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Das skurrile Fan-Outfit für die Frau

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erstellt am 22.Jun.2010 | 08:45 Uhr

Herrnburg | Vuvuzelas, verrückte Perücken und Schminke im Gesicht waren gestern, um Sympathie mit der eigenen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika zu zeigen. Heute trägt man - oder besser gesagt Frau - Ballkleider, im wahrsten Sinne des Wortes. Manuela Offenborn hat insgesamt 17 Abendroben im Look von 17 verschiedenen Landesfarben entworfen und geschneidert. Alle sind Unikate.

"Ich mache gerne verrückte Dinge und finde Fußball toll. Da kam mir bereits zur Europameisterschaft vor zwei Jahren die Idee, von allen 16 teilnehmenden Teams ein Kleid zu designen", sagt die 49-Jährige und versucht, die Nationen zusammen zu zählen: Tschechien, Niederlande, Russland, Schweden (daraus wurde am Ende aber Europa), Kroatien, Frankreich, Portugal, Italien, Griechenland, Türkei, Spanien, Österreich, Schweiz, Polen, Rumänien und selbstverständlich Deutschland.

Für die WM 2010 kam in diesem Jahr noch das Gastgeberland Südafrika hinzu. Dieses Meisterwerk hat Manuela Offenborn über fünf Monate Freizeit gekostet, denn hauptberuflich ist sie eigentlich Sekretärin eines Lübecker Müsliproduzenten. Nebenher führt sie ein Brautmodengeschäft.

"Das war ganz schön schwierig. Ich hatte eine ganz bestimmte Vorstellung vom Südafrika-Kleid. Es sollte genau wie die Flagge aussehen - mit dem Y. Und dann hatte ich mich auch noch vernäht, als ich fast fertig war. Statt blau begann ich mit rot. Zwischendurch habe ich es auch verzweifelt beiseite gelegt", gesteht sie. Am Ende ist es doch etwas geworden. Das frauliche Dress mit Korsage und ausladendem Reifrock glänzt in rotem, blauem und grünem Satin. Die lange Schleppe wird von dutzenden Bällen sowie den Fahnen von allen sich für die WM 2010 qualifizierten Nationen verziert.

Unzählige Meter Satin- und Paillettenstoff vernäht

Außerdem schneiderte Manuela Offenborn eine Neuauflage vom Deutschlandkleid, die sich durchaus sehen lassen kann. "Dafür habe ich Satin- und Paillettenstoff in den Farben schwarz, rot und gold verwendet. Fünf Fußbälle schmücken den unteren schwarzen Teil. Weiter abwärts fällt die Robe ganz weit auseinander. Durch eine Tür kommt man damit jedenfalls nicht", beschreibt Offenborn, die aus dem mecklenburgischen Herrnburg vor den Toren Lübecks kommt, ihr Meisterwerk.

Wie viel Stoff die in Zürich ausgebildete Modemacherin insgesamt vernäht hat, kann sie gar nicht sagen. "Ich weiß nur eins", berichtet sie. "Für einen Rock allein brauche ich schon sechs Meter." Am besten gefällt Manuela Offenborn das Portugal-Kleid, "weil die Farben (rot und grün - d. Red.) der Flagge so schön sind". Schwierigkeiten bereiteten ihr vor allem die Abendroben für Russland, die Niederlande, Tschechien oder Frankreich. "Die haben mit rot, weiß und blau alle dieselben Farben in ihrer Fahne", begründet sie. Da müsse man sich erstmal etwas einfallen lassen, damit nicht alle gleich aussehen.

Doch egal wie schön Offenborn ihre Kreationen auch findet - selbst anziehen und verkaufen wird sie sie nicht. Stattdessen sind die Roben für Ausstellungen oder Kulturveranstaltungen vorgesehen. Nur bei einem Kleid macht die Herrnburgerin eine Ausnahme. "Südafrika möchte ich nach der WM an ein Kinderhospiz versteigern. Ich hoffe, dass ich noch irgendwie an die Autogramme der deutschen Nationalmannschaft komme, die auf dem Kleid unterschreiben soll. Dann wäre es noch mehr wert", erzählt die Sportbegeisterte.

Mit dem Ferrari-Kleid im Fernsehen

Auch die Formel 1 hat sie einst inspiriert, ein Dress zu schneidern. Als Ferrari-Fan durfte natürlich auch ein Kleid ganz in Rot in ihrer Sammlung nicht fehlen. Offenborn: "Das kam sehr gut an, ich war damit sogar im RTL-Sport. Später wurde es beim Spendenmarathon verkauft."

Zudem könnte die Designerin, die nun auch Visagistik nebenher studiert, sich vorstellen, bestimmte Kleider auf Anfrage zu entwerfen. "Wenn jemand zum Beispiel Anhänger von Bayern München, Werder Bremen oder einem anderen Verein ist, und nachfragt, würde ich sofort loslegen", sagt sie.

Und warum sind bisher nur Männersportarten auf ihren Frauenkleidern zu finden? "Weil das so schön skurril ist", erzählt sie und fügt hinzu: "Aber vielleicht mache ich ja dann nächstes Jahr zur Fußball-WM der Frauen in Deutschland wieder eine neue Kollektion."

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