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Staatliches Museum Schwerin: Ausstellung „Sommergäste“ : "Das Meer ist ja, hol`s der Deibel, immer schön"

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Ein Coup. Nichts Geringeres ist dem Staatlichen Museum Schwerin gelungen. Ein Coup in mehrfacher Hinsicht. Denn die Ausstellung "Sommergäste" ist regional und welthaltig zugleich.

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erstellt am 21.Jul.2011 | 10:59 Uhr

Ein Coup. Nichts Geringeres ist dem Staatlichen Museum Schwerin gelungen. Ein Coup in mehrfacher Hinsicht. Denn die Ausstellung "Sommergäste" ist regional und welthaltig zugleich. Weil sie große Kunst präsentiert, die vor der Haustür entstanden ist, auf Rügen, dem Darß oder Usedom, in Warnemünde, Sellin oder Prerow. Von Künstlern, die Kunstgeschichte geschrieben haben - Max Pechstein, Erich Heckel, Lovis Corinth, Lyonel Feininger, Kurt Schwitters oder Edvard Munch. Die sich von den Landschaften Mecklenburgs und Pommerns inspirieren ließen und deren Werke nun an ihren Entstehungsort zurückgekehrt sind - erstmals.

Die Moderne suchte an den Stränden Erholung

Nun sind Ausstellungen mit Werken der Klassischen Moderne an sich, also jene avantgardistischen Arbeiten, die von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden sind, keine Seltenheit. Dieses Gebiet ist vielfach erforscht. Nur ein Kapitel fand bisher kaum Beachtung: die Aufenthalte all der Impressionisten, Expressionisten oder Dada-Künstler an den Küsten von Kühlungsborn bis zur Kurischen Nehrung. Sommerfrischen, die natürlich, wie es bei Künstlern gar nicht anders sein kann, nie nur reine Urlaube waren, sondern zugleich auch Arbeitsaufenthalte. Wie Kornelia Röder, die vor drei Jahren die Idee zu dieser Ausstellung hatte, in dem schönen Katalog gemeinsam mit ihrer Mitkuratorin Antonia Napp schreibt: "die Moderne suchte an den Stränden schöpferische Erholung."

Die kreativen Sommergäste - 29 sind in der Ausstellung vertreten - flohen für ein paar Wochen aus der Hektik großer Städte wie Berlin, München oder Dresden an die See. Sie suchten und fanden dort Einsamkeit, die weite Landschaft des Nordens mit ihrem offenen Horizont, eine vielschichtige Farbigkeit, die sie als Künstler geradezu euphorisierte. "Farben sehe ich hier am Meer, nicht zu beschreiben … Sonnenuntergänge, wie ich seit meiner Kindheit keine mehr sah", schrieb Lyonel Feininger aus dem kleinen Ort Deep unweit von Kolberg.

Dass die großen Künstler auch nur Menschen waren, verraten die vielen Zeitdokumente, Briefe und Postkarten, die im Katalog veröffentlicht wurden - zum Teil erstmals. Bevorzugter Anlass für Mäkeleien: das wie heute verlässlich unbeständige Wetter an der Ostseeküste.

Dort hielten die Künstler nicht allein Boote und Leuchttürme, Menschen, Strände und immer wieder das Meer auf Skizzenblock und Leinwand fest, die Landschaft in Mecklenburg und Pommern selbst beeinflusste direkt ihr Schaffen oder führte sogar wie bei Alexej Jawlensky, der der Künstlervereinigung "Blauer Reiter" angehörte, zu einer Zäsur in seinem Schaffen. "Dieser Sommer (1911 in Prerow - d.A.) bedeutete für mich eine große Entwicklung in meiner Kunst."

Feininger, vor den Nazis 1937 nach New York geflohen, griff noch nach Jahren in Amerika auf seine "Natur-Notizen" zurück, die er u. a. in den Dörfern rund um Usedom skizziert hatte. "Pommern und die Ostsee, das war einmal: weiß ich das auch so genau, denn sie waren für mein ganzes Schaffen mitbestimmend … Hier gibt es nichts, was damit zu vergleichen wäre", schrieb er noch 1951 an eine deutsche Freundin aus New York.

"Badende Männer" aus Helsinki heimgekehrt

Edvard Munch lebte seines angekratzten Nervenkostüms wegen 1907/08 in Warnemünde und hatte dort am Strom eine äußerst produktive Zeit, in der direkt am Strand auch sein großes Gemälde "Badende Männer" entstand. Es ist nun als Leihgabe aus Helsinki erstmals im Entstehungsland zu sehen.

Georg Grosz, der Chronist der Großstadt, war der aufkommende mondäne Badebetrieb eher suspekt. Er machte sich in seinen Skizzenbüchern über das "Kurgästegesindel" lustig. Gegen die Ostsee selbst hatte er nichts einzuwenden: "Das Meer ist ja, hols der Deibel, immer schön."

Davon kann man sich nun anhand der 108 Werke bekannter und neu zu entdeckender Meister in der großen Sommerausstellung des Staatlichen Museums einmal mehr überzeugen. Denn es lässt sich nicht leugnen: In diesem Sommer liegt Schwerin am Meer.

"Sommergäste - Von Arp bis Werefkin, Klassische Moderne in Mecklenburg und Pommern", 22. Juli bis 23. Oktober 2011, Di-So 10 bis 18 Uhr, Do 12 bis 20 Uhr, Katalog 29,50 Euro

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