Bürgermeister aus Broock und Lübz unterschreiben heute Fusionsvertrag

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17. September 2008, 08:23 Uhr

Broock/Lübz - Wenn sich Peter Fürchow heute Abend in sein Auto setzt und vom heimischen Hof in Broock ins benachbarte Lübz fährt, wird er die vergangenen 15 Jahre sicher noch einmal Revue passieren lassen. So lange war der gelernte Fahrzeugschlosser ehrenamtlich für seine Gemeinde aktiv, neun Jahre davon als Bürgermeister.

Auf den knapp sechs Kilometern von der 400-Seelen-Gemeinde in die Eldestadt werden sich die zurückliegenden Jahre noch einmal wie ein Film vor seinem geistigen Auge abspielen – Gemeindevertretersitzungen, Wahlen, Feste im Dorf, der Besuch des Innenministers vor wenigen Wochen.

Peter Fürchow ist kein Mann, der sich gern in den Vordergrund stellt. Doch heute Abend muss Broocks Bürgermeister noch einmal in die erste Reihe treten. Mit seiner Unterschrift besiegelt er den Beitritt der Ortschaften Wessentin und Broock zur Eldestadt Lübz. Doch ihre Eigenständigkeit verlieren die Broocker nicht erst mit dem Signum auf dem Fusionsvertrag. „Die hatten wir schon lange nicht mehr“, sagt Peter Fürchow.

Sparen, sparen, sparen – so macht Politik keinen Spaß
Nach der politischen Wende sei die Entscheidungsgewalt nur wenige Jahre in der Gemeinde geblieben. „Dann haben wir von oben nur noch gesagt bekommen, was wir zu machen haben“, sagt der 45-Jährige.

Schulden drücken die Gemeinde – rund 70 000 Euro an Ausständen. Ausgaben bei der Kinderbetreuung, zum Erhalt der öffentlichen Badestelle am Kritzower See und des Dorfgemeinschaftshauses stehen nur geringe Einnahmen aus Steuern ansässiger Gewerbetreibender gegenüber.

An einen ausgeglichenen Haushalt ist nicht mehr zu denken. Das Wort „Rücklagen“ scheint längst aus dem Sprachgebrauch der Broocker Gemeindevertreter gestrichen zu sein, so lange ringt Peter Fürchow bei seinen Ausführungen um die bedeutungsschwangeren drei Silben.

Die Stimmung unter den Kommunalpolitikern ist entsprechend gedrückt. „Wir haben uns des Öfteren gefragt, was wir hier überhaupt noch machen“, schildert Fürchow die Situation.

Der auferlegte Sparzwang vertrieb die große Lust am Entscheiden über das Wohl und Wehe in der Gemeinde. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren nichts mehr angeschafft. Für uns gab es nur noch sparen, sparen und nochmals sparen“, sagt Fürchow.

Ergebnisse dieses Kurses: 2005 gibt die Gemeinde die Kindertagesstätte mit eigener Küche an die Volkssolidarität als Träger ab, die Stelle des Gemeindearbeiters fällt dem Rotstift zum Opfer und die Grundsteuer in der Gemeinde werden auf den Landesdurchschnitt angehoben.

Doch das Loch im Gemeindesäckel ist auch so nicht zu stopfen. „Irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem wir nicht mehr alles an den Bürger weitergeben können“, sagt Fürchow.

Vernünftiger Abschluss zum Wohle beider Seiten
Es wurde Zeit, die Empfehlung der Kommunalaufsicht ernst zu nehmen. Sie legte den Broockern nahe, sich nach einem geeigneten Fusionspartner umzusehen. Nach eineinhalb Jahren intensiver Gespräche und Verhandlungen mit Vertretern aus Lübz werden heute Nägel mit Köpfen gemacht.

Symbolträchtig: Im Trauzimmer der Stadt werden die Unterschriften auf die Fusionserklärungen der Nachbarorte gesetzt. „Es ist ein vernünftiger Abschluss und zum Wohle Broocks, allein deshalb machen wir diesen Schritt. Es war unsere Entscheidung, wohin wir gehen. Wir haben sie lieber getroffen, als das es jemand anderes für uns macht“, erklärt der scheidende Bürgermeister.

Zum 1. Januar 2009 wird die Eldestadt um fast 400 Einwohner wachsen, die kleine Gemeinde Broock von einem drückenden Schuldenberg befreit. Möglich macht dies eine Förderung des Landes.

Innenminister Lorenz Caffier übergab den Bescheid von 227 000 Euro persönlich bei Peter Fürchow und schob somit Broocker Zukunftsvisionen an. „Jetzt können wir unseren Eigenanteil am Flurneuordnungsverfahren in Wessentin zahlen“, sagt Peter Fürchow.

Damit ist der Weg zur dringend notwendigen Sanierung der Straßen frei. Dank der Finanzspritze kann auch das Dach des Dorfgemeinschaftshauses überholt werden.

Neue Schilder am Ortseingang der Gemeinde werden die Ehe zwischen Broock und Lübz, die in den kommenden Wochen noch von der Kommunalaufsicht und dem Amtsausschuss genehmigt werden muss, auch nach außen signalisieren. „Die werde ich aber bestimmt nicht mehr anbauen, denn dann bin ich kein Bürgermeister mehr“, sagt Fürchow. Er will vorerst eine Auszeit von der Kommunalpolitik nehmen.

Vertreten werden soll die Gemeinde aber auch künftig, dann in der Lübzer Stadtvertretung. „Natürlich werden sich Broocker zur Wahl stellen, aber ich werde nicht dabei sein“, sagt Fürchow. „Vielleicht können wir ja in drei oder vier Jahren ja nochmal darüber reden“, lässt er eine Rückkehr auf die politische Bühne offen.

Badestelle und Feuerwehr bleiben erhaltenAußer dem Namen im Ortsschild wird sich für die Einwohner Broocks künftig nicht viel ändern. Badestelle, Dorfgemeinschaftshaus und die Feuerwehr als eigenständige Löschgruppe bleiben erhalten.

Selbst Dopplungen bei drei Straßennamen – Plauer Chaussee, Hinter der Wohrte, Eldestraße existieren in Lübz und Broock – werden nicht abgeschafft. „Für eine eindeutige Unterscheidung bleibt schließlich der Name Broock im Ortsnamen erhalten“, sagt die Lübzer Bürgermeisterin Gudrun Stein.

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