„CO2-freies“ Kraftwerk bald Realität?

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04. April 2008, 05:15 Uhr

Cottbus/Jänschwalde - Die Anlagentests für die weltweit neuartige Technologie eines so genannten CO2-freien Kraftwerkes haben nach Einschätzung des Cottbuser Wissenschaftlers Hans-Joachim Krautz deutliche Fortschritte gemacht. „Wir haben in der Testanlage auf dem Gelände des Kraftwerkes Jänschwalde nachgewiesen, dass die Oxyfuel- Technologie, also die Verbrennung von Braunkohle mit reinem Sauerstoff und Rauchgas statt mit Luft, funktioniert“, sagte er gestern. Die Anlage der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) war vor einem Jahr offiziell in Betrieb gegangen.

„Wir sind jetzt unserem Ziel, dass beim Verbrennen von Braunkohle kein Treibhausgas Kohlendioxid mehr in die Luft gelangt, sehr nahe“, stellte Krautz fest. „Inzwischen haben wir im Rauchgas der Anlage eine Konzentration von 92 Prozent CO2  erreicht. 99 Prozent sollen es dann später in der Endstufe der weltweit ersten Pilotanlage für ein CO2-freies Kraftwerk auf Braunkohlenbasis am Standort Schwarze Pumpe sein“, sagte der Leiter des BTU-Lehrstuhls Kraftwerkstechnik.

Bei dem vom Energiekonzern Vattenfall Europe favorisierten Oxyfuel-Verfahren werde das entstehende CO2 nach dem Verdichten abgetrennt, um es unterirdisch speichern zu können. „Dies geschieht dann in der Pilotanlage Schwarze Pumpe“, erläuterte Krautz. Vattenfall investiert dort nach eigenen Angaben 70 Millionen Euro. Für die 30-Megawatt (MW)-Pilotanlage, die im Sommer den Betrieb aufnehmen soll, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 29. Mai 2006 den ersten Spatenstich ausgeführt.
In der kleinen Jänschwalder Testanlage mit einer Wärmeleistung von 0,5 MW haben die Forscher laut Krautz eine „stabile Fahrweise“ erreicht. „Alle Teile des Kessels müssen sehr dicht sein, damit kein Luftstickstoff von außen eindringt und das hochkonzentrierte   CO2      verdünnt.“ Die Verteilung des vorgetrockneten Kohlenstaubes und des Sauerstoffes müsse extrem genau dosiert sein, damit der Verbrennungsprozess gleichmäßig verläuft.

Auch nach Inbetriebnahme der Pilotanlage in Schwarze Pumpe werde man die Forschungsarbeiten in der Testanlage fortsetzen, kündigte Krautz an. Bei diesen Tests werde es dann um einen höheren Wirkungsgrad und geringere Kosten für die Technologie gehen.

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