Erste Patienten noch in diesem Jahr erwartet : Cyberknife kurz vor dem Start

In diesen Tagen wird das Herzstück der neuen Klinik, das robotergestützte  Strahlenbehandlungsgerät,  montiert und kalibriert.  eckhard rosentreter
In diesen Tagen wird das Herzstück der neuen Klinik, das robotergestützte Strahlenbehandlungsgerät, montiert und kalibriert. eckhard rosentreter

Mitte Dezember erwartet der Strahlentherapeut Dr. Hendrik Herm seine ersten Patienten. Er ist der Leitende Arzt in der neuen Strahlenklinik vor den Toren Güstrows. Es wird die Dritte dieser Art in Deutschland.

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17. November 2010, 11:43 Uhr

Güstrow | "Stop! So stimmt es", ruft Mathieu Lapalus. Unvermittelt stoppt Oliver Blanck den Roboterarm, den er zuvor kaum wahrnehmbar per Steuerpult über ein stecknadelgroßes Köpfchen positionierte. Genau an dieser Stelle soll demnächst ein gezielter Röntgenstrahl Tumore, Metastasen und Karzinome krebskranker Menschen bekämpfen. Techniker wie der französische Ingenieur aus dem Europazentrum des amerikanischen Herstellers in Paris oder der Cyberknife-Experte von der Lübecker Universität bestimmen das Geschehen in diesen Tagen im flachen Neubau an der Zufahrtstraße zum Güstrower Krankenhaus. Das kürzlich gelieferte Herzstück der Klinik, das in einen Industrieroboter integriert ist, muss montiert und justiert werden. Ist das Gerät ein- und ausgerichtet, dauert die behördliche Abnahme der Einrichtung noch rund vier Wochen. Geht dabei alles glatt, können am 27. Dezember die ersten Patienten unter das robotergestützte "Strahlenmesser", das Cyberknife.

"Mitte Dezember erwarte ich die ersten Patienten, um mit ihnen die Behandlung abzusprechen", berichtet Dr. Hendrik Herm. Der Pasewalker Strahlentherapeut, der in den vergangenen Jahren an der Charité und am Klinikum Buch in Berlin tätig war, ist der Leitende Arzt in der neuen Strahlenklinik vor den Toren Güstrows. Es wird die dritte Strahlenklinik dieser Art in Deutschland. In München arbeitet seit einigen Jahren eine solche Anlage, kürzlich wurde in Soest in Westfalen eine zweite in Betrieb genommen. Das amerikanische Patent "Cyberknife", eine Ergänzung zu herkömmlichen Verfahren, erleichtere bestimmten krebskranken Patienten die Strahlentherapie, erläutert Dr. Herm. So arbeite der rechnergestützte Strahl nicht nur mit höchster Präzision, sondern könne bei kleineren Bewegungen des Patienten, wie etwa stärkeres Atmen, die zu bestrahlenden Bereiche exakt "verfolgen" und die Bewegung ausgleichen. Also müsse der Patient auch nicht so hochgradig fixiert werden, wie es in der bisherigen Strahlentherapie nötig ist. Eine Unterbrechung der Behandlung - die automatisch erfolgt - sei nur erforderlich, wenn der Patient z.B. zur Toilette gehen muss. Zudem werde durch die hohe Präzision benachbartes, gesundes Gewebe besser geschont als bei herkömmlichen Methoden. Rund eine Stunde lang könne so am Stück bestrahlt werden. Im Ergebnis komme man mit fünf, oft auch nur einer Behandlungen aus, erspart dem Patienten mitunter bis zu 30 Behandlungsprozeduren. Behandelt werden könnten mit dem Cyberknife verschiedene Arten von Krebserkrankungen, so an Kopf, Lunge, Leber, Wirbelsäule oder auch bei speziellen Prostata-Karzinomen. Interdisziplinär werde zwischen Ärzten und Physikern die bevorzugte Behandlungsart festgelegt, erläutert Dr. Herm.

Neben dem Leitenden Arzt kümmern sich zwei Medizinphysiker und drei Medizinisch-Technische Radiologie-Assistentinnen um die Patienten. Die Überweisung in das Cyberknife-Zentrum Mecklenburg-Vorpommern erfolge in der Regel durch die behandelnden Ärzte, erklärt Viola Völzer, Geschäftsführerin des Cyberknife-Zentrums Mecklenburg-Vorpommern. Die Einrichtung sei offen für alle Krankenkassen und -versicherungen. Perspektivisch, wenn die Anlage gut anläuft und die Arbeit zur Routine wird, rechne man mit durchschnittlich ungefähr 450 Patienten aus ganz Norddeutschland, die jährlich in Güstrow behandelt werden könnten.

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