dicht an dicht und wirken so unscheinbar. Keines sticht durch besondere Auffälligkeiten hervor. Auch nicht das schöne weiße Haus mit der Nummer zwölf, das Therese Gallmeister gehört.

Die 60-Jährige hat ihr Gebäude im Juli 2006 an Anne S.* und Reiner M.* vermietet. „Als ich nach 38 Jahren aus dem Haus auszog, wollten die beiden es eigentlich kaufen. Doch weil das Geld fehlte, einigten wir uns auf einen Mietkauf“, erzählt die schockierte Vermieterin.

Familienfoto zwischen Büchern und Flaschen
Denn was innerhalb von zwei Jahren aus ihrem mit eigenen Händen aufgebauten Haus geworden ist, ist schier unvorstellbar. Überall liegt Krempel herum, angefangen von alten Büchern, Müllsäcken, Kartons bis hin zu Bier- und Schnapsflaschen. Sogar ein Familienbild der Mietnomaden liegt noch in der Ecke. Es zeigt eine völlig normal wirkende, glückliche Sippe.

Doch der Gipfel des Eisbergs ist ein anderer: Ein blauer Eimer in der Ecke des verwahrlosten Kinderzimmers, in dem Exkremente vor sich hin stinken. Gallmeister angewidert: „Ich musste tief Luftholen und schlucken, als ich das gesehen habe und gehe hier seitdem nur noch mit Gummihandschuhen rein.“

Schon seit März wollte die dreiköpfige Familie, zu der auch ein 13-jähriger Sohn gehört, nicht mehr den vollen Mietpreis für das 65 Quadratmeter große Heim zahlen, da es angeblich durchregnete und nicht ausreichend isoliert war. „Das ist allerdings totaler Unsinn“, erklärte Therese Gallmeister und drohte Ende September mit einer Räumungsklage.

Daraufhin zogen Anne S. und Reiner M. in einer Nacht- und Nebelaktion aus, nahmen alle Möbel mit. „Als ich mir den Schlüssel holen wollte, verweigerten sie mir das Stück. Also musste ich mit einem Schlüsseldienst mein eigenes Haus aufbrechen“, so die entrüstete Rentnerin. Eine Nachbarin weiß, dass die unliebsamen Anhwohner täglich betrunken gewesen seien, sich furchtbar aufgeführt hätten und es häufig ziemlich laut zugegangen wäre. Aber einmischen wollte sie sich nicht.

Gallmeister: „Ich habe den beiden vertraut“Und auch von der Vermieterin der Wohnung, in der Anne S. und Reiner M. zuvor hausten, wurde Therese Gallmeister vorgewarnt: „Sie sagte, ich solle mir das gut überlegen, aber ich habe den beiden vertraut.“

Das hat sie nun bitter bereuen müssen. Ihr Haus ist nicht wiederzuerkennen. Die Hausbesitzerin ist ratlos: „Ich weiß nicht, was man da tun kann. Für einen Anwalt fehlt mir das Geld und die Polizei kann wohl auch nichts mehr tun.“

Das bestätigt auch Renate Rühe, Vorstandsmitglied vom Verein für Haus und Grund in Parchim: „Man kann sich eventuell vorher schützen, indem man sich per Fragebögen über die bisherigen Miet- und Bonitätsverhältnisse informiert. Sicherheit bringt das aber nicht.“ Viele Fälle würden gar nicht erst bekannt werden, weil eine Klage durch den Vermieter Geld koste und natürlich Aufsehen errege.
Nun gilt es für die Plauerin Therese Gallmeister, alles aufzuräumen und neu zu tapezieren. Ab Anfang nächsten Jahres hofft sie, fertig zu sein und einen neuen Käufer zu finden – diesmal hoffentlich keine Mietnomaden. (*Namen d. Red. bekannt)

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