Das ICE-Drama

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11. Juli 2010, 07:43 Uhr

Bielefeld/Hannover | Eine Woche Berlin hatten die Zehntklässler des Sankt Bernhard-Gymnasiums aus dem nordrhein-westfälischen Willich gerade hinter sich. Fünf Tage Klassenfahrt, Freude und Gelächter. Auf dem Rückweg ins Rheinland erlebten die Schüler am Samstag jedoch ein Hitzedrama: In dem ICE, der sie heimbringen sollte, war die Klimaanlage ausgefallen. In den Waggons war es brütend heiß und stickig. Die Wasserversorgung wurde knapp. Vier Mädchen, berichtet Schulleiterin Margret Peters, mussten beim Stopp in Bielefeld mit Kreislaufbeschwerden ins Krankenhaus gebracht werden. "Ich bin nur froh und glücklich, dass es ihnen wieder gut geht, und alle mittlerweile wohlbehalten zu Hause sind", sagt die Direktorin am Sonntag.

Kurz nach der Abreise fällt die Klimaanlage aus

Schon kurz nach der Abreise aus Berlin war die Klimaanlage in dem ICE ausgefallen. Das Zugpersonal bemühte sich jedoch nach Kräften, den Passagieren die Fahrt zu erleichtern, berichtet einer der mitreisenden Lehrer. Zuerst durften die Schüler von der zweiten Klasse in die erste wechseln. Als auch dort die Lüftung ausfiel, konnten sie je nach Fahrt die Plätze auf den Schattenseiten belegen, weil der Zug nicht voll besetzt war. In Hannover schließlich sollte die Gruppe mit einem anderen Zug weiterfahren. "Doch da brach dann wohl das Chaos aus", erzählt Schulleiterin Peters. Niemand hätte sich mehr zuständig gefühlt, das Personal habe überfordert gewirkt. Schließlich mussten die Reisenden in einen verspäteten ICE, der schon überfüllt war. Auch dort gab es keine funktionierende Air-Condition. Menschen drängten sich in den Gängen und zwischen den Sitzen.

Mutter will Scheibe mit Nothammer einschlagen

Einige ältere Leute wären zusammengebrochen und hätten sich auf den Boden legen müssen. Eine Mutter habe fast die Nerven verloren und in Panik und Verzweiflung versucht, ein Fenster mit dem Nothammer einzuschlagen, weil ihr kleiner Sohn nach Atem rang. So die Schilderungen von Schülern und Lehrern. "Glücklicherweise hatten wir zwei sehr souveräne Kollegen mit auf der Fahrt, und auch unsere Schüler behielten trotz allem einen klaren Kopf. Wenngleich alle durch die Situation extrem angeschlagen waren und auch psychisch zu kämpfen hatten", sagt Margret Peters. Sie selbst erfuhr von dem Drama kurz nach dem Abiball am Samstagabend aus dem Radio. Spät in der Nacht waren die Schüler dann aus Bielefeld in klimatisierten Bussen abgeholt worden. Auch einige Eltern hatten sich besorgt auf den Weg gemacht und ihre Kinder geholt. Von der Bahn erwartet Peter, dass die Vorfälle schnell geklärt werden. "Wenn die Klimaanlagen ein Schwachpunkt sind, muss der aus der Welt geschafft werden."


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