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Hilfe für Kapstadts vergessene Kinder: Initiator Volkbert Keßler : "Das größte Problem ist der Hunger"

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Hilfe für die vergessenen Kinder von Kapstadt - unter diesem Motto hatte unser Leser Keßler während der Fußball-WM 2010 in Südafrika eine Spenden-Aktion ins Leben gerufen.

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erstellt am 14.Mär.2011 | 10:46 Uhr

Hilfe für die vergessenen Kinder von Kapstadt - unter diesem Motto hatte unser Leser Volkbert Keßler während der Fußball-WM 2010 in Südafrika eine Spenden-Aktion ins Leben gerufen und dafür Verbündete gesucht. Hilfsanfragen an die deutsche Nationalelf über deren WM-Kapitän Philipp Lahm, vor allem aber an die FIFA, den größten Profiteur der WM (siehe Info-Kasten) blieben jedoch leider erfolglos. Dennoch durften sich die Kinder aus dem Container-Ghetto Blikkiesdorp vor den Toren Kapstadts über 40 000 Rand (mehr als 4000 Euro) freuen, die der 67-Jährige im Freundes- und Bekanntenkreis sammelte und nun persönlich vor Ort übergab.

Dank der Unterstützung von Hans-Joachim Ditz, einem Freund aus gemeinsamen Schultagen in Demern bei Rehna, der jahrzehntelang in Südafrika tätig war, sowie dessen noch heute dort arbeitenden Ex-Kollegen Reinhard Rasch fand der einstige Staatsanwalt Kontakt zu "Cape Town Child Welfare". Die Kinderhilfsorganisation, die sich nicht zuletzt auch um ausgesetzte, oft aidsinfizierte Kinder kümmert, öffnete ihm die Türen nach Blikkiesdorp. Denn auf eigene Faust dorthin zu fahren, ist aufgrund der hohen Kriminalität lebensgefährlich (siehe Hintergrund).

"Was wir dort zu sehen bekamen, war noch schlimmer als erwartet", erinnert sich Volkbert Keßler. Ursprünglich hatte er daran gedacht, vielleicht ein Kinderhaus zu unterstützen, mit Spielsachen etwa oder anderen Dingen, die den Kindern ein wenig Freude in ihren tristen Alltag zaubern.

Doch diesen Zahn mussten ihm die örtlichen Verantwortlichen der Hilfsorganisation ziehen. "Spielen und Freizeit hätten keine Priorität, meinten sie", erinnert sich der Schweriner. "Sie sagten: Unser größtes Problem ist der Hunger, den praktisch jedes Kind in Blikkiesdorp leidet. Sie kämpfen darum, dass die Kinder morgens vor der Schule etwas essen können, besonders weil es oft ohnehin die einzige Mahlzeit des Tages bleibt."

So bekam Volkbert Keßler viele offenbar durch Mangelernährung unterentwickelte Kinder zu sehen. "Manche dieser kleinen Mäuse sahen aus wie Dreijährige, waren aber bestimmt doppelt so alt, denn sie gingen ja schon zur Schule."

Von seiner Reise blieb dem Schweriner vor allem die Erkenntnis: "Jede Hilfe ist wichtig. Aber was wir tun konnten, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein." Viel, viel mehr sei notwendig und Blikkiesdorp nur ein Adressat. Allein auf den 20 Kilometern vom Flughafen hinein nach Kapstadt gebe es mindestens zehn weitere Elendsviertel, die zum Teil noch schlimmer aussähen. "Wenigstens kann man sagen: Die Leute sind zwar bettelarm, aber sie müssen wenigstens keinen Krieg erleiden wie anderswo auf der Welt."

Um sozusagen am Ball zu bleiben, will Volkbert Keßler seinen ursprünglichen Plan, den Fußball-Weltverband mit ins Boot zu holen, nicht aufgeben und sich noch einmal an FIFA-Präsident Sepp Blatter wenden. Sein großes Ziel ist es, den Herrn der Bälle zur Ausrichtung eines Benefizspiels aktueller oder früherer Stars zu bewegen, möglichst in Südafrika. "Mit dem daraus eingespielten Geld ließe sich vielleicht wirklich ein Kinderhaus bauen oder eine richtige Schule oder auch Gesundheitseinrichtungen, die das Land mit seinen vielen Aidskranken dringend braucht."

Zugleich könne die FIFA mit solch einer Aktion ein Fanal setzen für andere Sportverbände. "Denn es kann doch einfach nicht sein, dass einerseits Menschen um das nackte Überleben kämpfen, während an ihrem Elend andere Milliarden verdienen."

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