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Zweiter „Stralsund“-Fall: MV bekommt eine neue Hauptsendezeit-Krimireihe : Blühende Krimi-Landschaften

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Vermisst noch jemand Herrn Hinrichs? Der von Kabarettist Uwe Steimle gespielte Schweriner "Polizeiruf 110"-Ermittler ist längst Geschichte - aber in MV sind mehr Fernsehpolizisten unterwegs als je zuvor.

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erstellt am 07.Jan.2011 | 10:45 Uhr

Schwerin/Stralsund/Rostock | Vermisst noch jemand Herrn Hinrichs? Der von Kabarettist Uwe Steimle immer leicht angeschrägt gespielte Schweriner "Polizeiruf 110"-Ermittler ist längst Geschichte - aber in Meck-Pomm sind mehr Fernsehpolizisten unterwegs als je zuvor. Nach Wismar, wo am Vorabend der regionale Ableger der legendären "Soko 5113" ermittelt, und Rostock, wo das neue "Polizeiruf"-Team Alexander Bukow/Katrin König allmählich heimisch wird, kann sich jetzt noch die Welterbe-Stadt Stralsund unter die Hauptsendezeit-Krimischauplätze einreihen: Nach dem ersten Fernsehfilm "Stralsund - Mörderische Verfolgung" im März 2009 sendet das ZDF jetzt eine neue Episode um die von Katharina Wackernagel gespielte Kommissarin Nina Petersen. 2009 stand noch nicht fest, ob es überhaupt eine ganze Reihe geben wird. Die Quote hat entschieden: Es gibt sie. Schon wird an einem dritten "Stralsund"-Film gearbeitet. Am Montag (10. Januar) ist im ZDF zunächst der zweite Film zu sehen: "Stralsund - Außer Kontrolle", Regie führte wie schon beim ersten Mal Martin Eigler, mit Sven Poser zusammen schrieb er auch das Buch.

Vergnügt hatte sich Katharina Wackernagel in der nun schon vertrauten Umgebung umgesehen: "Eine wirklich schöne Stadt mit ihren alten Straßen. Das gibt ganz tolle Motive. Und die Leute sind sehr nett. Sie freuen sich darüber, dass hier in ihrer Stadt gedreht wird." In dem Film geht es allerdings nicht idyllisch zu: Ein Geldtransport wird überfallen, der Fahrer erschossen. Hinten im Wagen sitzt eine weitere Wächterin. Die Gangster können zu ihr nicht hinein, aber sie auch nicht hinaus. Die große Jagd beginnt, mit viel Aktion und Schießerei. Aber das eigentlich Spannende beginnt mehr in der zweiten Hälfte, wenn Kommissarin Nina Petersen in der Vernehmung der verzwickten Psyche eines der beiden Gangster auf den Grund kommen will. Ist das nur ein erbärmlicher kleiner Loser oder ein ganz ausgekochter Hund?

Dieser psychologische Spürsinn gefällt Katharina Wackernagel an ihrer Figur, die sie nun schon ein bisschen besser versteht: "Eine sehr klare Frau. Sie moralisiert nicht, aber sie weiß sehr genau, was falsch und was richtig ist." Und sie steht sehr kollegial zu den anderen im Team. Das ist allerdings auch nötig. Denn mit Gregor Meyer, gespielt von Michael Rotschopf, haben sie einen ebenso anspruchsvollen wie schwierigen Chef, der an seine Untergebenen Bisse und Hiebe auszuteilen versteht. Das ist dann die zweite Ebene der Geschichte: die kleinen Kämpfe der Kollegen untereinander, zu denen Alexander Held als Miesepeter Karl Hidde und Wotan Wilke Möhring als Ninas abgelegter Lover gehören. Und etwas Privatleben, anders als im ersten Film, darf die junge Frau auch haben. Zum Beispiel einen von leiser Demenz gezeichneten Vater (Dietmar Mues), der sich mit fragwürdigem Resultat in die Arbeit der Polizei einzumischen versucht.

"Ich würde auf jeden Fall weitermachen, wenn das Konzept genau so bleibt", hatte Katharina Wackernagel vor zwei Jahren betont. Dass die Rolle der Kommissarin Petersen jetzt einen familären Hintergrund, ein Privatleben bekommt, sieht die Schauspeilerin eher als Gewinn. Wackernagel: "Im Umgang mit ihrem Vater zeigt Nina Züge, die mir sympathisch sind und mich berühren." Die werden sich im dritten Teil noch vertiefen, und dort erfährt man noch mehr über diese junge Frau mit ihrer guten Chance, in die erste Riege deutscher TV- Kommissarinnen aufzurücken: "Es war mein Wunsch gewesen, als die Fortsetzung der Reihe feststand: die Frau auf klareren Boden zu stellen, damit ich noch besser ihre Motivationen begreife." Ein kleines Geheimnis darf natürlich weiterhin um sie sein.

Geheimnisvoll wirkten in ihren beiden ersten Folgen auch die neuen "Polizeiruf 110"-Ermittler Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (der gebürtige Neustrelitzer Charly Hübner), die in diesem Jahr zweimal in Rostock auf die Pirsch gehen werden. Schon in der Folge "Feindbild" werden die Zuschauer auch mehr über die Figuren erfahren - insbesondere über die dunkle - fast kriminelle - Vergangenheit der Kommissars Bukow, der in einen Konflikt zwischen persönlichen und beruflichen Verpflichtungen gerät. In dem wie der Auftakt "Einer von uns" wieder von Eoin Moore geschriebenen Fall versucht der verzweifelte Vater Lutz Brückmann seit Jahren vergeblich, einen mächtigen Rostocker Pharmakonzern für den Tod seiner Tochter zur Rechenschaft zu ziehen. Als er plötzlich handfeste Beweise für die Schuld des Konzerns zugespielt bekommt, geraten er und seine Ex-Frau in Lebensgefahr.

MV ist also zur Hauptsendezeit im ZDF und im Ersten präsent. Und eine weitere Parallele zwischen dem "Polizeiruf" und der neuen Reihe gibt es: Auch in "Stralsund - Außer Kontrolle" haben die Polizisten um Kommissarin Petersen herum ihre kleinen, dunklen Geheimnisse. "Wir versuchen, das Genre des Polizeithrillers zu nutzen, um Schlaglichter auf die Gesellschaft zu werfen. Eine Gesellschaft, in der dem Nehmen mehr Wert beigemessen wird als dem Geben", sagt Regisseur Martin Eigler. Drehbuchautor Sven S. Poser sieht das idyllische Stralsund dabei als allgemeingültige Folie: "Verbrechen wie die, die wir beschreiben, finden überall statt, nicht nur in den Metropolen. Und sie treffen überall auf ein ähnliches Lebensgefühl, nämlich dass die Welt unübersichtlicher geworden ist."

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