Blutiger Schnee zeugt von Messerattacke auf zwei Passanten - Mutmaßlicher Täter kommt in Psychiatrie

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15. Februar 2010, 05:54 Uhr

Rostock (ddp-nrd). Blutspuren im Schnee zeugen einen Tag nach der tödlichen Messerattacke auf zwei Passanten in dem Rostocker Plattenbauviertel Groß Klein von dem brutalen Geschehen. Neben dem größten dunklen Fleck liegen erste Blumen, Reste des von der Polizei angebrachten Absperrbandes wehen im Wind. Den Menschen in der Nachbarschaft ist der Schrecken des Vortags noch ins Gesicht geschrieben. Am Sonntag hatte ein offenbar psychisch Kranker einen 67 Jahre alten Mann und eine ihm zur Hilfe geeilte 66-jährige Frau auf offener Straße erstochen. Anschließend attackierte er noch zwei Polizisten.

Maria S. arbeitet in der häuslichen Pflege und kommt regelmäßig an dem Haus vorbei, vor dem die Gewalttat passierte. „Das hätte auch ich sein können“, sagt sie und schaut dabei auf die Blutflecke der Opfer. Das Viertel sei ein sozialer Brennpunkt, sagt die Frau. „Hier wohnen viele Menschen, die psychische Probleme haben. Viele haben sich kaputt gearbeitet, andere kommen nicht damit zurecht, dass sie arbeitslos sind.“

Jürgen L. ging am Sonntag zum Tatzeitpunkt keine 300 Meter entfernt spazieren, bekam aber von dem Geschehen nichts mit. „Man weiß nicht, was in so einem Menschen vorgeht“, sagt er kopfschüttelnd. „Aber eine gewisse Aggressivität muss doch vorher schon da gewesen sein.“ Silke W., auch aus Groß Klein, denkt vor allem an die Opfer: „Ich finde es ganz furchtbar, dass schon wieder jemand sterben musste, weil er helfen wollte. Das ist das Allerschlimmste.“

Tom M. wohnt im gleichen Haus wie der mutmaßliche Täter und hatte offenbar einfach Glück, dass nicht er angegriffen wurde. Noch kurz vor der Tat hat er den Mann an der Haustür gesehen. „Er hatte das Messer in der Hand und machte einen bösartigen, grimmigen Eindruck.“ Tom M. dachte sich aber nichts weiter dabei und ging weg.

Wenig später bohrte der Täter wohl genau dieses Messer fünf Mal in den Körper des ersten Opfers, das noch am Tatort an einem Leberdurchstich starb. Auf die Frau stach der Mann mindestens zehnmal ein, sie starb während der Rettungsmaßnahmen eines Notarztes.

Das Rostocker Amtsgericht entschied am Montag auf Antrag der Rostocker Staatsanwaltschaft, dass der 50 Jahre alte Beschuldigte in eine geschlossene Abteilung einer forensisch-psychiatrischen Klinik eingewiesen wird. Ersten Ermittlungen zufolge ist der Mann seit seiner Jugend psychisch krank.

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