Chemie-Keule gegen Bienen

Die Imker sind alarmiert: Nach dem Winter, den ein Drittel der Bienenvölker in MV nicht überlebte, fallen nun zigtausende Bienen dem rabiaten Umgang mit Pflanzenschutzmitteln zum Opfer.

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15. Mai 2008, 07:31 Uhr

Schwerin - Besonders gefährdet sind Bienen, die auf den leuchtend gelben Rapsfeldern Nektar sammeln. „Bei schönstem Sonnenschein werden Pflanzenschutzmittel gespritzt“, kritisiert der Vorsitzende des Landesimkerverbandes, Wolf-Dieter Feldkamp. Immer mehr Landwirte würden diese Arbeit Lohnunternehmen überlassen. Früher hätten die Bauern die Felder vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang gespritzt, wenn keine Bienen fliegen. Die Lohnunternehmen aber würden den ganzen Tag über arbeiten.

Bienen können Rapsertrag um 20 Prozent steigern Manche Landwirte unterschätzen Feldkamp zufolge die Bestäubungsleistung der Bienen. Auch wenn Raps vom Wind bestäubt werde – Bienen könnten die Erträge um 20 Prozent steigern, berichtet er unter Berufung auf wissenschaftliche Untersuchungen. „80 Prozent unserer Blütenpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen“, sagt der Imker.
Der Säfte-Hersteller Fruchtquell Dodow im Landkreis Ludwigslust macht sich den sprichwörtlichen Bienenfleiß schon seit fast zwei Jahrzehnten zunutze. „Wir haben eine eigene Imkerei mit 450 Völkern für die Plantagen“, berichtet Geschäftsführer Frank Jehring. Auf 650 Hektar haben die Bienen hauptsächlich Apfelbäume zu bestäuben. Nach der Baumblüte gehen sie auch in den Raps. Der Honig sei ein schöner Nebeneffekt, so Jehring. Zudem haben zwei Imker feste Jobs, ein Lehrling wird ausgebildet.

Obstanbauer oder Kleingärtner, in deren Nähe es keine Honigbienen gibt, haben deren Fehlen schon an geringeren Erträgen bemerkt. In diesem Jahr herrschten dem Obstbauberater Rolf Hornig in Schwerin zufolge optimale Bedingungen für die Baumblüte und für den Insektenflug. In der Blütezeit habe es keinen Frost und kaum Regen gegeben. Der Mangel an Bienen sei jedoch ein Problem. Alles Baumobst profitiere von Bienen. Kleingärtner könnten für Wildbienen Nisthilfen schaffen, indem sie beispielsweise Holzstämme vielfach durchbohren.

Heimtückische Wirkung: Bienen finden Stock nicht mehr
Wildinsekten sind für den Verbandschefs aber „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. In einem durchschnittlichen Garten könne es vielleicht 500 Wildbienen geben. Ein einziges Bienenvolk habe 20 000 Tiere, ein Imker im Durchschnitt mehr als zehn Völker. Feldkamp forderte von den Landwirten mehr Rücksicht. Wer morgens Pflanzenschutzmittel ausbringen wolle, sollte Bescheid geben, dann könne der Imker die Bienen etwas länger im Stock lassen.

Die Wirkung auf die Bienen ist heimtückisch. Sie töten nicht etwa durch ein Gift, sondern ein Teil macht die Bienen orientierungslos, so dass sie nicht in ihren Stock zurückfinden. Bienen, die zurückfinden, werden von den Artgenossen nicht eingelassen, weil sie übel und artfremd riechen. Zudem gibt es laut Feldkamp auch Mittel, die die Flügel der Insekten verkleben.

Während laut Feldkamp in MV hauptsächlich Rapsbehandlung die Bienen dezimiert, machen Imker entlang des Rheins mit Nervengift gebeiztes Maissaatgut für das Bienensterben verantwortlich. Weitere negative Auswirkungen befürchtet Feldkamp im Nordosten vom Genmais MON 810. Es sei nicht erforscht, wie das in der Pflanze enthaltene Gift gegen den Maiszünsler auf Insekten wirke.

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