Traum vom neuen Kinderheim geplatzt : Brandstiftung noch immer ungesühnt

Ein Engel erinnert beim früheren Kinderheim an den ums Leben gekommenen Jungen. Pätzold
Ein Engel erinnert beim früheren Kinderheim an den ums Leben gekommenen Jungen. Pätzold

Obwohl Zeit ins Land gegangen ist, weckt die Nacht des 8. November 2008 bei vielen Parchimern noch immer schmerzliche Erinnerungen. Dramatische Szenen hatten sich seinerzeit in der Buchholzallee abgespielt.

von
07. November 2010, 07:31 Uhr

Parchim | Kurz vor zwei Uhr schlugen Flammen aus einer Stadtvilla, in der damals acht Mädchen und Jungen einer DRK-Wohngruppe ein vorübergehendes Zuhause gefunden hatten. Eine Erzieherin bemerkte das Feuer und rief Hilfe. Nach Eintreffen der Feuerwehr konnten die Bewohner über die Drehleiter ins Freie gelangen. Minuten später der Schock: Ein Zehnjähriger war offenbar unbemerkt zurück ins brennende Gebäude gelangt und wurde leblos in einem Schrank entdeckt. An einer lebensbedrohlichen Rauchgasvergiftung stirbt er wenige Tage später im Schweriner Klinikum.

Die Ermittler gehen nach gründlicher Untersuchung der Ruine von Brandstiftung aus und werden fündig: Ein auffälliger Plastekanister und eine Einkaufstüte soll zu den Tätern führen. Der Gebäudeversicherer setzt eine Belohnung von 5000 Euro aus und die ZDF-Sendung "XY-ungelöst" sucht bundesweit nach Zeugen des Brandanschlages.

Mit Unterstützung zurück in die Normalität

Doch bis heute sind die oder der Brandstifter auf freiem Fuß. "Die Ermittlungen wurden von der Schweriner Kriminalpolizei intensiv geführt und werden fortgesetzt", stellt Klaus Wiechmann, Sprecher der Schweriner Polizeidirektion klar. Aber es gibt nach wie vor keine heiße Spur. "Wir hoffen weiterhin auf neue Zeugen und gleichen den verheerenden Brandanschlag mit anderen Fällen ab. Mitunter ergeben sich erst nach Jahren Pa rallelen", so Wiechmann. Nicht auszuschließen sei auch, dass ein Täter mit seiner Schuld nicht länger leben kann und sich offenbart.

Der DRK-Kreisverband als Betreiber des Kinderheimes hatte einen Wiedereinzug ins aufwändig sanierte Haus von Anfang an verworfen und ein neues Zuhause für die Kinder und Jugendlichen "mitten im Leben der Stadt" gesucht. Das dafür ausgewählte Projekt eines privaten Investors, der in der Lindenstraße eine historische Häuserzeile sanieren will, ist noch immer eine verwaiste Baustelle.

"Wir sind der Wobau für die vernünftige Übergangslösung sehr dankbar. Im Frühjahr 2011 wird uns eine passende und bezahlbare Immobilie für die Jugendgruppe zur Verfügung stehen", gibt sich DRK-Geschäftsführer Steffen Kanert zuversichtlich. "Es ist frustrierend, dass der Täter noch frei herumläuft. Beeindruckt hat dagegen die große Unterstützung der Parchimer", so Kanert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen