Bittere Bilanz nach fünf Jahren Irak-Krieg

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19. März 2008, 02:53 Uhr

Washington - Bush scheint seine Amtszeit schon zehn Monate vor seinem Abschied abgehakt zu haben. Tatsächlich steht sein historisches Vermächtnis bereits fest. Eine „gescheiterte Präsidentschaft“ hieß es selbst im neokonservativen „Weekly Standard“. Im Zentrum dieses Scheiterns steht der Irakkrieg – auch wenn US-Vizepräsident Dick Cheney jetzt in Bagdad vom „phänomenalen“ Rückgang der Gewalt und vom Irakkrieg als „schwieriges, aber insgesamt erfolgreiches Unternehmen“ schwärmt.

Aber selbst Kriegsbefürworter wie Kissinger hüten sich, den Krieg als Erfolg zu bezeichnen. Zu bitter ist die Bilanz des zweitlängsten Waffengangs in der US-Geschichte, den Ex-Außenministerin Madeleine Albright als „die größte Katastrophe der US-Außenpolitik, schlimmer als Vietnam“, gegeißelt hat. Vietnam war der bisher längste US-Krieg.

Die zentrale Begründung des Irakkriegs – Massenvernichtungswaffen – hat sich längst als Lug und Trug erwiesen, die Vision blühender Demokratien in der islamischen Welt als Illusion, die Hoffnung auf Stabilität in Nahost als Chimäre. Die von Bush angestrebte neue Weltordnung unter US-Führung scheint in weiter Ferne. „Der Krieg hat uns die Grenzen unserer Macht gezeigt“, heißt es in einer Analyse des Cato-Politikinstituts.

Als regionaler Gewinner des Krieges darf sich der Iran betrachten, aufstrebende Nuklearmacht und erklärter Feind des „US-Imperialismus“. Inzwischen weiß Washington um die Fehler des Krieges. Die Invasionstruppen erwiesen sich schon 2003 als zu klein, um nach dem raschen Sturz Saddam Husseins Sicherheit im Land zu garantieren. Die Zerschlagung des Militärs und der Baath-Partei hinterließ ein gefährliches Machtvakuum. Die uralten Spannungen zwischen Kurden, Schiiten und Sunniten wurden ebenso unterschätzt wie die Kräfte des Aufstands und Terrors.

Schließlich ruinierten Menschenrechtsverletzungen wie in Abu Ghoreib den Ruf der US-Truppen. Der Irak und die USA mussten einen hohen Preis für den Sturz des Diktators Saddam zahlen: Zigtausende Iraker und fast 4000 Amerikaner wurden getötet, noch viel mehr erlitten Verletzungen. Der Ruf der USA als freiheitliche Führungsmacht wurde nachhaltig beschädigt.

Ölpreis seit Kriegsbeginn um das Vierfache gestiegen
Und schließlich verschlingt der Irak-Feldzug nach wie vor gigantische Summen. Die US-Regierung spricht von rund 500 Milliarden Dollar (326 Milliarden Euro) Kriegskosten bis 2008.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz beziffert den Gesamtaufwand mit drei Billionen Dollar. Jeden Monat kämen zwölf Milliarden Dollar hinzu. Die Auswirkungen des Krieges auf die Konjunktur weltweit seien enorm, meint er und verweist allein auf die Vervierfachung des Ölpreises von 25 auf 100 Dollar seit 2003. Die Aufstockung der US-Truppen von 130000 auf 160 000 Mann im Jahr 2007 hat eine deutliche Beruhigung der Lage gebracht. Nun blüht in Washington wieder vorsichtiger Optimismus, dass der Irak vielleicht doch kein zweites Vietnam für die USA werden könnte.

Auch unter Konservativen glauben heute nur wenige daran, dass der Irak mit seiner traumatisierten, zerrissenen Bevölkerung wirklich einmal ein „Leuchtturm der Demokratie“ im Nahen Osten sein wird, wie es sich Bush erträumt hatte.

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