Blutige Angeltour: Hecht reißt Petrijünger die Hand auf

Ein kapitaler Bursche aus der Müritz: Knapp einen Meter maß der Hecht, an dessen scharfen Zähnen sich sein Fänger Tobias Könninger verletzte. Foto: privat
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Ein kapitaler Bursche aus der Müritz: Knapp einen Meter maß der Hecht, an dessen scharfen Zähnen sich sein Fänger Tobias Könninger verletzte. Foto: privat

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17. April 2008, 06:49 Uhr

Plau am See/Röbel - Diesen Angelurlaub werden Tobias Könninger (29) und Gianfranco Voto (28) ihr Leben lang nicht vergessen: Die beiden Petrijünger aus Oberstenfeld (Baden-Württemberg) kommen bereits zum dritten Mal an die Mecklenburgische Seenplatte, um hier kapitalen Raubfischen nachzustellen. „In der Müritz gibt es viele große Hechte – für uns ein Paradies“, sagt Voto. Seit seiner Kindheit geht er mit Könninger auf Beutezug. Mit dem Boot fahren sie auf den See und werfen ihre Köder aus.

Erste Bisse lassen nicht lange auf sich warten
Auch am Sonntag chartern sie in Röbel ein Boot und fahren raus auf die Müritz. Der Tag beginnt verheißungsvoll, die ersten Bisse lassen nicht lange auf sich warten. Als Profis legen es die beiden Angler nicht darauf an, möglichst viele Fische zu fangen. Sie haben es auf die Kapitalen abgesehen, die sie aber nicht töten, sondern nach dem Fang zurücksetzen. Doch dieses Vorgehen wird Tobias Könninger an diesem Tag zum Verhängnis: Die Uhr zeigt halb zwölf, als der 29-Jährige einen kräftigen Ruck in seiner Rute spürt. Ein dicker Brocken ist auf seinen Wobbler reingefallen, hat sich den Kunstköder geschnappt. Zehn Minuten drillt der Angler seinen kapitalen Fang aus, ehe er den müden Fisch mit einem beherzten Griff unter die Kiemendeckel ins Boot hievt.

Jetzt soll alles ganz schnell gehen. Gianfranco Voto greift zum Fotoapparat und macht ein paar Erinnerungsfotos, ehe der knapp einen Meter lange und 14 Pfund schwere Hecht zurück ins Wasser soll. „Der Haken war schon raus und ich wollte ihn gerade in den Fischkasten setzen“, erzählt Könninger.

Scharfe Zähne reißen Hand des Anglers auf
Dann passiert es: Kurz vor dem Wasser schüttelt sich der Räuber energisch und reißt mit einem seiner scharfen Zähne die Hand des Anglers auf. „Ich hatte unglaubliche Schmerzen“, beschreibt er die Situation. Sofort läuft Blut in das Boot. Verbandszeug, um die klaffende Wunde zu stillen, haben die Angler nicht an Bord. Bis zum Ufer sind es rund eineinhalb Stunden Fahrt. Die Zeit wird für die beiden elendig lang. Könninger geht es zusehends schlechter, sein Gesicht verblasst, der Kreislauf fährt runter.

Könninger liegt im Boot, sein Spannemann lässt den schwachen Motor auf vollen Touren laufen. „Ich habe heute noch eine Blase vom Gas geben“, sagt Voto und zeigt seine Handfläche. Schmerzen spürt er nicht. Seine Gedanken drehen sich um seinen Freund. „Du siehst schon besser aus. Die Wunde blutet nicht mehr“, spricht er beruhigend auf den Verletzten ein, versucht ihn mit einem Gespräch wach zu halten. Könninger ist zwar leicht benommen, merkt aber wohl, dass er weiter Blut verliert. „Ich habe gesehen, wie es runter lief.“

Nach eineinhalb Stunden erreichen die Angler den Bootsverleih von Manfred Stolschewski. „Sie hatten vorher per Handy angerufen und mich informiert. Ich habe zwar schon viel mit Anglern erlebt, aber sowas...“, sagt der Röbeler.

Plauer Oberarzt näht Sehne am Knochen fest
Im Warener Krankenhaus diagnostizieren die Ärzte die Schwere der Verletzung und überweisen den Angler in die Klinik Plau am See. Hier operiert Oberarzt Dr. Joachim Buschmann rund eine Stunde am Mittelfinger des jungen Mannes. „Er hatte eine Schnittwunde über dem beugeseitigen Endgelenk. Die Sehne war vollständig durchtrennt“, erklärt der Handchirurg. Mit einem Draht näht er die Sehne samt Gefühlsnerv am Knochen fest.

Große Schmerzen hat Tobias Könninger heute nicht mehr, dafür aber seine Lehren gezogen: „Ich werde in Zukunft nur noch den Kescher benutzen.“ Der Hecht schwimmt inzwischen wieder in der Müritz. „Ein wahrer Killer“, scherzt „Franco“ Voto. Doch er warnt: „Ein Hecht ist immer noch ein wildes Tier. Angler sollten deshalb vorsichtig und nicht leichtsinnig sein.“

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