Bützower Milch fährt nach Neapel

Die Milch ist in aller Munde: nicht nur beim Essen, sondern derzeit auch bei der Preisdiskussion. Aber wie kommt die Milch aus der Kuh auf den Tisch?

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29. April 2008, 08:33 Uhr

Horst - Die Kuh scharrt mit den Füßen. Es schmatzt, wenn Hartmut Feldmann die so genannten Zitzenbecher an das Euter anlegt. Der Apparat fängt an zu saugen. Plopp! Nach einiger Zeit springt die Maschine automatisch ab, wenn weniger als 200 Milliliter durch den Schlauch fließen. Dann tunkt der 47-jährige Melker die Euterspitzen zur Desinfektion in eine Jodlösung. Die Nächste, bitte.
Dreimal am Tag melken die Mitarbeiter die rund 400 Kühe auf dem Hof von Landwirt Eckhard Meiners. Eine Kuh frisst etwa 50 Kilo Futter und trinkt 120 Liter Wasser am Tag – und liefert täglich durchschnittlich 35 Liter Milch. „Das ist Wahnsinn, was in so einer Kuh passiert, das ist eine richtige Kraftmaschine“, sagt Eckhard Meiners.

Die Milch – etwa 35 Grad warm, wenn sie aus der Kuh kommt – wird zunächst auf etwa zwölf Grad runtergekühlt und läuft in einen Tank, hier geht es nochmal vier Grad kühler. Etwa 24 000 Liter Milch kann Eckhard Meiners in drei Tanks sammeln, alle zwei Tage holt ein Lkw der Freie Milch AG aus Parchim die Milch ab und bringt sie direkt weiter zu Molkereien und verarbeitenden Betrieben. Die Gesellschaft hat zwar selbst keine Molkerei, aber den gesetzlichen Status, damit sie die Milchqoute verwalten kann. Denn jeder Betrieb darf nur eine gewisse Menge Milch liefern. „Wir vermarkten die Milch dort, wo sie die höchsten Preise bringt“, sagt Eckhard Harder, Vorstand der Freie Milch AG.

Der Vorteil bei dieser Form: Die Milch kommt schneller zum Abnehmer und muss nicht zwischengelagert werden. Beim Transport schützt eine Schaumstoffschicht die Milch im Tank, so wird sie pro Tag nur etwa ein Grad wärmer. Wird es im Sommer wärmer, wird die Milch in einer Molkerei auf dem Weg pasteurisiert, also kurz erhitzt, um Keime abzutöten. Bis zu zwei Tage sind die Laster unterwegs. Die Milchzüge fahren zu Molkereien in Deutschland – allerdings nicht in Mecklenburg – und in die Niederlande; die Milch von Eckhard Meiners geht oft nach Italien. Etwa neun Ladungen mit jeweils 26 000 Liter pro Woche fahren dorthin. In der Nähe von Neapel produziert man dann aus deutscher Milch Mozzarella. „Die Italiener mögen die deutsche Milch, weil sie weniger fetthaltig ist“, erklärt Eckhard Harder. Die Milch in Italien sei knapp, weil es dort wenig Kühe und geeignetes Futter gibt. Dort gebe es pro Liter Milch etwa 6 bis 8 Cent mehr als in Deutschland. „Pro Liter Milch haben wir etwa zwei Cent Transportkosten“, sagt Eckhard Harder.

Eckhard Meiners erhält für seinen Liter Milch insgesamt rund 35 Cent, inklusive Qualitätszuschläge und Mehrwertsteuer. Der Kunde kauft die Milch dann im Laden für etwa 20 bis 30 Cent mehr.
Der Erlös für die Milch sei etwa derselbe wie im Vorjahr, Kosten für Futtermittel und Benzin aber gestiegen, sagt Eckhard Meiners. „Die Discounter senken die Preise, und die Molkereien geben es an die Landwirte weiter. Man könnte die Milch zu Hause behalten, um die Position der Molkereien zu stärken. Wenn die Verbraucher dann keine Milch mehr im Laden bekommen, haben die Lebensmittelketten ein Problem“.

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