Bloß nicht frech werden

Mit ihrem Ausbilder verscherzen es sich Azubis besser nicht - wer nicht auf ihn hört, handelt sich in der Probezeit schnell die Kündigung ein. dpa
Mit ihrem Ausbilder verscherzen es sich Azubis besser nicht - wer nicht auf ihn hört, handelt sich in der Probezeit schnell die Kündigung ein. dpa

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12. April 2010, 07:05 Uhr

Wie gewonnen, so zerronnen - so kann es für Azubis heißen, wenn sie eine Lehrstelle ergattern und sich dann gleich danebenbenehmen. Denn in der Probezeit darf der Chef sie ohne Angabe von Gründen jederzeit fristlos kündigen. Sie dauert laut dem Berufsbildungsgesetz zwischen einem und vier Monaten. Für angehende Kaufleute, Bäcker oder Sachbearbeiter gilt es daher, sich in dieser Zeit besonders am Riemen zu reißen.

Fehlt der Azubi unentschuldigt, kann das schon zur Trennung führen. Das gilt etwa im Krankheitsfall: "Der Chef muss unverzüglich über die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer informiert werden", sagt Gerd Woweries von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. Spätestens wenn der Azubi länger als drei Kalendertage fehlt, ist ein ärztliches Attest vorzulegen. Versäumt er es, sich abzumelden oder verschludert die Krankschreibung, gilt das als Schwänzen. Das kann eine Abmahnung nach sich ziehen. "Auch eine Kürzung der Ausbildungsvergütung ist in diesem Fall möglich."

Sind angehende Handwerker oder Versicherungsleute unzufrieden, dürfen sie auch nicht trotzig reagieren. Denn sie handeln sich Ärger ein, wenn sie dem Ausbilder gegenüber frech werden oder ihn gar lächerlich machen - erst recht, wenn das vor Kunden passiert. Denn spätestens bei Tätigkeiten mit Kundenkontakt hört der Spaß auf. "Hier ist unbedingte Seriosität erforderlich", sagt Woweries.

Lehrlinge sollten sich auch nichts zuschulden kommen lassen, wenn es um die Arbeitssicherheit und Betriebsvorschriften geht. Ohne Helm auf der Baustelle aufzulaufen, sei dabei nicht weniger bedenklich als die Hygieneregeln in der Großküche zu missachten, mahnt Woweries.

Auch äußerliche Veränderungen sollten gut überlegt sein, rät Arbeitsrechtler Michael Eckert aus Heidelberg, der Mitglied im Vorstand des Deutschen Anwaltsvereins ist. Denn nicht jeder Chef sieht es gerne, wenn die angehende Kauffrau bauchfrei im Büro erscheint. Garantiert daneben sei es, nach dem Wochenende mit gefärbten oder rasierten Haaren und Piercing in der Kanzlei zu erscheinen. "Der Lehrling muss das Ansehen des Jobs und des Unternehmens wahren", erklärt Eckert. Ausreden wie "Das trägt doch heute jeder" brächten daher nichts - zumal Kleiderordnungen in manchen Ausbildungsverträgen klar geregelt sind.

Eine Todsünde sind strafrechtliche Delikte wie ein Diebstahl - selbst wenn es um Kleinigkeiten geht. Nimmt ein Einzelhandels-Lehrling nur einen Euro aus der Kasse oder lässt der angehende Koch eine Frikadelle mitgehen, droht die Kündigung. "Das Vertrauensverhältnis kann dadurch komplett zerstört werden", erläutert Woweries.

Lehrlinge dürften auch keine Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse weiterverbreiten, warnt der Arbeitsrechtler Martin Warm aus Paderborn. Spricht ein Banklehrling auf dem Schützenfest über Kundendaten oder stellt sie ins Internet, untergräbt er damit die Vertrauenswürdigkeit des Arbeitgebers - und ist die Lehrstelle wahrscheinlich los. Verschwiegenheit ist auch in medizinischen Berufen wie dem Zahnarzthelfer oder Rettungsassistenten Pflicht.

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