Bürger kritisieren teure Jacken

Unternehmer Helmuth Habel hätte günstigere Jacken geliefert. Koepke
Unternehmer Helmuth Habel hätte günstigere Jacken geliefert. Koepke

von
16. April 2010, 08:08 Uhr

Schwerin | Dass die Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes ihre Knöllchen in rund 240 Euro teuren Jacken eines namhaf ten Herstellers von Outdoor-Bekleidung verteilen (wir berichteten), sorgt in der Stadt weiter für Wirbel. Schweriner Unternehmer wie der Chef der "Stickkompanie" aus der Schelfstadt, Helmuth Habel, können nur mit dem Kopf schütteln: "Bei uns hätte die Oberbürgermeisterin eine hochwertige Funktionsjacke mit dem Schriftzug des Ordnungsamts für den halben Preis bekommen können", sagt Habel.

Rund 7100 Euro hat die Stadt für die Anschaffung von 30 Jacken der Marke Jack Wolfskin ausgegeben. Für Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) gut angelegtes Geld: "Wir haben eine Jacke gesucht, die Regen und Wind abweisend und das ganze Jahr tragbar ist." Die Wolfskin-Jack e erfülle alle An forde rungen. Und Gramkow hatte noch weitere Argumente ins Feld geführt: Fünf Jahre hätten die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes ihre alten Jacken ge tragen, jewei ls eine für den Winter, für die Übergangszeit und für den Sommer. Zusätzlich habe es noch eine Weste ge geben. "Die alten Jacken waren sehr schwer und nicht so funktionell", so die Verwal tungschefin, die ihre Ver ant wor tung für die Gesundheit der Ord nungs dienstmitarbeiter betonte. Die neuen Jacke n mit herausknöpf barem Futter könnten bei allen Witte rungs bedin gungen genutzt werden, au ßer dem sei der Zeitpunkt für einen Wechsel der Beklei dung sinnvoll gewesen, sagte Gramkow. "Da der bisherige ,Kommunale Ordnungs- und Sicherheitsdienst in ,Ordnungsdienst umbenannt wurde, hätte der alte Schriftzug an den Jacken ,KOSD so wieso geändert werden müs sen . " 7100 Euro für 30 Jacken, das sei ein "güns tiges An gebot" gewesen, so die Oberbürgermeisterin.

Das allerdings sehen viele Leser, die auf unsere Berichterstattung reagiert haben, durchaus anders. "Da kann man ja nur hoffen, dass nicht auch noch die Autos des Ordnungsdienstes in Neu wagen umgetauscht werden müssen", steht es in einem Kommentar auf un serer Internet-Seite. Andere Leser beklagen ausdrücklich einen leichtfertigen Umgang mit Steu ergel dern. "Wenn die Haushalts lage so an gesp annt ist, hätte man auch Jacken für 30 oder 50 Euro kaufen können", heißt es.

Es gibt jedoch auch andere Wort meldungen: Sie könne den Unmut über die neue Bekleidung des städtischen Ordnungsdienstes nicht verstehen, schreibt zum Beispiel eine Leserin, die anonym bleiben möchte, in einer Mail an unsere Redaktion. Die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes, die den ganzen Tag bei Wind und Wetter außer Haus ihren Dienst tun müssten, hätten schließlich einen Anspruch auf eine zweckmäßige Bekleidung. "Verschwendung von Steuer geldern findet an ganz anderen Orten und in ganz anderen Größenordnungen statt", so die Le serin. Qualität bei Funktionsbekleidung koste eben ihren Preis, heißt es in einem Internet-Kommentar. Dafür hielten die Produkte aber meist auch länger, billige Jacken würden unter Umständen nach kurzer Zeit undicht.

Einen ganz anderen Aspekt bringt un ser Leser Armin Draeger ins Spiel. "Das Markensymbol auf den Jacken ist sehr dominant." Er finde es nicht glücklich, dass Mitarbeiter der Stadt für ein Produk t gleichsam Reklame liefen, so Draeger.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen