Blutbad vor Königin Beatrix erschüttert Niederlande

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01. Mai 2009, 01:03 Uhr

Schockiert und traurig haben zehntausende Niederländer auf einen versuchten Anschlag gegen ihre Königin Beatrix reagiert. Bei der Bluttat eines Amokfahrers wurden fünf Zuschauer eines Festumzugs zum Königinnentag und der Attentäter selbst getötet. Am Freitag legten unzählige Menschen am Ort des dramatischen Geschehens in der Stadt Apeldoorn, das TV-Kameras am Donnerstag weltweit live übertragen hatten, Blumen und Zettel mit Trauerbekundungen nieder. Hunderte besuchten schon am Morgen für stille Andachten die Große Kirche von Apeldoorn. Vielerorts wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt.

Überall im Land läuteten am Freitag um 12.00 Uhr Kirchenglocken. Fast genau 24 Stunden zuvor hatte der 38-jährige Karst T. am Königinnentag - dem Nationalfeiertag der Niederlande - mit seinem schwarzen Kleinwagen Suzuki Swift Absperrungen vor dem Umzug der Königin durchbrochen und war mit Vollgas durch eine Menschenmenge auf den offenen Festbus der Monarchin und ihrer Familie zugerast.

Das Auto schleuderte 17 Menschen zu Boden, riss mehrere meterweit mit. Zwei Frauen und drei Männer wurden getötet. Zwölf Menschen erlitten teils schwere Verletzungen - unter ihnen Kinder und Mitglieder einer Kapelle. Der schwer verletzte Attentäter starb nach einer Notoperation um 02.58 Uhr am Freitagmorgen. Den Königinnen-Bus hatte er nur um Meter verfehlt, ehe er auf ein Denkmal prallte. Der Mann musste aus seinem zertrümmerten Auto herausgeschweißt werden.

Obwohl die Polizei einen Terroranschlag rasch ausschließen konnte, beherrschte am Freitag eine Frage die Kommentare: Was wäre geschehen, wenn der Amokfahrer Sprengstoff im Auto gehabt hätte und wie konnte es passieren, dass er Sicherheitsabsperrungen durchbrach? Antworten darauf sowie die Aufklärung der Motive von Karst T. soll eine umfangreiche Untersuchung bringen, für die 250 Polizisten abgestellt wurden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sagte Karst T., kurz bevor er ohnmächtig wurde, vor Polizisten, er habe die königliche Familie treffen wollen. In Medienberichten hieß es, der Attentäter sei ein verzweifelter Arbeitsloser.

Zu den unmittelbaren Beobachtern des blutigen Geschehens gehörten Kronprinz Willem-Alexander (42) und seine Frau Máxima (37). Sie standen direkt hinter der Königin und hielten sich die Hände vor den Mund, blankes Entsetzen in den Augen. Wie es schien, sah die 71- jährige Königin den Aufprall des Autos nicht, hörte ihn aber und drehte sich um, als ihr Bus weiterfuhr.

Königin Beatrix wandte sich später erkennbar aufgewühlt in einer Fernsehansprache an die Nation. „Was als ein wunderschöner Tag begann, endete in einem fürchterlichen Drama, das uns zutiefst geschockt hat“, sagte sie. Ihr ganzes Mitgefühl gelte den Opfern und den Hinterbliebenen. Zugleich sagte sie alle offiziellen Feiern zum Königinnentag ab. Auch Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende äußerte Bestürzung. Diplomatische Empfänge niederländischer Botschaften zum Nationalfeiertag wurden abgesagt - darunter in Washington, wo etwa 1000 Gäste geladen waren.

Nach der Amokfahrt versuchten Zuschauer und Rettungsdienste, Schwerverletzte zu reanimieren. „Das ist ein Blutbad, furchtbar“, sagte ein Frau unter Tränen vor laufenden Fernsehkameras. „Anschlag, das kann doch nur ein Anschlag sein“, fügte ein Mann hinzu. Niederländische Medien erwähnten ausdrücklich die weiße Hautfarbe des mutmaßlichen Attentäters. Damit sollte offenkundig deutlich gemacht werden, dass es sich nicht um die Tat eines Mannes aus der islamistischen Szene handelte. Im Jahr 2004 hatte ein muslimischer Attentäter in Amsterdam den islam-kritischen Regisseur Theo van Gogh erschossen. Daraufhin war es zu gewalttätigen Übergriffen auf Moscheen und gegen Muslime gekommen.

Der Königinnentag wird normalerweise auf unzähligen Partys von Millionen von Menschen ausgelassen gefeiert. In diesem Jahr gab es noch einen besonderen Grund dafür - Beatrix„ Mutter, die 2004 gestorbene Ex-Königin Juliana, die als “Mutter der Nation„ verehrt wurde, wäre am Donnerstag 100 Jahre alt geworden. Viele Niederländer hatten mit Spannung die Rede der Königin erwartet, die dann ausfiel. Sie hatten sich einen Hinweis darauf versprochen, für wann Beatrix die seit langem erwartete Abdankung zugunsten ihres Sohnes Willem- Alexander plant.

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