zur Navigation springen
Übersicht

20. August 2017 | 13:36 Uhr

Das große Grauen vor jedem Guss

vom

Perleberg | Immer, wenn stärkere Regenfälle vorhergesagt werden, richten sich die Blicke der Mieter der beiden ersten Aufgänge in der Heinrich-Heine-Straße 43 sorgenvoll gen Himmel. "Regnet es in Strömen, können wir mit Land unter im Keller rechnen", berichten die Mieter.

Seit Jahren leben sie mit dem Problem, arrangieren sich, so gut es geht, immer in der Hoffnung, was jetzt getan werde, löse endlich das Problem. So hat die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (GWG) als Vermieter nun die Kellereingänge überdachen lassen. Das Ergebnis: Das Wasser hat sich einen anderen Weg gesucht, drückt durch die Wände und kam am Sonntag als Fontäne aus dem Sickerschacht.

Mittlerweile der Verzweiflung nahe

"Bis zur ersten Kellerstufe stand das Nass", berichten die Mieter, die mittlerweile der Verzweiflung nahe sind. "Ich habe Eingewecktes und Kartoffeln im Keller, auch ein Schrank steht dort. Wir haben uns schon Regale eingebaut, damit alles höher steht, wenn der nächste Regen kommt", berichtet eine Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, wie übrigens alle Mieter.

Sie sind es einfach leid, fühlen sich nur noch vorgeführt. "Als wir 1998 hier einzogen, war es ein Rinnsal, das wir nach einem heftigen Regen im Keller hatten. Das war alles noch mit Scheuerlappen zu beherrschen. Doch jetzt geht es ohne Feuerwehr längst nicht mehr." Und so waren Sonntagabend die Perleberger Kameraden hier wieder gefordert, mussten die Keller auspumpen. Gestern vormittag hatte der Hausmeister der GWG, unterstützt von Kollegen, noch alle Hände voll zu tun, um die Räume wieder einigermaßen trocken zu legen.

Bereits im August 2007 berichtete der "Prignitzer" über diese Misere. Damals standen die Bewohner nicht nur im Wasser, sondern auch noch in der Jauche. Sprichwörtlich mit zehn Mann hoch wurde sich die Sache beguckt, wurden von der Stadt und der GWG Pläne gewälzt und Vermutungen angestellt, wo des Übels Wurzel liegen könnte.

"Einen Teil des Regenwasserkanals haben wir in der Straße schon saniert", hieß es aus dem Bauamt, als am 10. Juni dieses Jahres wieder die Keller unter Wasser standen. Zudem sei man derzeit dabei, den Generalentwässerungsplan der Stadt zu überarbeiten.

Im Klartext: Sämtliche Kanäle werden von der Dimensionierung her rechnerisch überprüft, um so mögliche Engpässe auszuloten. "Doch die Stadt wird das Problem nicht lösen können", räumt Bauamtsleiter Wolf-Rüdiger Bleeck ein. Seit einigen Jahren verzeichne man diese ergiebigen Regengüsse. Und dafür seien die Leitungen nicht ausgelegt. Eine Dimensionierung, die auch solche Ereignisse aufnehme, wäre nicht bezahlbar, in keiner Weise wirtschaftlich. Setze man allein die Dachfläche die Neubaublöcke mit einer Straße ins Verhältnis, so gibt es in ganz Perleberg keine so große Straße. Für die Regen entwässerung ist jedoch Eigentümer zuständig. Jener, sprich die GWG, ist gut beraten, sich vom städtischen Netz abzuklemmen und für eine eigene Regenentwässerung über Tiefensickerschächte zu sorgen zumal der Platz dafür da sei. "Das kostet im ersten Moment einiges, doch es macht sich ziemlich schnell bezahlt", so Bleeck. Denn diese Form der Entwässerung sei bis auf die einmalige Investition kostenlos, während das Land irgendwann auch von den Bürgern, die ins öffentliche Netz entwässern, eine Abgabe fordern werde - wie schon jetzt von der Stadt, ist sich Bleeck sicher.

Klaus Neumann, Geschäftsführer der GWG, der sich gestern die Sache besah, stellte in Aussicht, dass man eine Baufirma werde beauftragen müsse, die hier möglicherweise einen neuen Sickerschacht anlege. Eine andere Lösung sehe er nicht.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Aug.2010 | 05:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen