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Bützow : Bürgerarbeit macht viel Arbeit

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Die Fensterrahmen sind 20 Millimeter breit - Kathrin Moldt steht in der Werkstatt der Bützower Miniaturstadt vor dem Nachbau des ehemaligen Kinderinternats in der Schloßstraße und kontrolliert die Umsetzung ihrer Pläne.

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erstellt am 27.Dez.2011 | 09:42 Uhr

Die Fensterrahmen sind 20 Millimeter breit - Kathrin Moldt steht in der Werkstatt der Bützower Miniaturstadt vor dem Nachbau des ehemaligen Kinderinternats in der Schloßstraße 10 und kontrolliert die Umsetzung ihrer Zeichenpläne. Die 44-Jährige ist dort über das Arbeitsmarktmodell "Bürgerarbeit" als Bauzeichnerin tätig. "Es ist schön, dass ich als gelernte Bauzeichnerin auch wieder in diesem Beruf arbeiten kann", sagt die Bützowerin, die den "Job" seit 1. Juni ausübt.

Damit ist sie eine von 975 Frauen und Männe, die einen der 1278 möglichen Plätze des Arbeitsmarktprogrammes "Bürgerarbeit" erhalten haben. Für den Landtagsabgeordneten Torsten Renz ist das ein enormer Erfolg. "Im März gab es noch 163 Bürgerarbeitsplätze, im Dezember sind es nun 1278 - das ist eine sehr erfreuliche Tendenz", sagt Renz zu den Zahlen für ganz Mecklenburg-Vorpommern. Durch das Programm werden Arbeitslosengeld-II-Empfänger in den zweiten Arbeitsmarkt vermittelt. Durch ihre Tätigkeit in Gemeinden, Kirchen, Sportvereinen oder im Tourismusbereich sollen sie später wieder attraktive Kräfte für Betriebe und Firmen auf dem ersten Arbeitsmarkt darstellen.

Renz ist wichtig, dass die Gemeinden, Städte und neuen Landkreise das Modell der Bürgerarbeit wahrnehmen. Ein Grund: Die Mittel stammen zu einem Teil vom Bund und dem Europäischen Sozialfonds, zum anderen Teil von Trägern wie der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQG) oder Gemeinden. Die Träger übernehmen die Kosten für Haftpflicht- und Unfallversicherung, der Bund trägt die sozialversicherungspflichtigen Leistungen wie z.B. die Krankenkassenversicherung.

Birgit Czarschka, Geschäftsführerin der BQG, blickt nur bedingt optimistisch in die Zukunft. "Für unser Gebiet stehen 38 Plätze zur Verfügung, die Mitte 2012 alle besetzt sein werden", sagt sie. Derzeit seien 17 Stellen vergeben. Weiterhin positiv: 2012 werden die Mittel vom Bund von 16 auf 45 Prozent aufgestockt, die Gemeinden entlastet. Der Wermutstropfen: Die Antragsfrist für Bürgerarbeitsplätze endet am 31. Dezember 2011. "Wer bis dahin nicht die entsprechenden Dokumente eingereicht hat, dem werden auch keine Stellen mehr bewilligt", erläutert Birgit Czarschka. Sie aber auch Kathrin Moldt bemängeln das langwierige Vermittlungsverfahren. "Im Jobcenter muss erst einmal ausgelotet werden, wer von den Hartz-IV-Empfängern für die Bürgerarbeit geeignet ist und in eine halbjährige Aktivierungsphase kommt", erläutert Birgit Czarschka. Sie steht in engem Kontakt mit dem Jobcenter, weiß genau, wer zu ihren Projekten passt und in diese spezielle Phase vermittelt werden könnte. "Erst wenn die entsprechende Person in der Aktivierungsphase drin ist, beantragen wir die Gelder, sodass die Mittel zu Beginn der Bürgerarbeit da sind", erläutert Birgit Czarschka. Doch die geeigneten Kräfte sind gar nicht so leicht zu finden. Der Grund: Die passenden Leute gelangen wieder in Arbeit oder es stehen für eine entsprechende Stelle gar keine geeigneten Menschen zur Verfügung. Auch durch die Altersberschränkung - Menschen, die in Bürgerarbeit gelangen sollen, dürfen nicht älter als 47 Jahre sein - stellt ein Hindernis dar.

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