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Bahnrad-Weltmeister Stefan Nimke über seine erfolgreiche Karriere : "Das ist alles ganz schön krass"

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"Mittlerweile habe ich das schon alles verdaut. Wenn ich drüber nachdenke, dass ich seit 1997 fast immer vorn mit dabei war, ist das alles schon ganz schön krass", resümierte der frischgebackene Weltmeister Stefan Nimke.

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erstellt am 28.Mär.2011 | 07:54 Uhr

Schwerin | "Mittlerweile habe ich das schon alles verdaut. Wenn ich drüber nachdenke, dass ich seit 1997 fast immer vorn mit dabei war, ist das alles schon ganz schön krass", resümierte der frischgebackene 1000-Meter-Zeitfahr-Weltmeister Stefan Nimke. Am Sonntag bei der Bahnrad-WM im niederländischen Apeldoorn landete er zum dritten Mal in seiner Spezialdisziplin den großen Coup, obwohl er vorher gar nicht damit gerechnet hatte. "Ich habe einfach nicht mehr daran gedacht, dass es im Teamsprint auf dieser Bahn nicht ganz so gut gelaufen war. Ich habe dann das gemacht, was man bei 1000 Metern machen muss: einfach drauflos strampeln", erzählte der Schweriner mit seiner lockeren sowie sympathischen Art.

Er war am Sonntag als Viertletzter gestartet. Danach kamen dann noch die Vorjahresmedaillengewinner. "Mit meiner Zeit war ich total zufrieden und war schon davon überzeugt, dass es zu einer Medaille reicht. Als dann nur noch Teun (Titelverteidiger Mulder aus den Niederlanden) am Start stand, dachte ich mir, jetzt wäre es noch toll, wenn es zu Gold reichen würde. Aber ich wusste, dass Teun deutlich schneller anfährt als ich. Wenn ich verliere, verliere ich auf der ersten Runde. Mein Abfall ist hintenheraus nicht so gravierend wie bei den anderen."

Wieder ein Jahr im Regenbogentrikot unterwegs

Der Niederländer war aber nicht schnell genug, um den vierfachen Weltmeister noch von Platz eins zu verdrängen. Eine Erklärung fand der Vize-Weltmeister im Teamsprint auch gestern noch nicht so wirklich für seine grandiose Leistung: "Die Bahn ist nicht gerade die schnellste. Im Teamsprint musst du maximale Spitzengeschwindigkeit bringen, damit hatte ich am Mittwoch noch Probleme. Beim 1000er auf dem Zeitfahrrad ist das dann auch schon wieder anders, auch wenn du voll fahren musst." Nimke holte sich erneut das Regenbogentrikot des Weltmeisters, das er im Teamsprint mit Maximilian Levy (Cottbus) und René Enders (Erfurt) an die Franzosen verloren hatte. "Jetzt habe ich doch wieder eins und kann das tragen", scherzte Nimke. Egal wo er bis zur nächsten WM über den Kilometer antritt, darf er das Trikot tragen. "Wenn du da oben auf dem Podium stehst, weißt du, dass sich die ganze Schinderei der letzten Wochen und Monate gelohnt hat."

Gefeiert wurde am Sonntagabend in Apeldoorn aber nicht mehr. "Ich bin gleich nach Hause gefahren. Marlen freut sich ja, wenn ich nach all den Wochen wieder nach Hause komme", so der Olympiasieger von 2004. Nur allzu verständlich, entbehren ihn seine Frau und die beiden kleinen Töchter Luise und Charlotte schon über Jahre hinweg, aber sie unterstützen ihn, wo sie nur können, und der Erfolg gibt allen Recht: "Es lohnt sich weiterzumachen auch für das nächste Jahr. Da will ich bei den Olympischen Spielen in London noch mal eine Medaille."

"Ich werde jetzt das machen, wozu ich Lust und Laune habe"

Das ist Zukunftsmusik. Jetzt erst einmal steht für den 13fachen WM-Medaillengewinner Erholung auf dem Programm. "Ich werde jetzt Sport treiben." Wie bitte? "Die anderen aus der Nationalmannschaft haben mich gefragt, ob ich denn blöd sei", erzählte er lachend und erklärte: "Ich bin nicht der Typ, der zu Hause rumsitzt. Ich muss mich bewegen. Aber ich werde jetzt das machen, wozu ich Lust und Laune habe. Also ein bisschen laufen, mit meiner Frau Marlen Badminton spielen, mit den Kindern Inlineskaten oder mit ihnen ein bisschen Radfahren." Im April ist der 33-Jährige erst einmal bei seiner Familie. "Da gibt es genug zutun. Ich muss auch in den Garten. Es gibt Tage, da puzzle ich gern rum, dann kann er schon mal zum Hobby werden. Dann sage ich mir auch wieder mal, nee, jetzt muss das nicht sein", so Nimke.

Bei seiner Ausbildung zum Polizeimeister an der Güstrower Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege Mecklenburg-Vorpommern ist derzeit sowieso lernfrei, da geht es erst ab Mai weiter. "Da muss ich noch einigen Stoff nachholen", so Nimke, der allerdings eine Ausbildungsverlängerung erhalten hat und nun seinen Abschluss erst 2013 absolviert. "Da habe ich tolle Unterstützung von der Landespolizei und vom Innenminister. Ohne Verlängerung wäre beides nicht machbar, sowohl der Sport und als auch die Ausbildung würden leiden. Aber trotzdem muss ich zwischendurch lernen, ansonsten vergesse ich ja wieder alles." Also heißt es jetzt noch knapp eineinhalb Jahre verstärkte Konzentration auf den Sport, bei Olympia in London - das wären seine vierten Sommerspiele - noch einmal eine Medaille ("Gold wäre super.") einfahren, um sich dann ganz auf seine Ausbildung zu konzentrieren.

Zur Person

Stefan Nimke

  • Geboren: 1. März 1978 in Hagenow
  • Familienstand: verheiratet mit Marlen, Töchter Luise (8) und Charlotte (6)
  • Beruf: Polizeimeisteranwärter an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow
  • Trainer: Ronald Grimm
  • Verein/Team: PSV Schwerin / Track Cycling Team Mecklenburg-Vorpommern
  • Spitzname: Bodo
  • Hobbys: Sporttreiben, Badminton, Inlineskaten mit der Familie


Sportliche Erfolge

WELTMEISTERSCHAFT

  • 1997 Bronze: 1000-m-Zeitfahren
  • 1998 Bronze:  Olympischer Sprint
  • 1999 Bronze:  Olympischer Sprint und 1000-m-Zeitfahren
  • 2003 Gold:  1000-m-Zeitfahren
  • 2005 Bronze:  Teamsprint (ehemals Olympischer Sprint)
  • 2006 Bronze:  Sprint
  • 2007 Bronze:  Teamsprint
  • 2009 Gold:  1000-m-Zeitfahren und  Bronze:  Teamsprint
  • 2010 Gold:  Teamsprint
  • 2011 Gold:  1000-m-Zeitfahren
  • 2011 Silber:   Teamsprint


OLYMPISCHE SPIELE
  • Gold: 2004 in Athen Teamsprint

  • Silber: 2000 in Sydney 1000-m-Zeitfahren

  • Bronze: 2004 in Athen 1000-m-Zeitfahren und 2008 in Peking Teamsprint

EUROPAMEISTERSCHAFT

  • 1997: Gold Olympischer Sprint und 1000-m-Zeitfahren
  • 1999: Gold 1000-m-Zeitfahren
  • 2001: Gold Teamsprint


Danach war Nimke bei der EM nicht mehr startberechtigt. Die EM wurde bis 2010 nur für die U23 ausgetragen. Seit 2010 ist sie für alle offen, da sie als Qualifikationswettbewerb für die Olympischen Spiele 2012 gilt.
  • 2010: Gold Teamsprint


DEUTSCHE MEISTERSCHAFT
  • Seit 1999: 11 x Meister, 6 x Vizemeister, 1 x Bronze


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