„Dafür war Bützow noch nicht reif“

Schüler sollen die Wände der Schule mit gestalten. Franziska Pinkow, Pascal Raffel, Charlotte Apel und Mandy Winter (v.l.) wünschen sich  an die grauen Wände bunte Regenbögen, Blumen, Berge und Tiger. Fotos: Julia Bartz / Claudia Röhr
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Schüler sollen die Wände der Schule mit gestalten. Franziska Pinkow, Pascal Raffel, Charlotte Apel und Mandy Winter (v.l.) wünschen sich an die grauen Wände bunte Regenbögen, Blumen, Berge und Tiger. Fotos: Julia Bartz / Claudia Röhr

Sie sorgen für viel Diskussionsstoff: die rohen Betonwände im Neubau der Grundschule am Schlossplatz. Das ehrgeizige Projekt verschlang Millionen, jetzt wird weiteres Geld für Farbe benötigt. War Bützow nicht reif für moderne Architektur?

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25. September 2008, 09:16 Uhr

Bützow - Über Geschmack lässt sich streiten. Peter Müller, Geschäftsführer des Bützower Berufsbildungsvereins (BBV), findet die grauen Wände im Neubau der Grundschule am Schlossplatz „erschreckend“. „Es ist unmoralisch, so etwas anzubieten“, sagt der 65-jährige Steinhäger. Er will mit seinen Lehrlingen diese Schule bunt machen.

Schulleiterin Katrin Lilge ist dankbar für die Unterstützung. „Wir brauchen professionelle Hilfe“, sagt sie. Müller will einheimische Malerfirmen als Sponsoren gewinnen.

Das soll nicht heißen, dass sämtliches Grau unter bunter Farbe verschwindet. „Es ist nicht Ziel, alle Wände zu streichen“, sagt Katrin Lilge. Der graue Sichtbeton sei ja gewollt gewesen. „Er wurde uns angeboten, wir haben ihn bestellt und erst gesehen, als die Schule stand, was wir da bestellt haben“, sagt Bützows Bürgermeister Lothar Stroppe. Ein Fehler sei es dennoch nicht gewesen. „Wer das sagt, ist unmodern, oder ein typischer Bützower“, so Stroppe weiter.

Sichtbeton als gestalterisches Mittel ist nichts Ungewöhnliches. „Das gibt es seit den 30er-Jahren und unter anderem im Reichstag“, sagt Axel Ulrich vom Sanierungsträger GOS. Von Anfang an sei geplant gewesen, dass Kinder und Lehrer nach der Fertigstellung einige Wände farblich gestalten. An einem Beispiel hat es Architekt Dirk Stenzel bereits vorgeführt. Grün schimmert eine Wand im Treppenaufgang, von grauen Linien durchzogen. In den Klassenräumen wurden jetzt im Nachhinein die Tafelwände gespachtelt und gestrichen.

Stenzel weiß um die Diskussionen in der Stadt. „Das ist auch eine Frage des Erfahrungsschatzes“, sagt er. Die Bützower seien solche Architektur (noch) nicht gewöhnt. „Die Stadt ist geprägt von alter und sanierter Bausubstanz“, sagt Dirk Stenzel.

Seine Aufgabe aber war es, neben den beiden Altbauten der Schule einen modernen Neubau zu schaffen, der sich abhebt. „Das war eine Forderung des Denkmalschutzes“, sagt der Leipziger. Auch innen könne man jetzt sehen, was alt, was neu ist. „Und ich wollte ehrlich bleiben. Es ist nun mal ein Betonbau“, erklärt Stenzel seine Wahl des Sichtbetons. Der jedoch sei von schlechter Qualität, das schade der Optik. „Es wird Regress-Ansprüche geben“, sagt Bürgermeister Lothar Stroppe.

Die Schüler stören sich kaum an den grauen Wänden, hat Schulleiterin Katrin Lilge beobachtet. „Kinder sind offener für Neues. Bützow war noch nicht reif genug dafür“, sagt sie. Das sei auch ein Gewöhnungsprozess, meint der Architekt Dirk Stenzel.

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