Das Erfolgsgeheimnis des Schweriner Kripo-Chefs : Bürger mit ins Boot geholt

Bei den Ermittlungen immer vorne dabei:    Bernd Knitter (r.) leitete fünfeinhalb Jahre   die Kripo in Schwerin und brachte die Aufklärungsquote weit nach oben. Archiv
Bei den Ermittlungen immer vorne dabei: Bernd Knitter (r.) leitete fünfeinhalb Jahre die Kripo in Schwerin und brachte die Aufklärungsquote weit nach oben. Archiv

Fünfeinhalb Jahre lange hat Bernd Knitter das Schweriner Kriminalkommissariat geleitet. In dieser Zeit ist die Aufklärungsquote von knapp 50 Prozent auf 67 Prozent gestiegen.

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27. Februar 2011, 07:59 Uhr

Schwerin | Fünfeinhalb Jahre lange hat Bernd Knitter das Schweriner Kriminalkommissariat geleitet. In dieser Zeit ist die Aufklärungsquote von knapp 50 Prozent - ein wenig unter Landesdurchschnitt - auf 67 Prozent gestiegen. Schwerin liegt damit jetzt auf Platz eins im Land. Bernd Knitters Erfolgsrezept: Er hat den Bürger offensiv mit ins Boot geholt und zahlreiche Präventionsprojekte ins Leben gerufen. Zum 1. März übernimmt Knitter die Leitung des Dezernates 1 im Polizeipräsidium Rostock. Die Landeshauptstadt verlässt der Ur-Schweriner, Judo-Europameister, Gartenfreund und leidenschaftliche Ermittler mit mindestens einem weinenden Auge: "Ich hoffe, die gute Zusammenarbeit mit dem Bürger bleibt als meine Botschaft hier erhalten."

Regelmäßig kam Knitter auch in der Schweriner Volkszeitung zu Wort, denn das SVZ-Polizeigespräch gehörte zu seiner Idee von Öffentlichkeitsarbeit. Viele Hinweise seien nach den Berichten eingegangen, vermisste Personen wurden ebenso wiedergefunden wie gestohlene Autos, Mopeds, Boote oder wertvolle Gegenstände. "Wir haben durch unsere Informationspolitik die Schweriner sensibler gemacht, ihnen beigebracht, genauer hinzuschauen", sagt der langjährige Kripo-Chef. Einer seiner größten Erfolge: Navi-Geräte werden in Schwerin heute so gut wie überhaupt nicht mehr gestohlen. Dabei wurde die Landeshauptstadt anno 2008 von einer Diebstahlserie geradezu überrollt. Neben der intensiven Fahndung nach den Tätern gab es auch konkrete Arbeitsanweisungen an potenzielle Opfer: Navi-Geräte am Abend komplett aus dem Auto nehmen, lautete die Devise. Anwohner wurden aufgefordert, nachts besonders gut auf ungewöhnliche Straßengeräusche zu achten. "Das ist bei den Leuten wirklich angekommen", sagt Knitter. Viele couragierte Schweriner seien in dieser Zeit ausgezeichnet worden, die zur Aufklärung von Straftaten beigetragen haben.

"In erster Linie sind wir natürlich Ermittler, aber bei einer Raubserie im Mueßer Holz kamen wir zur Fragestellung nach dem Umkehrschluss, nämlich: Können wir gewisse Straftaten nicht auch verhindern?" Wie frau ihre Handtasche am besten trägt, um Straßenräuber abzuschrecken, war in den Folgejahren ebenso Thema wie die Warnungen vor Taschendieben beim Weihnachtsmarkt oder in der Tourismus-Saison. Aufklärungs-Aktionen gab es zu den Themen Internet-Kriminalität, Enkeltrick und Graffiti. Sprühen ist kein Bagatelldelikt und kann die Ertappten teuer zu stehen kommen, lautet die Botschaft der Aufklärungskampagnen.

Für die nächsten Jahre hätte Bernd Knitter noch einiges vorgehabt in Schwerin: "Die Häufigkeits- und Intensivtäter hätte ich noch stärker ins Auge gefasst und die Einsatzgruppe Straße wieder ins Leben gerufen, also Beamte, die nachts in Zivil die Kriminalitätsschwerpunkte der Stadt unter die Lupe nehmen." Knitters Dank geht nicht nur an die Schweriner selbst, sondern auch an die Staatsanwaltschaft für deren Vertrauen in die Kripo-Konzepte. "Ich hoffe, dass dieses Verhältnis belebend fortgeführt wird."


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