Buga: Säulenhalle steht vor dem Aus

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09. Mai 2008, 08:12 Uhr

Schwerin - „In den geplanten Dimensionen wird es die Säulenhalle als Eingangstor zur Buga wohl nicht geben“, sagt Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff. Denn: Entgegen ursprünglicher Kostenangaben der Hamburger Landschaftsarchitekten Breimann&Bruun sowie des Schweriner Architekturbüros „jäger jäger“, die 2003 den internationalen Wettbewerb für die Halle gewonnen hatten, habe sich das Projekt extrem verteuert. Statt der vor fünf Jahren kalkulierten 1,1 Millionen Euro müssten nun mehr als zwei Millionen Euro investiert werden, so Friedersdorff.

„Geld, dass es in unserem Budget nicht gibt“, sagt Buga-Geschäftsführer Jochen Sandner. Für die Kostenexplosion nennt er zwei Gründe: „Die Preise für Stahl und Beton sind seit 2003 stark gestiegen, möglicherweise wurde anfänglich aber auch nicht präzise kalkuliert.“ Zwar wollen Buga GmbH und Stadt erneut beim Land anfragen, ob die Mehrkosten durch höhere Förderung ausgeglichen werden könnten. Allzu optimistisch scheinen sie dabei aber nicht zu sein und nehmen zunächst die Planer in die Pflicht: „Wir haben den Architekten aufgefordert, Alternativen vorzuschlagen, damit wir wieder in die Nähe der ursprünglichen Kosten kommen“, sagt Sandner. „Wir werden wohl kleiner bauen müssen“, fügt Dezernent Friedersdorff hinzu.

Ausdrücklich tritt Buga-Chef Sandner dem Eindruck entgegen, dass die Säulenhalle deshalb auf der Kippe stehe, weil sie als an nationalsozialistische Architektur erinnernd empfunden werde: „Das war niemals Thema“ Fakt ist aber auch, dass Stadtpolitiker sehr wohl kritisiert hatten, der Hallen-Entwurf weise Parallelen zu Nazi-Bauten auf.

Eine Sicht, die der Schweriner Architekt Prof. Gerd Jäger, der die Halle entworfen hat, für abwegig erklärt: „Bewusst habe ich auf jene Zeichensprache verzichtet, die heute modern oder gar modisch und morgen dafür abgegriffen und für jeden sichtbar von gestern ist.“ Zudem entspreche die von der Buga ohne seine Mitwirkung in Umlauf gebrachte Visualisierung der Halle keinesfalls seinen Plänen.

Dafür, dass die Halle möglicherweise nicht mehr gebaut werden kann, macht Jäger die Planer von Buga-Gesellschaft und Stadt verantwortlich: „Wenn die Verantwortlichen jetzt die Kostenexplosion in der Baubranche anführen, dann ist das ihr hausgemachtes Problem,weil sie viel zu lange mit der Suche nach einer bauausführenden Firma gewartet haben.“ Er sei davon überzeugt, dass selbst jetzt noch eine Bauunternehmen zu finden wäre, die das Eingangsgebäude gemäß der ursprünglichen Kostenberechnung realisieren könnte. Problem jedoch: Unter dem bestehenden Zeitdruck – die Halle muss Ende 2008 stehen – sei ein neues Vergabeverfahren kaum mehr möglich.

„Zu den von den Buga-Planern veranschlagten Kosten ist in der verbleibenden Kürze der Zeit ein imposanter Hochbau mit Signalwirkung nicht zu haben“, so Jäger. Für eine Million Euro sei nur eine flache Brücke machbar. Und: Da die geplante Ponton-Brücke über die Schlossbucht finanziell noch nicht gesichert sei, würde die Buga 2009 mit einem Aus für die Säulenhalle ihr möglicherweise letztes architektonisches Markenzeichen verlieren. Prof. Jäger: „Ein in der Buga-Geschichte einmaliger Vorgang.“

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