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Schwerin : Chance auf beruflichen Neuanfang

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Seit 2004 ist die 36-Jährige ohne Job. Nun gehört Doreen Szigat zu mehr als 500 Hartz-IV-Empfängern in Schwerin, die in einer Aktivierungsphase auf einen "Bürgerarbeitsplatz" vorbereitet werden.

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erstellt am 07.Jan.2011 | 10:40 Uhr

Doreen Szigat hat ihren Traum nie aufgegeben: Sie möchte Erzieherin werden. Vor Jahren hat die alleiner ziehende Mutter mal eine Ausbildung zur Kinderpflegerin angefangen, später arbeitete sie im Jugendclub. Seit 2004 ist die 36-Jährige ohne Job. Nun gehört Doreen Szigat zu mehr als 500 Hartz-IV-Empfängern in Schwerin, die in einer so genannten Aktivierungsphase auf einen "Bürgerarbeitsplatz" vorbereitet werden. "Unser oberstes Ziel bleibt aber die Vermittlung der Bewerber auf den ersten Arbeitsmarkt", sagt die Geschäftsführerin des Schwe riner Job-Centers, Caren Gosp odarek-Schwenk. Und so kann sich Doreen Szigat durchaus Hoffnungen machen, durch die in ten sive Betreuung während der Akti vierungsphase doch noch an eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin heranzukommen. "Ich würde mich jedoch natürlich auch über einen Bürgerarbeitsplatz freuen", betont die Schwerinerin.

Insgesamt 125 Bürgerarbeitsplätze werden vom 1. April an in Schwerin ge schaffen, Tätigkeiten etwa in der öf fentlichen Grünpflege, der Begleitung von älteren Menschen oder der Ju gendarbeit, finanziert aus Mitteln des Bundesar beitsministeriums. Bis zu drei Jahre werde ein Bürgerarbeitsplatz ge fördert, erklärt Gos po darek-Schwenk. Die Stellen sollen aber zunächst für ein Jahr ver ge ben werden, damit auch Teil nehmer aus der Aktivierungsphase eine Chance erhielten, die bei der ersten Runde leer ausgingen.

Anders als bei "Ein-Euro-Jobs", deren Förderung der Bund deutlich zurück geschraubt hat, handelt es sich bei den Bür gerarbeitsplätzen um sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Die Arbeitszeit beträgt 30 Stunden wöchentlich. Die Tätigkeiten müssen gemeinnützig sein und dürfen keine regulären Jobs verdrängen. Vor allem an Frauen, die nach der Kinder erzie hungszeit wieder in den Beruf zu rückkehren wollten, und an Arbeitslose mit Migrationshintergrund richteten sich die Bürgerarbeitsplätze, so die Leiterin des Schweriner Job-Centers. "Für die Aktivierungsphase haben wir aber natürlich auch andere Langzeit ar beits lose ausgewählt." In Westmecklenburg nutze außer der Landeshauptstadt nur noch die Hansestadt Wismar das neue Instrument, sagt Monika Schmidt, zuständige Teamleiterin im Schweriner Job-Center.

Sechs Monate dauert die Aktivierung, bei der die Arbeitslosen inten siv geschult werden. "Die Teilnehmer verbessern unter anderem ihre EDV-Kennt nisse, machen ein Be werbungstraining und erwerben fachspezifische Fähig keiten in ver schie denen Berufs feldern", berichtet Bernd Heiden, Geschäftsf üh rer der Agentur der Wirtschaft in der Lübecker Straße, die Träger der Vor bereitungsphase ist und sich als Partner noch die FAA Bil dungsgesellschaft, die Schweriner Bildungswerkstatt, den Bildungsdienstleister bfw und die SBW Aus- und Fortbil dungsgesellschaft für Wirtschaft und Verwaltung mit ins Boot geholt hat.

In den ersten Wochen der Aktivierung sei es bereits gelungen, knapp 20 Teilnehmer auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, und zwar in Jobs in den Bereichen Lager/Logistik, Fleischverarbeitung, Hausservice und Pflege, berichtet Torsten Edlich, Projektleiter bei der Agentur der Wirtschaft.

Über eine feste Anstellung würde sich auch Karl-Michael Ahrens freuen, der ebenfalls zu dem Personenkreis gehört, der auf einen Bürgerarbeitsplatz vor bereitet wird. 27 Jahre war Ahrens in einer Schweriner Baufirma tätig, seit 2001 ist er arbeitslos, hat schon mehrere "Maßnahmen" hinter sich. "In meinem Alter ist es nicht mehr so leicht, einen Job zu finden", sagt der 54-Jährige. Aber die Hoffnung dürfe man ja nicht auf geben.

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