Bühnen-Raum für Bankenkrise

Die Krise als Chance: Noch bis November kann das Mecklenburgische Staatstheater seine eigentliche Bühne wegen Umbau arbeiten nicht nutzen. Das Team macht das Beste daraus und weicht auf eine absolut ungewöhnliche und hoch aktuelle Spielstätte aus - die Ruine der ehemaligen Staatsbank der DDR. Auch darüber hinaus warten in der neuen Spielzeit des Staatstheaters viele Bühnen-Leckerbissen.

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08. Mai 2009, 08:14 Uhr

Schwerin | "Herr Generaldirektor Kümmritz…" Natürlich ist Joachim Kümmritz das nicht - sondern Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters. 33 Premieren werden in der neuen Spielzeit in Schwerin über die Bühnen gehen. Der Umbau im Großen Haus werde das Angebot nicht schmälern, betonte Generalintendant Joachim Kümmritz: "Die Planung ist allerdings eine logistische Meisterleistung."

Der Ort für die Verkündung des neuen Spielplanes war deshalb mit Bedacht gewählt: Intendant Kümmritz, Schauspieldirektor Peter Dehler, Reuterbühne-Chef Rolf Petersen und das restliche Team hatten in die ehemalige Staatsbank der DDR in der Schweriner Friedrichstraße geladen. Dort, inmitten der von Zeit und Bauarbeiten verwüsteten Renommierarchitektur des Kapitals, wird das gesamte Schauspielensemble das "Lob des Kapitalismus" inszenieren. "Wir sind Profiteure der Bankenkrise", sagt Schauspieldirektor Dehler. Die Idee, in der verfallenden Bank zu spielen, sei mit dem Absturz der Weltwirtschaft enstanden, "und auch die Termine sind nicht zufällig gewählt". Denn: Premiere ist am 7. Oktober - dem 60. Geburtstag der verblichenen DDR. Und letztmals wird "Lob des Kapitalismus" am 9. November über die Bank-Bühne gehen - am Jahrestag des Mauerfalls. Thema der Inszenierung von Peter Dehler, Markus Wünsch und anderen: Geld, Geld, und Geld.

Das umgebaute Große Haus öffnet wieder am 7. November mit Yasmin Rezas "Gott des Gemetzels", am 9. November hat die Schweriner Version von Thomas Brussigs "Helden wie wir" Premiere - mit Markus Wünsch in der Hauptrolle. Weihnachtsmärchen wird in der kommenden Spielzeit "Frau Holle" sein. Außerdem hat sich Schauspieldirektor Peter Dehler einen Klassiker vorgenommen, den "Hamlet". Das sei sein persönlicher Höhepunkt der Saison, so Dehler: "Der bisher letzte Hamlet in Schwerin ist 20 Jahre her." Dem wolle er sich stellen, sagt der Schauspieldirektor, zumal er vor Kurzem im Londoner Globe Theatre gesehen habe, "wie viel Shakespeare uns heute noch zu sagen hat".

Die neue Spielstätte im ehemaligen Staatsbank-Gebäude verfehlte jedenfalls ihre Wirkung nicht. Die Bezeichnung als "Generaldirektor" bei der Pressekonferenz nahm Generalintendant Joachim Kümmritz mit Humor: "In einer Staatsbank als Generaldirektor - auch nicht schlecht."

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