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Christina Klaus beim Reisedienst Parchim : "Busfahren ist mein Leben!"

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"Sie ist Busfahrerin mit Leib und Seele", lobt Plestinsky als Geschäftsführer vom "Reisedienst Parchim". Als einzige Frau unter 50 Berufskollegen "behauptet sie sich gut in dieser Männerdomäne".

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erstellt am 26.Jul.2011 | 11:34 Uhr

Ein kurzer Blick in den Spiegel prüft, ob die Frisur sitzt und das Make Up stimmt: Christina Klaus würde sich nicht als Frau fühlen, müsste sie auf diese Handgriffe verzichten. Dann dreht sie den Zündschlüssel: "Sie ist Busfahrerin mit Leib und Seele", lobt Andreas Plestinsky als Geschäftsführer vom "Reisedienst Parchim". Als einzige Frau unter 50 gestandenen Berufskollegen "behauptet sie sich gut in dieser Männerdomäne", ergänzt Fahrdienstleiter Dietmar Kuse.

Christina Klaus kam im Herbst 2006 zum Reisedienst. Ihr Wunschberuf war eigentlich Krippenerzieherin, "weil ich für Kinder geschwärmt habe".

Gelernt hat sie aber Elektriker(in), um dann im Süden der DDR die Großmaschinen des Braunkohlentagebaus zu betreuen.

Bei ihrem Vater, der eine Fahrschule betrieb, machte sie ihren Führerschein, "obwohl ich vor Autos einen Riesenbammel hatte". 1996 wurde Christina Klaus arbeitslos, hielt sich mit Tupper-Partys über Wasser. Sie baute eine eigene Vertriebsgruppe auf und verlor - notgedrungen - ihre Angst vor dem Autofahren. Sieben Jahre dauerte diese Periode, in der sie Mutter wurde und noch ihren Taxischein machte, "um nebenher etwas dazu zu verdienen". Dann das verlockende Angebot: Umschulung bei der Chemnitzer Verkehrsakademie zur Berufskraftfahrerin mit dem Schwerpunkte Reiseverkehr. 22 Monate ochste Christina Klaus theoretische Kenntnisse, hatte Fahrunterricht, absolvierte ein Praktikum - und bestand die IHK-Prüfung. Bei ihrem Praktikumsbetrieb fand sie ihre erste Anstellung.

Inzwischen war ihr Heimatdorf den Baggern des Tagebaus zum Opfer gefallen und sie auf der Suche nach Neuorientierung. Eine Kur sollte ihr eine Verschnaufpause verschaffen. Dort lernte sie einen Parchimer kennen und lieben: "Zum 1. Januar 2006 sind wir gemeinsam nach Suckow gezogen." Im März sprach sie beim Reisdedienst vor, seit Oktober 2006 zählt sie dort zum Team: "Ich bin von den Kollegen super aufgenommen worden." Anfangs galt sie noch als Exotin, und auch heute kommt es immer noch vor, dass Touristen mit Fingern auf sie zeigen - nach dem Motto: "Guck mal, eine Frau als Busfahrerin ...". Der Kontakt mit Schülern fällt ihr leicht, sagt sie "und den Umgang mit Menschen mag ich sehr." Monatlich bis zu 5 000 Kilometer spult sie herunter, als Herrin über 250 Pferdestärken.

Der "Reisedienst Parchim" entstand aus dem 1954 gegründeten Kraftverkehr Parchim, kämpfte sich als reiner Busbetrieb über die Wendezeit und wurde 1991 durch die damalige Treuhand kommunalisiert.

Vom Landkreis getragen, lebt er heute hauptsächlich vom Schülerverkehr. 80 Prozent dieser Sparte im Kreis befördert der Reisedienst: "Durch die gestaffelten Anfangszeiten der Schulen haben wir ein vernünftiges System aufgebaut", freut sich Geschäftsführer Andreas Plestinsky. Hinzu kommt noch die Linie 1 für die Kreisstadt und der City Bus, "der gut angenommen wird".

Der Parchimer Reisedienst beackert den gesamten Südkreis, betreibt aber auch Buslinien bis nach Schwerin, Güs-trow oder Meyenburg: "Wir spulen pro Jahr rund zwei Millionen Kilometer ab."

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