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Kulturzentrum: Weder Fördermittel noch eigenes Geld sicher : Dabels Millionenbau am seidenen Faden

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Das geplante Kultur- und Freizeitzentrum am Mattenstieg in Dabel könnte ein Luftschloss bleiben. Fördermittel sind nicht sicher. Mittlerweile soll der Bau über eine Million Euro kosten, doch ist kein Geld im Haushalt.

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2011 | 10:05 Uhr

Dabel | Das geplante Kultur- und Freizeitzentrum am Mattenstieg in Dabel könnte ein Luftschloss bleiben. Fördermittel sind nicht sicher. Mittlerweile soll der Bau über eine Million Euro kosten; die Submission für Aufträge ist zwar erfolgt, doch kein Geld im Haushalt. Bürgermeister Herbert Rohde bleibt optimistisch: "Der Gedanke wird weiter verfolgt."

An der Wand im Bürgermeisterzimmer hängen ehrgeizige Pläne. 555 Quadratmeter Nutzfläche soll das neue Zentrum auf zwei Etagen haben, mit Saal für 268 Sitzplätze, großer Bühne, Bar, Garderobe, Toiletten. Im Obergeschoss wäre Platz für Tourismus-Info und Bibliothek. War im Sommer 2010 noch von 500 000 bis 800 000 Euro Investition die Rede, gehe es jetzt um "etwas mehr als eine Million", so Rohde. Der Landkreis hatte den Dabelern im Herbst 2010 gut 420 000 Euro Leader-Fördermittel in Aussicht gestellt. Rohde hoffte: "Das steht noch." Das sieht Kristin Hormann von der Lokalen Aktionsgruppe Warnow-Elde-Land, die die Mittel-Vergabe koordiniert, anders. Es habe zwar im Vorjahr "ein positives Votum" gegeben, aber "keine rechtsgültige Zusage". Der offizielle Termin sei abgesagt worden - weil die Gemeinde Eigenmittel nicht sicherte. Dabel muss sich wieder anstellen. Hormann: "Wir werden das Projekt neu prüfen."

"Das wundert mich sehr", reagiert Rohde. Er hakte gestern nach und blieb dabei: 2011 sei noch Förderung möglich, "wenn wir unsere Hausaufgaben machen". Für den gesamten Kreis Parchim gebe es 2011 nur 950 000 Euro Leader-Mittel, so Hormann: "Wir haben viele sehr gute Projekte im Rennen."

Das Freizeit- und Kulturzentrum steht sei langem in der Kritik. Zu groß, zu teuer, zu ungenaue Auskünfte über die Pläne - so monierten Dabeler. "Ich halte das Vorhaben bei der finanziellen Lage der Gemeinde für skandalös", wettert Klaus Esche, früherer Gemeindevertreter. Aus seiner Sicht würden die Bürger bis zuletzt über Zweck und Ausmaß des Zentrums im Unklaren gelassen. Für ihn sei klar: Es solle den Neubau nur geben, "um dem Karnevalsverein die Möglichkeit zur Lustigkeit" zu geben. Gründe wie die Förderung von Tourismus und Platz für Schulspeisung seien "nur vorgeschoben". Seit Jahren müssten die Kinder der Grundschule im Klassenraum ihr Mittag essen, obwohl wenige Meter weiter ein großer Raum in der neuen Feuerwehr leer stehe. "Auch das ist skandalös", so Esche. Die Gemeinde habe gerade diverse Steuern für die Bürger erhöht, dem gegenüber stehe dieses Projekt: "Wer soll das bezahlen?", fragt Esche.

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