Bomben bedrohen Schifffahrt

Das Wrack „Wk 21 (3)“ hat tödliche Ladung an Deck: Drei Wasserbomben aus dem Zweiten Weltkrieg können jederzeit explodieren, sagt Gutachter Stefan Nehring. Die Schiffe auf der Kadetrinne, einem der meistbefahrenen Seewege, fahren nur fünf Meter

höher. Der Experte fordert eine sofortige Sperrung.

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05. Juni 2008, 08:36 Uhr

Rostock - „Wenn hier z. B. mit einem Tanker etwas passiert, kann der Tourismus in Mecklenburg einpacken“, sagt Nehring. Die Gefahr sei groß, weil es in der schwierig zu befahrenden Kadetrinne in den vergangenen Jahren die meisten Unfälle gegeben habe. Doch die Bomben könnten auch jederzeit von alleine hochgehen, so Nehring. Das Gebiet muss gesperrt werden – so seine Forderung.

Das Wrack ist schon seit 2006 bekannt, wurde aber nicht als Gefahr für die Schifffahrt angesehen, bestätigen mehrere Behörden. „Es gab damals keine Hinweise auf Gefährdung und daran hat sich bis heute nichts verändert“, sagt Jörg Heinrich von der zuständigen Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord. Die Stelle war früher ein Unfallschwerpunkt, seit 2002 habe es aber keine Unfälle mehr gegeben. In dem Jahr änderte man die Sicherheitsmaßnahme: Die Tonnen, die die Schiffen den Weg weisen, liegen enger zusammen als früher.

Das Problem ist auch eine Kostenfrage: Nicht ganz klar ist, ob der Bund oder das Land Mecklenburg für die Räumung zahlen müsste. Das Innenministerium MV erklärt, dass der Bund die Kosten übernehmen muss, weil die Kadetrinne eine Bundeswasserstraße ist – dann könnte auch der Kampfmittelräumdienst MV Amtshilfe leisten. Mecklenburg-Vorpommern habe aber ein großes Eigeninteresse daran, dass gehandelt wird. Der Innenminister hält es für dringend geboten, dass unter Federführung des Bundes eine verbindliche Regelung für die Beräumung der Küstengebiete getroffen wird und hat den Bundesverkehrsminister Handeln aufgefordert.

Vom zuständigen Bundesverkehrsministerium war gestern keine Aussage zu bekommen.
Jörg Heinrich kennt die Probleme der Kostenfrage. „Wenn man erkennt, dass ein höheres Risiko vorliegt, dann kann man auch im Nachhinein klären, aus welchem Haushalt das Geld kommen soll. Wir haben bei früheren Fällen auch immer eine schnelle Lösung gefunden.“
In nächster Zeit sollen Taucher das Wrack nochmals untersuchen, ob und wie die Bomben beseitigt werden müssen.

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