Das ganze Land in einer Stunde: MV-Tag lockt mehr als 50 000 Besucher

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06. Juli 2008, 08:32 Uhr

Ribnitz-Damgarten - Wohl kein Besucher hat die Landesmeile so effektiv durchschritten wie Ministerpräsident Ringstorff. Mit Gefolge aus Leibwächtern, Beratern und Ehefrau Dagmar rauschte er von Stand zu Stand. Kleiner Kartoffelpuffer-Imbiss, kurz mitklatschen bei der Tanzgruppe Dargun, dann weiter zur Molli.

„Mit der bin ich beim Studium auch von Kühlungsborn nach Rostock gefahren, immer schön mit Bimmel-Bimmel durch die Stadt“, erinnert sich Harald Ringstorff. Wenig Zeit für Nostalgie – „Herr Ministerpräsident, Hohen Luckow wartet“, tönt es aus dem Tross. Schnell noch nebenbei mit Maskottchen Fiete Fahne hissen für die Buga, ein Holunderblütensirup vom Museumsdorf Schwichtenberg soll erfrischen.

Kurze Sorgenfalte bei Stralsund, das Ozeaneum wird bis zur Eröffnug wohl nicht ganz fertig sein. Auf den Schock eine Bioknackwurst vom Gut Darß, ein Sanddornlikör von Rügen. „Wenn die Leute das sehen, denken die, der isst den ganzen Tag nur“, sorgt sich der Landesvater. Die Temporeise strengt alle an. „Du meine Güte, so viele Landkreise.“ –„Das wird ja bald anders“, scherzt jemand aus dem Minister-Gefolge.

Plötzlich ein Attentat auf den Ministerpräsidenten – zum Glück nur eines voll Herzlichkeit. Moung Yul Braun vom Hotel Pommernmühle umarmt den 68-Jährigen stürmisch. „Wir kennen uns schon so lange, die SPD hat bei uns mal getagt“, erklärt die Südkoreanerin. Ringstorff kann kurz erholen, schippert per Schiff nach Damgarten.

Seine Ministerien im Landeszelt locken die Bürger z.B. mit dem Händewaschtest. Nach dem Waschen färbt man die Hände mit einer Spezialcreme ein, unter UV-Licht kann man sehen, welche Stellen man vernachlässigt. „Besonders die Fingerkuppen vergessen viele“, rät Nicolette Otto vom Gesundheitsministerium.

Staunende Blicke auf einen Monitor beim Finanzministerium: 10 602 881 823 Euro, die Zahl sinkt sekündlich um drei Euro – der Schuldenstand von MV. „Damit die Leute sehen, dass es bergauf geht“, sagt eine Mitarbeiterin. Trotzdem noch eine Riesensumme.

Finanzministerin Sigrid Keler: „Wir bauen u.a. 1000 Stellen im öffentlichen Dienst ab. Wenn man den Leuten erklärt, dass wir nicht mehr ausgeben als wir einnehmen können, wird das auch akzeptiert.“ Komplett schuldenfrei wäre das Land nach jetzigem Stand dann in etwa 106 Jahren.

Viele Besucher auch bei dem Bürgerbeauftragten Bernd Schubert. „Viele Menschen wussten gar nicht, dass es so etwas gibt“, sagt er. Er und seine elf Mitarbeiter beraten kostenlos bei vielen Anliegen. Derzeit arbeitet man auch an einer Schlichtungsstelle zwischen Arge und Arbeitslosen.

Auch beim Demokratie-Bus nutzen die Besucher ihre Chance. „20 Menschen haben heute einen Antrag auf Einsicht in ihre Stasi-Akten gestellt“, berichtet Jörn Mothes, ehemaliger Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. 2010, zum 850-jährigen Gründungsjubiläum, findet der MV-Tag in Schwerin statt.

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