„Da kann einem mulmig werden“

Brandenburg schickt regelmäßig Polizisten in den Kosovo, nach Bosnien oder Afghanistan. Seit 1994 waren es rund 80 märkische Beamte. Einer von ihnen ist Andy Ansorge. Der Polizist aus dem Barnim ist gerade von seinem dritten Auslandseinsatz zurückgekehrt.

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05. Oktober 2008, 10:11 Uhr

Potsdam - Es gab genug Momente in denen er Angst hatte, sagt Andy Ansorge. Das wolle er nicht in den Vordergrund stellen. Aber: „Wenn Raketen in der Nähe einschlagen“, sagt der Polizeibeamte aus dem Schutzbereich Barnim, „kann einem schon ganz schön mulmig werden.“

Zwei Monate war er als Abgesandter des Landes Brandenburg in Afghanistan. Vor kurzem sind er und fünf weitere Polizisten von ihren Einsätzen zurückgekehrt. Nicht zum ersten Mal macht Ansorge solch einen Auslandseinsatz mit. Schon zwei Mal vorher war der Joachimsthaler auf dem Balkan. Im April 2007 kam er aus dem Kosovo zurück, wo er ein ganzes Jahr verbrachte. „Damals gab es noch so etwas wie ziviles Leben“, erinnert er sich.

Nicht so in Afghanistan. Dort mussten die Polizeibeamten sicher abgeschirmt werden – auf einer US-Militärbasis. Tagsüber trainierte Ansorge einheimischer Polizeibeamte in der Grundausbildung. Trotz der Gefährlichkeit habe sich der Einsatz für ihn gelohnt, sagt Ansorge. Und damit meint er nicht nur die finanzielle Seite. Denn die spiele nicht die Hauptrolle, heißt es vom Innenministerium in Potsdam. Niemand würde in ein Krisengebiet gehen, wenn er nicht von der politischen Notwendigkeit überzeugt wäre, so ein Ministeriumssprecher.

1994 schickte Brandenburg als erstes Bundesland Polizisten ins Ausland. Seitdem absolvierten rund 80 märkische Beamte einen Teil ihrer Dienstzeit in Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo und nun auch in Afghanistan. Inzwischen schicken alle Bundesländer Beamte ins Ausland um „Reformprozesse zu unterstützen“. Ein Drittel der von der Europäischen Mission „Europol“ entsandten Polizisten sind Bundes-, zwei Drittel Landesbeamte.

Die Auslandserfahrung scheint gefragt: 60 märkische Beamte gebe es, die derzeit in einer Art Bereitschaftspool warten, um eingesetzt zu werden. Alles ist freiwillig, versichert das Innenministerium, auch wenn jemand im letzten Moment abspringen will, darf er das.

Daran hat Karl-Heinz Gleich nie gedacht. Sein Einsatz zog sich über ein Jahr hin. Im Kosovo. Das Gefühl, „immer noch mal wegzuwollen“, habe ihn nicht los gelassen, sagt der 51-Jährige aus Frankfurt (Oder). „Als die Entscheidung fiel, habe ich rund 30 Jahre Dienst hinter mir gehabt.“ Gleich wollte nicht pensioniert werden, ohne so etwas kennen gelernt zu haben. Mit 47 entschloss er sich, sein rudimentär vorhandenes Englisch so weit aufzufrischen, dass es für die von der UN kontrollierten Sprachtests reicht. Dass er für ein Jahr fern seiner Frau und seiner zwei Töchter war, sei nicht so schlimm gewesen, wie es klinge. Durch eine Siebentage-Arbeitswoche im Innendienst habe er sich genug Zeit freischaufeln können. „Ich war insgesamt fünf Mal zu Hause.“

Der oberste Dienstherr der brandenburgischen Polizei, Jörg Schönbohm, rechnet den Beamten ihr Engagement hoch an. Für ihn sei der Einsatz der Polizisten „ein Beitrag zur Wahrung von Recht und Gesetz.“
Ums Leben gekommen ist noch kein brandenburgischer Polizist in den Einsatzgebieten. Nach Ministeriumsangaben ist jedoch bei einem Autounfall vor zwei Jahren ein Beamter im Kosovo so schwer verletzt worden, dass er immer noch in Behandlung ist.

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