Couragiert gegen Gewalt an Schulen

Peter Metzler stellte das Projekt „Prävention macht Schule“ vor.
Peter Metzler stellte das Projekt „Prävention macht Schule“ vor.

Gewalt an Schulen ist kein Einzelfall, sondern an der Tagesordnung. Um des Problems Herr zu werden, holen sich die Pädagogen Rat bei der Polizei und arbeiten schulübergreifend im Projekt "Prävention macht Schule" zusammen.

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18. Dezember 2008, 09:10 Uhr

Schwerin | Die Zeit des Deckelns und Verschweigens ist vorbei. Schulleiter und Lehrer aller Schularten bestätigen, dass Gewalt - in welcher Form auch immer - zum Alltag an den Schweriner Schulen gehört. Doch das Vorgehen dagegen stellt sich, nicht zuletzt wegen der vielfältigen Formen, als kompliziert dar. Deshalb trafen sich Pä dagogen, Schulsozialarbeiter und Polizisten auf Einladung von Wilfried Kapischke, dem Leiter der Schweriner Polizeiinspektion, um über mögliche Handlungsvarianten zu reden.

Peter Metzler, Leiter der Lindgren-Schule, machte an einigen Beispielen aus seiner und anderen Schulen die Brisanz und Dringlichkeit deutlich: So sei die Hemmschwelle für körperliche Gewalt sehr niedrig, Auseinandersetzungen würden nicht mehr nach dem Prinzip "Mann gegen Mann", ausgetragen, sondern eher zehn gegen zwei. Rasant zugenommen habe die Zahl der Prügeleien zwischen Mädchen, bei denen gleich büschelweise die Haare fliegen. "Noch schlimmer aber empfinde ich die Tatsache, dass ich mehr als 50 Prozent Eltern habe, die sich nicht für Schulbelange interessieren", berichtet Metzler. "Da kann ich zehn Verweise aussprechen und habe null Wirkung", erläutert der Pädagoge. "Wir müssen also Strategien entwickeln, wie wir mit diesen gesellschaftlichen Entwicklungen umgehen."

Weiterbildung für Lehrer: "Prävention macht Schule"Dazu dient das Projekt "Prävention macht Schule". 150 Lehrer aus zehn Schulen der Stadt bilden sich in ihrer Freizeit zu relevanten Themen weiter. Wer beispielsweise gegen verfassungsfeindliche Lieder, Bücher oder Symbole einschreiten will, muss sie auch kennen. Wer eine Prügelei größerer Schüler auf dem Schulhof beenden will, muss Mut und das richtige Vorgehen verinnerlicht haben. Wer einen pöbelnden Schüler in der Klasse in die Schranken weisen will, muss couragiert auftreten können. "Dafür sind die Workshops und der Erfahrungsaustausch hilfreich", fasste Kommissarin Heidi Schwarz Ergebnisse des Projekts zusammen.

Bei der Durchsetzung allgemeingesellschaftlicher Normen an Schulen soll künftig die neue "Schweriner allgemeingültige Basisschulordnung" (Schwabs) helfen - ein allgemeinverbindlicher Konsens von Grundregeln an allen Schulen als Ergänzung zu den Hausordnungen, über den gerade diskutiert wird. "Wir müssen klare Grenzen setzen, die dem Schüler, der sich nicht an Regeln halten will, überall begegnen", erläutert Metzler das Instrument.

In der Diskussion, die durch einen Vortrag von Jugendrichter Thomas Dickmann angereichert wurde, kristallisierte sich heraus, dass die Kommunikation zwischen den Schulen, mit der Jugendgerichtshilfe, den Schul- und Jugendämtern verbessert werden sollte. Zur Sprache kamen der Kampf gegen Graffiti und Schwarzfahren - Themen, zu denen gemeinsame Aktionen gestartet werden sollen.

"Dieses Treffen war eine ausgezeichnete Sache", sagte Ricarda Rickert von der Brinckman-Schule. "Man muss die Probleme kennen, damit man was dagegen tun kann", betonte Schulsozialarbeiterin Susan Meusch von der Schule am Fernsehturm.

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