Chronologie einer Katastrophe

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03. Juni 2008, 10:49 Uhr

Minuten der Angst durchlebten die Menschen.
10.33 Uhr: Der aus München kommende ICE 884 „Wilhelm Conrad Röntgen“ verlässt mit 300 Menschen Hannover.
10.56 Uhr: Am Wagen 1 bricht der Reifen eines Rades und verkeilt sich im Radkasten.
10.58 Uhr: Der herunterhängende Radreifen reißt eine Weiche aus ihrer Befestigung. In nur 13 Sekunden ereignet sich die Katastrophe: Der Zug entgleist mit Tempo 200.
11.03 Uhr: In Eschede heulen nach einem Notruf von Anwohnern die Sirenen. Wenig später erreichen die ersten Rettungskräfte den Ort.
11.30 Uhr: Einer der größten Rettungseinsätze der Geschichte Deutschlands läuft an. Mehr als 1800 Helfer, 39 Hubschrauber und 350 Fahrzeuge werden im Einsatz sein.
12.30 Uhr: Vor Ort wird der Katastrophenfall ausgerufen.
13.45 Uhr: Der letzte Verletzte wird ins Krankenhaus geflogen.
14.16 Uhr: Die Polizei bestätigt: Mehr als 20 Menschen sind ums Leben gekommen.
15.30 Uhr: Die Zahl der Toten ist auf 65 gestiegen. 97 Verletzte wurden gerettet. Hilfsdienste rufen über Radio und Fernsehen zur Blutspende auf.
18.23 Uhr: Zwei Schwerlastkräne erreichen Eschede. Fast genau eine Woche nach dem Unglück enden die Bergungsarbeiten. Am Unfallort werden 96 Tote entdeckt. Fünf Menschen erliegen ihren Verletzungen in Kliniken.

Bahn zieht Lehren
Das Image der Bahn als wohl sicherstes Verkehrsmittel wurde durch die Katastrophe von Eschede schwer erschüttert. Das Bahnunglück mit dem Flaggschiff der DB-Flotte verlieh dem Sicherheitsdenken bei der Bahn in den Folgejahren einen neuen Schub. Gemeinsam mit Experten aus Luftfahrt, Automobiltechnik, Kraftwerksindustrie und Forschung sucht die Bahn seither nach verbesserten Verfahren, um Züge und Gleis noch sicherer zu machen. Ein Expertengremium unterzieht seitdem alle sicherheitsrelevanten Entscheidungen einer zusätzlichen Prüfung.

Nach dem Unglück stellte die Bahn ihr ganzes Sicherheitssystem auf den Prüfstand. Gezielt verbessert wurde die Suche nach Schäden an den Rädern, die die ICE-Katastrophe 1998 ausgelöst hatten. In ihrem gesamten Streckennetz installierte die Bahn ortsfeste Radkraftmesseinrichtungen, die automatisch den Zustand der Räder vorbeifahrender Züge ermitteln und abweichende Werte den Instandhaltungswerken melden. Diese wurden mit automatischen Ultraschallprüfeinrichtungen für Räder ausgestattet.

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