Bundesliga schlägt Kapriolen

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05. Oktober 2008, 07:36 Uhr

Die Fußball-Bundesliga schlägt weiter Kapriolen. Bereits am 7. Spieltag musste der erste Trainer seinen Hut nehmen. Borussia Mönchengladbach trennte sich 24 Stunden nach der 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Köln am Sonntagabend von Coach Jos Luhukay. „Wir suchen ab sofort nach einem neuen Trainer, der zum Verein und zur Mannschaft passt, werden dies aber in Ruhe und mit Sorgfalt tun“, erklärte Sportdirektor Christian Ziege, der die Mannschaft bis auf weiteres kommissarisch betreut.

Alarmstimmung herrscht auch beim FC Bayern München. Nach dem schlechtesten Saisonstart seit 31 Jahren gab es in der Allianz-Arena bereits „Klinsmann raus“-Rufe. Werder Bremen unterlag zudem mit 1:4 beim VfB Stuttgart und erlebte ein Desaster. Die Tabellenführung verteidigte am Sonntag der Hamburger SV. Die Mannschaft von Trainer Martin Jol setzte sich bei Energie Cottbus mit 2:1 durch. Mladen Petric erzielte in der Nachspielzeit den Siegtreffer für die Hanseaten. Zuvor traf Ivica Olic für den HSV, ehe Branko Jelic der Ausgleich gelang. Einen weiteren Rückschlag musste Schalke 04 beim 2:2 gegen den VfL Wolfsburg hinnehmen. S04-Stürmer Kevin Kuranyi beendete zwar mit einem „Doppelpack“ seine Torflaute und sicherte Schalke in letzter Sekunde einen Punkt, doch im Kampf um die Tabellenspitze ließ der Club aus dem Ruhrgebiet Federn. Für Wolfsburg trafen Edin Dzeko und Caiuby. Im dritten Sonntagsspiel trennte sich Borussia Dortmund mit 1:1 von Hannover 96.

„Wir haben totale Geduld, wir haben totales Vertrauen zu Jürgen. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen“, meinte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nach dem 3:3 gegen Bochum, bei dem die Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann eine 3:1-Führung leichtfertig aus der Hand gab.

In Gladbach dagegen wurden Konsequenzen gezogen. Nach vier Niederlagen hintereinander, dem Pokal-Aus in Cottbus und dem Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz war der 45 Jahre alte Luhukay nicht mehr zu halten. „Jos Luhukay ist unser Aufstiegstrainer und ihm gilt unser Dank und unser Respekt. Trotzdem hat uns die aktuelle sportliche Lage veranlasst, uns von ihm zu trennen“, begründete Borussia-Präsident Rolf Königs nach stundenlangen Beratungen die Entscheidung. Die Suche nach einem neuen Trainer habe bereits begonnen. Interimscoach Ziege will aber einen „Schnellschuss“ vermeiden. In München genießt Klinsmann trotz des erneuten Rückschlages noch Rückendeckung, aber es brodelt beim Titelverteidiger gewaltig.

Aus einem stimmungsvollen Besuch des Oktober-Festes wurden am Sonntag die Krisen-Wiesn, auch weil die hochgelobten Bayern eklatante Schwächen offenbaren. Vorne trifft der Torjäger Luca Toni nicht mehr und hinten präsentieren sich die Münchner offen wie ein Scheunentor. „Der FC Bayern gehört ganz woanders in der Bundesliga-Tabelle hin“, meinte Klinsmann nach dem Spiel. Lösungen blieb der Bayern-Coach aber erneut schuldig.

Mit einem Paket voller Sorgen geht auch Werder Bremen in die Länderspiel-Pause. Eine Woche nach der 5:4-Gala gegen Hoffenheim gingen die Hanseaten beim VfB Stuttgart mit 1:4 unter. Mit 16 Gegentoren weist der Vizemeister nun die schlechteste Abwehr der Liga auf. „Es ist bedenklich, wie wir die Gegentreffer kriegen“, klagte Manager Klaus Allofs und stellte ernüchtert fest: „Wir waren schon mal weiter.“ Beim VfB herrschte dagegen Hochstimmung. Trainer Armin Veh sprach von der „besten Saisonleistung“, Manager Horst Heldt fand den Auftritt der Schwaben einfach nur „beeindruckend“.

Noch einen Tick besser präsentierte sich 1899 Hoffenheim. Beim 2:1 gegen Frankfurt hatte der Neuling zwar viel Mühe, dennoch rangiert das Team von Trainer Ralf Rangnick nach dem 7. Spieltag auf dem zweiten Tabellenplatz. „Wir wissen das einzuordnen. Wichtig ist die Entwicklung der Mannschaft, und da sind wir auf einem guten Weg“, versuchte Rangnick, die Euphorie zu bremsen. Beim Gegner aus Frankfurt, einziges noch siegloses Team der Liga, waren die Verantwortlichen bemüht, die Ruhe zu bewahren. „Wir halten am Trainer fest“, stellte Vorstandschef Heribert Bruchhagen klar.

Einen Dämpfer musste Bayer Leverkusen gegen Hertha BSC hinnehmen. Trotz drückender Überlegenheit verpasste das Team von Bruno Labbadia den Sprung auf Rang eins. Ausgerechnet der Ex-Leverkusener Andrej Woronin traf die Bayer-Elf in der Schlussminute mit seinem ersten Treffer für die Berliner mitten ins Herz. Im Aufwind befindet sich der Karlsruher SC, der mit dem 2:1 bei Arminia Bielefeld den zweiten Sieg in Serie feierte. „Wir sind gut drauf, die Bayern können kommen“, sagte Mittelfeldspieler Massimilian Porcello.

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