Cottbus Derby-Sieger über Hertha - Bayern verliert in Hannover

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29. September 2008, 09:40 Uhr

Düsseldorf - Hoch gelobt, tief gefallen: Titelverteidiger Bayern München steckt nach dem schlechtesten
Saisonstart seit 31 Jahren tief im Schlamassel und versinkt nach sechs Spieltagen im Mittelmaß der Fußball-Bundesliga. Vor allem die Extrem-Rotation von Trainer Jürgen Klinsmann ist nach dem 0:1 bei Hannover 96 in die Kritik geraten. „Die Bayern stehen in der Tabelle da, wo sie derzeit hingehören, nämlich im Mittelfeld“, analysierte Premiere-Experte Stefan Effenberg. Bayern-Manager Uli Hoeneß machte keinen Hehl aus seinem Frust über den Absturz auf Platz neun: „Der Blick auf die Tabelle nervt mich.“

Ärgern muss sich auch Schalke 04, das mit dem 0:1 bei Aufsteiger 1. FC Köln am Freitag seine Top-Position verspielte. „Wir sind noch nicht so groß, solche Spiele zu gewinnen“, sagte Trainer Fred Rutten nach der ersten Saison-Niederlage. Der Schalke-Fehltritt ebnete den Weg für einen erneuten Wechsel an der Tabellenspitze. Gleich drei Verfolger zogen tags darauf vorbei: der Hamburger SV (13 Punkte), Bayer Leverkusen (12) und Werder Bremen (11). Der VfL Wolfsburg vergab seine Chance, es dem Trio nachzumachen, mit dem 1:2 am Sonntag beim Karlsruher SC.

Eintracht Frankfurt bleibt sieglos, verließ mit dem 1:1 gegen Arminia Bielefeld aber wenigstens das Tabellen-Ende. „Hätte mir jemand gesagt, dass wir mit 13 Punkten Bundesliga- Anführer sind, hätte ich das nicht geglaubt“, sagte HSV-Coach Martin Jol, der sich beim 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach nur über das Ergebnis freute. Die Vorgehensweise seiner Profis bot keinen Anlass zum Jubel. „Es war ein schmutziger Sieg“, räumte Jol ein.

Leverkusen verbesserte sich mit dem 3:2 beim VfL Bochum auf Platz zwei.
Bremen und Aufsteiger 1899 Hoffenheim boten den Fans beim 5:4 ein Tore-Festival. Die Trainer waren über das Spektakel aber gar nicht sonderlich begeistert. „Ein 4:1 darf man sich nicht so einfach wegnehmen lassen“, monierte Werder-Coach Thomas Schaaf. Ralf Rangnick, dessen Elf eine halbe Stunde lang in Überzahl agierte, war „brutal enttäuscht. Es kann 4:4 ausgehen, aber niemals 5:4 für die Heimmannschaft.“

Nicht nur Effenberg sieht die Ursache für die zweite Saison-Pleite der Bayern eine Woche nach dem 2:5 gegen Bremen in dem ungewöhnlich regen Austausch von Leistungsträgern. Unter anderem ließ Klinsmann die Brasilianer Lucio und Zé Roberto daheim, bot überraschend Breno und Sosa von Beginn an auf. „Sie haben Probleme, weil sie jede Woche mit einer anderen Mannschaft auflaufen“, sagte Effenberg. So könne kein richtiges Team-Gerüst bilden: „Man kann sich nicht einspielen, wenn wie wild rotiert wird.“

Für den von Verletzungen und Krankheiten geplagten Gegner war die Aufstellung der Bayern-Elf zusätzliche Motivation. „Wir haben uns verarscht gefühlt. Da hat der Trainer gesagt: Jetzt erst recht“, meinte Hannovers Stürmer Mike Hanke. Szabolcs Huszti (23.) erzielte per Freistoß das Siegtor gegen den von den Bundesliga-Trainern vor der Saison einmütig zum Top-Favoriten gekürten Rekordmeister, der am Dienstag in der Champions League gegen Olympique Lyon in die Erfolgsspur zurückfinden muss.

Das ist dem schwach in die Saison gestarteten Team von Energie Cottbus mit dem 1:0 bei Hertha BSC und Borussia Dortmund nach zwischenzeitlich peinlichen Auftritten gegen Udine und Hoffenheim mit dem 3:0 gegen den VfB Stuttgart bereits gelungen. Die Wandlung seiner psychisch und personell angeschlagenen Elf erfüllte BVB-Coach Jürgen Klopp mit Stolz: „Man muss bedenken, woher wir kommen. Es ist noch nicht lange her, da wurden uns Selbstvertrauen und Sicherheit genommen.“

Die erste Trainer-Diskussion ist schon im Gang. Nach fünf Niederlagen, dem Pokal-Aus in Cottbus und dem Sturz auf Rang 18 wächst die Kritik an Mönchengladbachs Coach Jos Luhukay. Auch wenn für Sportdirektor Christian Ziege die Unruhe von „außen hereingetragen“ wird - der Druck vor dem Derby gegen Köln nimmt zu. „Ich gehe davon aus, dass ich dann auf der Bank sitze“, sagte Luhukay. Und: „Im Moment stimmen die Ergebnisse nicht. Ich denke, da machen sich viele über den Trainer Gedanken."

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