Schwerin: Itziar Lesaka singt in der „Lucia di Lammermoor“ die Alisa : "Das hier ist ein Traum"

Ohne Maske, aber mit der unaufdringlichen Eleganz, wie sie Bühnenmenschen eigen ist, kann einem Itziar Lesaka auf Schwerins Straßen begegnen. Schroeder
Ohne Maske, aber mit der unaufdringlichen Eleganz, wie sie Bühnenmenschen eigen ist, kann einem Itziar Lesaka auf Schwerins Straßen begegnen. Schroeder

Nicht neu in Schwerin, aber neu im Ensemble: Itziar Lesaka singt in der „Lucia di Lammermoor“ die Alisa. „Das ist ein Traum“, sagt sie. Das Engagement in Schwerin ist die Ankunft nach einem langen Weg.

von
10. November 2010, 11:52 Uhr

Was bringt der nächste Arbeitstag? Sie weiß es noch nicht. "Wir erfahren um 14 Uhr, was wir am nächsten Tag machen werden", sagt Itziar Lesaka. Eigentlich muss sie zur Probe. Ins Staatstheater, wo die Mezzosporanistin seit dieser Spielzeit fest zum Ensemble gehört. "Das ist ein Traum", sagt sie.

Man wird sich den Namen merken. "Es ist ein baskischer Name", erklärt die Sängerin. Itziar Lesaka stammt aus dem spanischen San Sebastian, ist überzeugte Baskin und spricht auch die rätselhafte Sprache dieses Volkes, deren Entstehung bislang kein Linguist wirklich erklären konnte.

Das Engagement in Schwerin ist die Ankunft nach einem langen Weg. Im Schulchor habe sie einst erste Erfahrungen mit dem Gesang gemacht, "erste Soli kamen dann nach dem Abitur". Und damit der Wunsch, es mit einer professionellen Ausbildung zu versuchen. Aber wie? "In Spanien ist der Weg in den Beruf der Opernsängerin viel steiniger", sagt die 34-Jährige. Selbst große Opernhäuser haben kein festes Ensemble, spielen im Stagione-System, also viel mit eingekauften Produktionen, Sängern und Orchestern. Regelrechte Musikhochschulen wie im deutschsprachigen Raum gebe es dort auch nicht. "Aber ich dachte: Probier es. Und bekam dann den Rat: Geh nach Deutschland."

Sie ging nach Stuttgart. An der Staatlichen Hochschule für Musik studierte sie Gesang, Neue Vokalmusik und Ensembleleitung, erste Erfahrungen sammelte die Mezzosopranistin bei der Jungen Oper der Staatsoper Stuttgart. Das "Opernwelt-Jahrbuch 2003" nannte sie zwei Mal als beste Nachwuchskünstlerin. Von 2004 bis 2008 war sie festes Ensemblemitglied des Staatstheaters Kassel. Verbunden ist Itziar Lesaka Schwerin aber schon länger. Sie war bei den Schlossfestspielen engagiert, "und natürlich kenne ich das Staatstheater - durch meinen Mann, er ist Repetitor." Das Haus - derzeit eingerüstet, demnächst gelb gestrichen - sei "eine Perle". Außerdem sei sie in Mecklenburg auch wieder der See näher, "in Kassel hat mir das Wasser gefehlt".

Denn San Sebastián liegt am Atlantik - und ist eine der Feinschmecker-Metropolen der Welt, mit der angeblich höchsten Sternekoch-Dichte überhaupt. Dass in Schwerin keine spanische Küche zu haben ist, von der heimatlichen Kulinarik ganz zu schweigen, nun ja. "Das ist immerhin gut für die Linie", sagt Lesaka und lacht.

Sie lacht überhaupt gern, da klingt keine Spur von Divenhaftigkeit an. "Ich rede immer so viel." Aber sie hat ja auch einiges zu erzählen, in übrigens exzellentem Deutsch. Lesakas nächste Rolle am Staatstheater ist die Alisa in Gaëtano Donizettis "Lucia di Lammermoor". Mit einer Neuerung: Erstmals lädt das Staatstheater am 13. November zu einer öffentlichen Probe ein, Premiere ist am 19. November. Proben, immer wieder üben, monatelang - das gehöre dazu, sagt Itziar Lesaka. Eine große Rolle müsse man bis zu einem Jahr im Voraus angehen, sie sich erarbeiten, die Partie müsse reifen. "Die Rolle muss im Körper sein", sagt Lesaka. Bei Opernsängern sei es wie in der Leichtathletik: "Es gibt 100-Meter-Sprinter und Zehnkämpfer. Ich bin eher Zehnkämpferin." Am 19. November fällt der Startschuss. Und jetzt zur Probe.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen