darf nicht verlinkt werden Nach Mordanschlag auf Polizeichef Verdächtige festgenommen dar

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15. Dezember 2008, 10:19 Uhr

Nach dem Mordversuch am Passauer Polizeichef Alois Mannichl hat die "Soko Fürstenzell" zwei verdächtige Männer vorläufig festgenommen. Das bestätigte am Morgen der zuständige Oberstaatsanwalt Helmut Walch. Die Beschreibung, die der schwerverletzte Mannichl nach dem Attentat angegeben hatte, passt auf die beiden Männer.

Die Festgenommenen stammen aus dem Raum Passau. Nach weiteren Ermittlungen entscheidet sich, ob die Verdächtigen dem Haftrichter vorgeführt werden. Walch spricht von ersten vagen Spuren, die noch intensiv überprüft werden müssten.

Der oder die Attentäter hatte den Passauer Polizeichef Mannichl am frühen Samstagabend an der Tür seines Wohnhauses in Fürstenzell bei Passau attackiert. Nachdem es an der Tür geläutet hatte, öffnete Mannichl. Danach wurde er zunächst verbal bedroht und dann mit einem Messer niedergestochen. Die elf Zentimeter lange Klinge verfehlte das Herz nur knapp. Die Waffe ließ der Unbekannte am Tatort zurück.

Opfer nach Notoperation außer Lebensgefahr
Durch eine Notoperation wurde der Polizeichef außer Lebensgefahr gebracht und konnte seinen Kollegen Hinweise auf den Täter geben. Die Ärzte hoffen, dass Mannichl zu Weihnachten wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden kann. Das Opfer wurde ebenso wie seine Familie unter Polizeischutz gestellt. Seit Samstagmittag ermittelte eine 20-köpfige Sonderkommission nach einem etwa 1,90 Meter großen Täter von kräftiger Statur.
NPD-Verbot und Maßnahmenpaket im Gespräch

Der bayerische Innenminister Joachim Hermann sprach nach der Tat von einer "neuen Dimension der Gewalt". Zwar müsse die Polizei den Tathergang noch sauber klären, doch sei der Angriff nach Mannichls Aussagen eindeutig der rechtsextremen Szene zuzuordnen, sagte Herrmann im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Solche Erfahrungen habe man bisher in Bayern nicht machen müssen, das sei eine völlig neue Eskalation von Gewalt aus dem rechtsextremen Bereich.

Herrmann begrüßte ausdrücklich, dass die Passauer Polizei konsequent gegen die Aktivitäten der Rechtsextremen vorgehe. Genauso müsse überall gehandelt werden. Allerdings, so Herrmann: "Wir werden natürlich auch konsequent überlegen, wo wir unsere eigenen Leute dann noch besser schützen müssen." Man werde sich entsprechend aufstellen, erklärte Herrmann.

Herrmann meinte auch, wenn der Täter tatsächlich aus dem rechtsextremen Bereich stamme und einen unmittelbaren Bezug zu einer politischen Partei wie der NPD habe, müsse man neu über diese Partei nachdenken. "Dann ergeben sich daraus natürlich neue Argumente für ein mögliches Verbotsverfahren."

Entschlosseneres Handeln gegen Rechts gefordert

Politiker von SPD und Grünen forderten ein entschlosseneres Handeln gegen Neonazis im Freistaat. Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte, das Attentat sei "ein alarmierendes Zeichen dafür, wie gefährlich und zu allem entschlossen die rechtsextreme Szene in Bayern ist".

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, forderte währenddessen härtere Strafen für Angriffe auf Polizisten: "Wir müssen Gewalt gegen Polizisten tabuisieren."
Anstieg rechter Gewalt im Raum Passau

Die Zahl der bei der Polizei bekannten Straftaten mit rechtsextremistischen Hintergrund im Bereich Passau hat sich laut Innenministerium 2008 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Bislang seien 83 Straftaten bekannt; 2007 seien es 40 Delikte gewesen.

Schon früher war Passau wiederholt das Ziel von Neonazis aus halb Europa. In den 90er-Jahren hatte es dort in der inzwischen abgerissenen Nibelungenhalle regelmäßig Kundgebungen mit mehr als 1.000 Rechten aus verschiedenen Ländern gegeben.
Zusammenhang mit Nazi-Beerdigung vermutet

Vor der Tat soll der Messerstecher geäußert haben: "Viele Grüße vom nationalen Widerstand. Du linkes Bullenschwein trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer toten Kameraden herum." Die Ermittler vermuten darin einen Zusammenhang mit der Beerdigung eines ehemaligen Neonazi-Funktionärs in Passau im Juli. Rechtsextreme hatten nach der Beisetzung randaliert und mehrere Menschen angegriffen. Weil dabei auch eine Hakenkreuzflagge in das Grab geworfen wurde, hatten die Ermittler später das Grab öffnen und die Fahne entfernen lassen.
Rechtsextreme Attacken im Internet

Polizeichef Mannichl war in den vergangenen Monaten mehrfach gegen Rechtsextremisten vorgegangen. Deswegen ist er insbesondere im Internet von den Rechten scharf angegriffen worden. Zuletzt hatte die NPD dem Polizeidirektor vorgeworfen, dass er bei einer Gedenkveranstaltung während des Volkstrauertages am 16. November Vertreter der extremistischen Partei "belästigt" habe. Konkrete Hinweise auf eine Gefährdung des Polizeichefs hat es nach Angaben der Ermittler aber nicht gegeben.

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