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24. Oktober 2017 | 13:38 Uhr

Das Ende der gelben Kulthäuschen

vom

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2010 | 07:16 Uhr

Sternberg | Sie verschwinden ganz still und heimlich aus Mecklenburg-Vorpommern - die gelben Telefonhäuschen. Nur noch 40 von ihnen gibt es hier, Tendenz sinkend. Auch in Sternberg im Landkreis Parchim wurden gestern und heute insgesamt vier Zellen gegen sogenannte Basisstationen ausgetauscht. Lediglich ein paar neugierige Anwohner beobachteten vom Fenster aus, wie Elektriker Klaus Fisch und Tiefbauer Arno Schlick von der Firma Rosengart & Vagt den gelben Kasten mit einer Stahlkette auf den Laster gehoben und die neue pink-silber-farbende Säule eingebuddelt haben. Beschwert hat sich niemand.

Ganz im Gegenteil: Rosa Ebeling und Emmi Thiele sind froh, dass die Telefonzelle direkt vor ihrer Haustür endlich weg ist. "Da haben sowieso nur noch Kinder drin gespielt und kaputt gemacht. Außerdem haben die meisten hier ja ihr eigenes Telefon. Und es wird ja eine Alternative zur Verfügung gestellt", sind sie einer Meinung. Wann sie selbst das letzte Mal einen öffentlichen Sprechapparat benutzt haben, wissen die Damen gar nicht mehr. "Ich glaube, noch nie", versucht sich Rosa Ebeling zu erinnern.

Zu hohe Betriebskosten, zu wenig Umsatz

Die beiden Frauen bringen die Probleme, die die Deutsche Telekom mit den gelben Häuschen hat, genau auf den Punkt: Vandalismus und zu große Konkurrenz durch Handys. "An vielen Standorten in Deutschland ist die Nutzung der klassischen Telefonzelle auf Grund der Handy versorgung stark zurückgegangen. Die Betriebskosten sind an vielen Standorten daher weitaus höher als der Umsatz aus den Gesprächen. Vandalismus ist auch immer ein Thema, aber regional unterschiedlich. In ländlichen Bereichen kommt er weniger vor als in den Städten und Metropolen", erklärt Uwe Richter, Verantwortlicher für alle öffentlichen Telefonstellen de Telekom AG in MV, Brandenburg und Berlin.

Klaus Fisch berichtet, dass er mit seinem Kollegen Arno Schlick seit vier Jahren nichts anderes macht, als gelbe Telefonzellen im Land gegen Basisstationen auszutauschen. "Selten guckt uns dabei jemand zu. Manche Leute sind durchaus traurig. Proteste gibt es gar keine", sagt Fisch während er das Häuschen aufschließt, die Spinnweben entfernt und sich schließlich an die Arbeit macht. Das noch funktionstüchtige Telefon selbst wurde schon ein paar Tage zuvor abmontiert.

Gut zwei Stunden brauchen die zwei Arbeiter, dann steht statt einer gelben Zelle eine Basisstation an der selben Stelle. Diese konzentriert sich auf die wesentlichen Grundfunktionen: Telefonieren mit Telefon- oder Kreditkarte, ein R-Gespräch anfordern, die Nutzung der kostenlosen "0800"-Nummern oder den Notruf wählen - alles per Kurzwahltaste. "Diese Basistelefone sind wesentlich wirtschaftlicher, da unter anderem keine Glasschäden mehr zu verzeichnen sind. Des Weiteren sind keine Stromkosten an die Energieversorger zu entrichten. Und sie sind weniger störungsanfällig, da keine Zahlungsmittel wie Münzen verstopfen können", zählt Telekom-Mann Richter die Vorteile auf.

Klaus Fisch und Arno Schlick bekommen während ihrer Umbauarbeiten oft Anfragen von Passanten, ob sie das gelbe Kulthäuschen nicht kaufen könnten. "Keine Chance", muss Fisch dann sagen. Denn die Telefonzellen sind Eigentum der Telekom und die wiederum entsorgt sie umweltgerecht über Recycling-Firmen. Sammler, die in Erinnungen schwelgen wollen, können dies zum Beispiel im Berliner Museum für Kommunikation tun. Dort sind gelbe Häuschen außer Dienst zu besichtigen.

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