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Endlagersuche wird Abtransport aus Lubmin verzögern : Das Castoren-Problem

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Eine längere Lagerung von Atommüll in MV über das Jahr 2039 hinaus wird immer wahrscheinlicher. Denn sei nicht davon auszugehen, dass innerhalb von zwanzig Jahren der Bau eines Endlagers abgeschlossen sein könnten.

Lubmin | Eine längere Lagerung von Atommüll in Mecklenburg-Vorpommern über das Jahr 2039 hinaus wird für die Energiewerke Nord (EWN) immer wahrscheinlicher. Nach dem Neustart der Endlagersuche sei eine längere Lagerung der hochradioaktiven Abfälle im bundeseigenen Zwischenlager Nord (ZLN) in Lubmin eine unvermeidliche, aber logische Konsequenz, sagte EWN-Geschäftsführer Henry Cordes. "Wer das nüchtern betrachtet, weiß, dass das passieren wird." Nach aller Erfahrung sei nicht davon auszugehen, dass innerhalb von zwanzig Jahren Auswahl, Planung, Genehmigung, mögliche juristische Auseinandersetzungen und der Bau eines Endlagers abgeschlossen sein könnten.

Bund und Länder hatten sich Ende November auf einen Neustart bei der Suche nach einem atomaren Endlager für hochradioaktive Abfälle geeinigt. Im Jahr 2019 soll mit der unterirdischen Erkundung begonnen werden. Der EWN-Chef sprach sich für "einen transparenten und mit ernsthafter Bürgerbeteiligung geführten Prozess" bei der Endlagersuche aus. Nur wenn zuvor eine breite Beteiligung gewährleistet worden sei, sei das Ergebnis auch vermittelbar. "Am Ende des Prozesses muss aber auch Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Akzeptanz stehen."

Rückbau steht kurz vor Abschluss

Die bundeseigenen EWN wurden als Rechtsnachfolger der 1990 vom Netz genommenen DDR-Kraftwerke gegründet und verantworten den Rückbau der atomaren Hinterlassenschaften sowie die Zwischenlagerung von Atom-Müll, der dem Bund gehört. Die Genehmigung zur Lagerung hochradioaktiver Abfälle ist bis 2039 befristet. Die Zwischenlagerung der schwach- und mittelradioaktiven Abfälle erfolgt laut EWN bis zur Abgabe an das Endlager Konrad.

Es sei unerlässlich, dass das genehmigte Endlager Schacht Konrad für schwach- und mittelradioaktive Abfälle nun zügig realisiert werde, sagte Cordes. Das Lager nahe Salzgitter in Niedersachsen geht Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz zufolge erst 2019 und damit fünf Jahre später als geplant in Betrieb. "Für uns bedeutet die Verzögerung, dass wir unseren Abfall erst später los werden", sagte er. Die EWN sind mit 25 Prozent an der Betreibergesellschaft von Schacht Konrad beteiligt. Cordes geht "fest davon aus, dass wir mit der Öffnung des Lagers 2019 mit dem Abtransport beginnen dürfen."

Bisher hat das Bundesunternehmen EWN nicht vom Atomausstiegs-Beschluss und der resultierenden Abschaltung der ersten westdeutschen AKWs profitieren können. Konkrete Anfragen von inländischen Kraftwerksbetreibern zur Beteiligung am Projektmanagement für Stilllegung und Rückbau gebe es noch nicht, sagte Cordes.

Für das stillgelegte EnBW-Kernkraftwerk Obrigheim zerlegen die EWN bereits Dampferzeuger. Auch erhielten die EWN den Zuschlag für den Abbau des Reaktors in Obrigheim und seiner Einbauten vor Ort. Der Rückbau der DDR-Kernkraftwerke in Lubmin und Rheinsberg, die mit der Wende vom Netz genommen wurden, steht vor dem Abschluss. Nach EWN-Angaben sind die technischen Anlagen in den Kontrollbereichen zu 70 Prozent, im Überwachungsbereich zu 85 Prozent abgebaut. Bis 2013/2014 sollen alle schwach- und mittelradioaktiv belasteten Anlagenteile abgebaut sein.

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erstellt am 29.Dez.2011 | 07:43 Uhr

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