Bützower Stadtfest-Randale: Mehr Chaoten vor Gericht

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02. Juli 2008, 10:40 Uhr

Bützow - Der Vorfall ist noch lange nicht aus der Bützower Erinnerung gestrichen: Ein Mob von rund 40 Chaoten randalierte in der Nacht zum 25. August 2007 in der Innenstadt, griff den Imbiss eines Pakistani an, demolierte Verkaufswagen; ein Türke wurde attackiert.

Vier Männer hatten sich für Taten dieser Nacht zu Jahresbeginn zu verantworten: Das Amtsgericht Güstrow verurteilte einen zu einer Haft-, drei zu Bewährungstrafen.

Die ganze Zeit über hatte die Staatsanwaltschaft Rostock ein zweites Verfahren gegen weitere Tatverdächtige zu laufen. Ergebnis: Jetzt sei Anklage erhoben worden. „Das Verfahren ist beim Amtsgericht Güstrow anhängig“, sagt Oberstaatsanwalt Peter Lückemann. Der Vorwurf lautet in drei Fällen schwerer Landfriedensbruch, im vierten Fall Landfriedensbruch.



Drei der Tatverdächtigen kommen aus Bützow: Stefan T., Jahrgang 1984, Daniel C., Jahrgang 1986 und Sebastian H., Jahrgang 1978. Michael H., Jahrgang 1985, stammt aus Güstrow. Die Staatsanwaltschft legt den Männern laut Anklageschrift Unterschiedliches zur Last: Alle sollen aus der Menge heraus randaliert, zwei von ihnen „Waffen“ (nicht genauer beschrieben) bei sich geführt haben. T. und Michael H. sollen eine Cocktailbar aufgebrochen, H. eine Kiste Schnaps gestohlen und Flaschen geworfen haben.

Die Anklage sei gerade erst beim Amtsgericht Güstrow eingegangen, sagt Gerichtsdirektorin Annamaria Düvel. Noch sei offen, wann das Verfahren weitergehe. Düvel: „Wir stehen am Anfang.“

Die Staatsanwaltschaft hatte auch gegen weitere Männer ermittelt, darunter Christian M. aus Bützow, der wegen anderer Straftaten in Haft sitzt. „Das Verfahren ist mangels eines für die Anklage-Erhebung ausreichenden Tatverdachts eingestellt worden“, erklärt Peter Lückemann. „Es gibt keine Zeugen, die ihn bei einer Straftat beobachtet haben.“

Die Randale zum Stadtfest und das erste Gerichtsverfahren sorgten bundesweit für großes Aufsehen, da ausländerfeindliche Motive vermutet wurden; diesen Vorwurf strich die Staatsanwaltschaft später aus den Akten – was in Bützow viel Kritik fand.

Im Herbst bildete sich in der Stadt ein Bündnis für Demokratie und Toleranz, das seither u.a. über die Strategien rechter Gruppierungen informiert.

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