Brücke oder Fähre: Elb-Exklave Amt Neuhaus sucht Anschluss

Autos und Fußgänger setzen mit der Elbfähre 'Tanja' von Neu Darchau nach Darchau (Landkreis Lauenburg) an der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern über. Die Fähre verbindet das rechtselbische Amt Neuhaus (Kreis Lüneburg) mit Niedersachsen. Seit 1993 gehört der Neuhauser Streifen wieder zum Kreis Lüneburg, der den Bürgern damals eine Brücke versprach. Während die 5300 Neuhauser das Bauwerk als Beweis ihrer Zugehörigkeit einfordern, lehnen Kritiker die Brücke als Symbolpolitik ab und setzen auf den Fährbetrieb. Foto: dpa
Autos und Fußgänger setzen mit der Elbfähre "Tanja" von Neu Darchau nach Darchau (Landkreis Lauenburg) an der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern über. Die Fähre verbindet das rechtselbische Amt Neuhaus (Kreis Lüneburg) mit Niedersachsen. Seit 1993 gehört der Neuhauser Streifen wieder zum Kreis Lüneburg, der den Bürgern damals eine Brücke versprach. Während die 5300 Neuhauser das Bauwerk als Beweis ihrer Zugehörigkeit einfordern, lehnen Kritiker die Brücke als Symbolpolitik ab und setzen auf den Fährbetrieb. Foto: dpa

von
21. Oktober 2008, 08:38 Uhr

Amt Neuhaus - Fünf Minuten braucht „Tanja“, um die Elbe zwischen Darchau und Neu Darchau zu queren. Die Fähre verbindet das früher zu Mecklenburg-Vorpommern gehörende rechtselbische Amt Neuhaus mit Niedersachsen. Seit 1993 gehört der Neuhauser Streifen wieder zum Kreis Lüneburg, der den Bürgern damals eine Brücke versprach.

Doch die steht nach 15 Jahren immer noch nicht. Während die 5300 Neuhauser das Bauwerk als Beweis ihrer Zugehörigkeit einfordern, lehnen Kritiker die Brücke als Symbolpolitik ab und setzen auf den Fährbetrieb. Eine Kosten-Nutzen-Analyse für das „Millionengrab ohne gerechtfertigten Bedarf“ fordert die Linke für das 40 Millionen Euro teure Projekt in einer Anfrage an die Landesregierung.

In der Antwort heißt es, dass angesichts der „historischen Dimension des Brückenprojekts“ auf eine solche Rechnung verzichtet wurde. Die Brücke sei ein wichtiger Baustein, „um das Zusammenwachsen der alten und neuen Länder zu vollenden und um die Menschen an der Elbe wieder näher zusammen zu bringen.“ Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gehörten die acht Gemeinden des Amtes Neuhaus zu Lüneburg, fielen dann aber an die sowjetische Besatzungszone und spätere DDR. Nach der Wiedervereinigung durfte es dann von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen zurückwechseln.

„Entweder sind wir Niedersachsen oder wir sind keine“, bringt die Neuhauserin Antje Fajta die Gefühle der Menschen am Ostufer der Elbe auf den Punkt. „Zu DDR-Zeiten sind wir eingeschlossen worden, nun sind wir nach 21.00 Uhr ausgeschlossen.“ Denn dann stellt die sonst kontinuierlich pendelnde „Tanja“ ihren Verkehr bis 5.30 Uhr an Werktagen und 9.00 Uhr an Sonntagen ein.

Außerdem sei die Brücke für den Tourismus und die wirtschaftliche Entwicklung der Region wichtig, sagt Fajta, die ein Restaurant betreibt. Das Fährgeld sähen die Neuhauser als Eintrittspreis nach Niedersachsen. Der Umweg über die nächsten Elbbrücken in Lauenburg und Dömitz kann bis zu 20 Minuten dauern.

In Neu Darchau (Kreis Lüchow-Dannenberg) am Westufer hält sich das Interesse an einer Brücke dagegen in Grenzen. Der Gemeinde gehört der wirtschaftlich gesunde Fährbetrieb. „Die Brücke rechnet sich hinten und vorne nicht“, kritisiert der Betriebsleiter der „Tanja“, Bernd Karstens.

Er sorgt dafür, dass elf Fährleute im Dreischichtbetrieb täglich 1100 Menschen und 500 Fahrzeuge übersetzen. „Das könnten noch mal so viele sein“, stellt Karstens klar. Komme die Brücke, werde der Betrieb aber abgewickelt.

„Wir lassen das auf uns zukommen, ändern können wir das sowieso nicht“, sagt Fährmann Detlef Stoppel. Große Sorgen muss sich seine Zunft derzeit nicht machen. „Die Betriebe haben es versäumt, auszubilden“, erklärt er. Die Nachfrage nach Binnenschiffern sei groß. „Freuen tun wir uns aber garantiert nicht über eine Brücke.“ Auch der Bund der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen empfiehlt einen Ausbau des Fährverkehrs statt des Brückenbaus.

Eigentlich hatte der Kreis Lüneburg die Brücke mit Segen des Landes bereits fertig durchgeplant. Anfang Juni 2007 kippte aber das Oberverwaltungsgericht Lüneburg die Planfeststellung, weil Lüneburg rechtswidrig für das Kreisgebiet Lüchow-Dannenbergs mitgeplant hatte. Geklagt hatten der Kreis sowie Neu Darchauer, weil die Zufahrt zur Brücke mitten durch den Ort gehen sollte.

Inzwischen haben sich die Kreise zusammengerauft und erwägen eine gemeinsame Planung. Dabei soll eine Umgehungsstraße den Verkehr um Neu Darchau herumführen. Angesichts dieser Entwicklung lässt auch der Widerstand in Neu Darchau nach, wo viele Bürger Verkehrslärm fürchten. Jüngst lehnte der Gemeinderat mit sechs zu vier Stimmen einen Antrag ab, der forderte, alle Überlegungen und Planungen zu einer Brücke einzustellen.

Entscheiden werden aber die Kreistage - bis zum 20. Dezember muss ein Verwaltungsvertrag vorliegen, der den gemeinsamen Bau regelt. Dieses Ultimatum sowie die Finanzierung haben die Landräte mit Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) verabredet. Das Land zieht 30 Millionen Euro beim Bund und schießt selbst 1,3 Millionen zu. 8 Millionen kommen vom Kreis Lüneburg und 0,7 Millionen von Lüchow-Dannenberg.

Die Abstimmungen sind aber keine Selbstgänger. Fallstricke lauern vor allem bei der Umgehung: Unklar ist, wer den Unterhalt finanzieren soll. Die Grünen in Kreis- und Landtag sehen rot, weil die Trasse durch die Kernzone des Biosphärenreservats Elbtalaue verlaufen würde. dpa av yyni a3 hoe

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen