Busfahrer rettet 15 Schüler

Günther Danschewitz und Frank Mirow entsorgen Schutt vom Brandort.
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Günther Danschewitz und Frank Mirow entsorgen Schutt vom Brandort.

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16. April 2009, 12:16 Uhr

Pastow | Wie jeden Morgen begann der 38 Jahre alte Busfahrer Sven Jäger gestern seinen Dienst. Er wusste bis dahin noch nicht, dass er am Ende des Tages als Held gefeiert wird. Er stiegt in seinen Linienbus und fuhr seine Tour zwischen Pastow und Roggentin. Etwa 7.15 Uhr erreichte der Bus den kleinen Ort Pastow in der Nähe von Rostock.

15 Grundschulkinder befanden sich an Bord, als der Fahrer an der Haltestelle Pastow/ Feuerwehr hielt und plötzlich einen merkwürdigen Geruch wahrnahm. "Da ich auf Nummer sicher gehen wollte, machte ich einen Rundgang um das Fahrzeug", sagt Jäger. Er überprüfte die Bremsen und Reifen, konnte dabei aber keine ungewöhnlichen Dinge feststellen. "Erst als ich wieder vorn am Bus angekommen war bemerkte ich, dass Rauch aus den Lüftungsschlitzen kam", berichtet Jäger. Der weiße Qualm verteilte sich schnell im vorderen Bereich des Busses.

Er war sich nicht sicher, wo das Problem lag, deshalb öffnete Jäger hinten die Tür und ließ alle Kinder aus dem Bus stürmen. "Ich wollte nicht das Leben der Kinder gefährden", sagt er. Direkt nachdem die Kinder in Sicherheit waren, loderten auch schon die ersten Flammen aus der Lüftung. Geistesgegenwärtig versuchte Jäger den Brand mit seinem kleinen Feuerlöscher zu ersticken, "doch das brachte nichts, denn nach wenigen Sekunden, ging er wieder aus". Auch ein zweiter Löscher konnte die Flammen nicht stillen.

In wenigen Augenblicken verteilte sich die lodernde Masse vom Cockpit über den gesamten Bus. Da half nur, sich vor dem brennenden Ungetüm zu retten. Das Diensttelefon war dabei sein einziges Hilfsmittel die Feuerwehr, Polizei und seinen Vorgesetzten zu verständigen.

Druck im Bus lässt Scheiben brechenDraußen angekommen, hielt der Fahrer die Kinder in sicherer Entfernung zusammen. Sie konnten nur noch beobachten, wie der Bus ausbrannte. "Obwohl die Türen offen standen, war ein so starker Druck im Bus, dass die Scheiben reihenweise aufplatzten", sagt der unter Schock stehende Fahrer. Der zu einem Linienbus umgebaute ehemalige Reisebus bestand zu einem großen Teil aus Plastik, "das Zeug brennt wie Zunder und lässt sich nur schwirieg löschen", sagt der Busfahrer.

Zwischenzeitlich machte er sich große Sorgen um das benachbarte Gebäude, dass sich derzeit im Bau befindet. Da die Flammen immer höher schlugen und leichter Wind aufkam, fehlten nur noch wenige Zentimeter, bis das Einfamilienhaus erreicht würde.

"Auch die enorme Rauchentwicklung war sehr beängstigend für mich und die Kinder", sagt er. Die Arbeiter von der Baustelle des Nachbarhauses kamen mit einem Gartenschlauch zu Hilfe, "leider war der Schlauch zu dünn, so dass der Wasserdruck nicht ausreichte", sagt Mehmet Aydin der Firma Aydin Bau. Hinzu kam die lange Verzögerung der Feuerwehr. "Es dauerte eine Ewigkeit, bis sie uns erreichten", meint Jäger. Die angerückten Wagen konnten dann auch nicht mehr viel ausrichten. "Dem Löschzug ging dann auch noch schnell das Wasser aus", sagt er. Somit blieb ihnen nur, das ausbrennende Wrack zu überwachen.

Ersatzfahrzeug wird sofort gestelltDas Omnibusunternehmen stellte sofort einen Ersatzbus, der die Grundschüler in ihre Schule bringen sollte. Die unter Schock stehenden Kinder wurden jedoch von ihren Eltern abgeholt und nach Hause gebracht.

"Zum Glück wurde niemand verletzt", freut sich Jäger. Es fällt ihm schwer sich zu beruhigen, da sich so etwas während seiner 16-jährigen Dienstzeit noch nie ereignet hat. "Ich könnte nicht mehr ruhig schlafen, wenn auch nur ein Kind verletzt worden wäre." Unglücklicherweise befanden sich seine sämtliche Wertsachen in dem Wagen. "Ich habe jetzt eine Menge Rennerei", sagt er, denn sein Führerschein, Personalausweis, Börse und Navigationsgerät waren nicht mehr zu retten.

Ein Schadstoff- und Havariedienst kümmerte sich später um die Reinigung der Brandstelle. Die Mitarbeiter fegten den Schutt in blaue Tonnen und säuberten den Gehweg mit einem Hochdruckreiniger. Die Schäden am Straßenbelag lassen sich dagegen nicht so leicht beheben. Günter Danschewitz sagt: "Da muss wohl eine Straßenfräse kommen."

Jäger kann nicht verstehen aus welchem Grund der vier Jahre alte Bus plötzlich in Flammen stand. "Es kann sich dabei nur um ein Problem in der Elektrik im Cockpit handeln", sagt er. In den folgenden Tagen untersucht die Kriminalpolizei und die Dekra den Bus nach der möglichen Brandursache. Die Schätzungen für den Schaden belaufen sich auf rund 150 000 Euro.

Die Einwohner Pastows feiern derweil ihren couragierten Busfahrer als Helden. Auch Manfred Schubert, Geschäftsführer des Fuhrparks ist stolz, einen Mann zu beschäftigen, der erst an das Leben seiner Mitfahrenden denkt und der im Notfall starke Nerven hat. "Er wird eine Lohnerhöhung für seine Leistung bekommen", sagt Schubert. Der unter Schock stehende Lebensretter winkt errötend ab und möchte keine Lorbeeren für seine Tat ernten. "Das glaube ich erst, wenn ich es sehe", kontert er. Seinen Humor hat er auch nach dem Brand noch nicht verloren.

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