Comeback der Störe: Jungfische in der Elbe ausgesetzt

2cqt0145.JPg

von
18. September 2008, 07:58 Uhr

Lenzen/Geesthacht - „Marion ist jetzt bestimmt schon in Hamburg“, sagt Frank Fredrich, Fischereibiologe aus Berlin am Telefon. Marion ist einer von 51 Jungstören, die vor kurzem in der Elbe bei Lenzen ausgesetzt wurden – und noch dazu ein ganz besonderer Fisch. Nicht nur einer von denen die mit einem kleinen Chip in der Rückenflosse versehen wurden. Marion trägt auch mit einen Sender im Bauch. Mit dem Boot verfolgt Fredrich den Stör mit zwei Kollegen bei Tag und Nacht.

Innerhalb von vier Tagen hatte der kleine Stör, ein Jahr alt und etwa 25 Zentimeter groß, etwa 150 Kilometer in der Elbe zurückgelegt und mitten in der Nacht das Wehr in Geesthacht überwunden. „Wir können nicht genau sagen wann, denn in der Nacht wird in Geesthacht nicht geschleust. Wir hatten das Signal noch vor der Wehranlage, am nächsten Morgen bereits eineinhalb Kilometer unterhalb der Wehranlage. Der kleine Stör ist einfach mit der Strömung übers Wehr gegangen“, sagt Fredrich, der die Elbe zwischen Geesthacht und Havelberg wie seine Westentasche kennt. Denn viele Studien haben ihn hier lange arbeiten lassen.

Ein lebendes Fossil

So versah er Rapfen mit Sendern, dokumentierte und beobachtete ihre Wanderung von fast 90 Kilometern im Jahr innerhalb der Elbe. Dabei stellte er fest, dass Quappen den Fischpass in Geesthacht nur schwer nutzen können. Jetzt liegt sein Augenmerk auf dem Stör, eine Fischart, die seit etwa 100 Jahren in der Elbe ausgelöscht ist. „Unser markierter Stör ist jetzt bestimmt schon in Hamburg. Im Hafenbereich können wir ihn aber nicht verfolgen, weil der Schiffsverkehr zu stark ist. Wir hoffen, dass wir ihn irgendwann am Ende des Hafens wieder finden“, so Fredrich.

Durch Überfischung, Gewässerverunreinigung und Querverbauungen war dem Fisch der Zugang zu seinem Lebensraum versperrt, Fischer fingen Anfang der 1930er Jahre nachweislich den letzten Stör in der Elbe. Zuvor waren vor allem die großen Laichfische Ziel der Fischer, die mit dem Fang der Laichtiere die Population endgültig auslöschten.

Der Stör lässt sich bis vor etwa 200 Millionen Jahre auf der Erde nachweisen, das heißt er ist ein lebendes Fossil, älter als die Dinosaurier. Umfangreich waren die Vorbereitungen für die Wiederansiedlung des Störs, denn zuvor mussten hier früher heimische Arten ermittelt und Untersuchungen in den Gewässern vorgenommen werden. Anfang der 90er Jahre begann man damit, einen Stamm an Elterntieren aufzubauen.

Auswilderung ging reibungslos
Was die Elbe betrifft, entschied man sich für den europäischen Stör, in die Oder wird der atlantische Stör eingesetzt. Die Tiere wurden unter optimalen Haltungsbedingungen vermehrt, ihre Nachkommen nun wieder in die Freiheit entlassen. „Es ist schon sehr erstaunlich, wie schnell die Fische, die ja aus Zuchtanlagen stammen, sich in der freien Natur zurechtfinden“, sagt Frank Fredrich.

Er weiß aber auch, dass er mit der Wiederansiedlung des Störs lange Zeit befasst sein wird. Denn es dauert immerhin fast 15 Jahre, bis der Fisch geschlechtsreif ist. „Wie andere große Wanderfische leben die Elterntiere im Meer und an den Küsten. Zum Laichen ziehen sie dann ins Süßwasser. Das hängt damit zusammen, dass die Jungtiere mit dem Salzgehalt der Meere nicht zurechtkommen. Deshalb werden unsere Jungfische auch etwa ein Jahr lang im Bereich der Salzwassergrenzen zubringen, um sich an den Salzgehalt der Nordsee zu gewöhnen und erst dann hinaus ins Meer ziehen“, sagt Fredrich.
Demnach könnte der erste Stör zum Laichen in etwa 14 Jahren in die Elbe ziehen. Dabei werden ihn viele Gefahren erwarten, verdeutlicht Fredrich. Die größte gehe dabei von der Fischerei in der Unterelbe aus, wo mit großen Netzen grundnah auf Krabben und Aal gefischt werde. Aber auch Fischfanggeräte im oberen Elbabschnitten und Angler stellen ein Risiko dar.

Sollten Fischer oder Angler einen Stör fangen, werden sie gebeten, die jetzt ausgesetzten Jungtiere schonend ins Gewässer zu entlassen. Sollten die Tiere verendet sein, bitten die Biologen darum, die Markierung mit Angabe des Standortes und Fangdatums bei den Fischereiinstituten in Rostock oder Berlin abzugeben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen