Bitte melden: Hausärzte fehlen in der Region

svz.de von
10. November 2009, 09:38 Uhr

Sternberg/Parchim | Biete Praxis in Goldberg oder Lübz: Um weiteren Ärztemangel im Landkreis Parchim zu verhindern, sucht die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Mecklenburg-Vorpommerns händeringend Nachfolger für Mediziner. Schon jetzt sei jede fünfte Hausarzt-Praxis hier unbesetzt, erklärt Oliver Kahl von der KV: zwölf von 62 kreisweit. Noch dramatischer sehe die Lage in Nordwestmecklenburg und Wismar aus: Hier fehlen bereits 23 von 98 möglichen Hausärzten. Dies sei "eine Besorgnis erregende Entwicklung".

Je 1500 Einwohner werde ein Arzt benötigt; der Landkreis Parchim steuert - wie viele Regionen im Land - in Richtung Unterversorgung. Ein Wandel mit Folgen: Die - zunehmend älteren - Patienten müssen länger in Wartezimmern sitzen oder weitere Wege zum Arzt in Kauf nehmen. Schon jetzt sind Praxen vielerorts überfüllt.

Die KV versucht dem Aderlass seit langem entgegenzusteuern - mit durchwachsenem Erfolg: "Wir haben eine ganze Reihe von Maßnahmen getroffen, um mehr hausärztlichen Nachwuchs auszubilden und mehr Hausärzte für eine Tätigkeit in MV zu interessieren", so Kahl. So locke die KV Ärzte mit Investitionszuschüssen von bis zu 50 000 Euro, wenn diese sich in unterversorgten Regionen niederlassen, oder Zuschlägen, um Mindesteinkünfte zu sichern. 2,4 Millionen Euro ließ sich die KV eine Stiftungsprofessur an der Uni Rostock kosten, um Nachwuchs zu ziehen.

Aufgrund des Ärztemangels sei landesweit der Notdienst geändert worden - mit Bereitschaftspauschale für Ärzte. Auch aus dem Ausland kämen zunehmend Mediziner ins Land. "So sind inzwischen zwölf Ärzte polnischer Staatsangehörigkeit vertrag-ärztlich tätig", so Kahl.

Dennoch werden die Lücken im ärztlichen Versorgungsnetz größer - auch weil Allgemeinmediziner unter Studenten oft als zweite Wahl gilt. Ein Orthopäde verdient mehr. Ein Prozess, der sich durch Überalterung der Ärzte fortsetzen dürfte. Beispiel: In Brüel sind drei von vier und in Sternberg drei von sechs Hausärzten über 60 Jahre alt (SVZ berichtete).

Bonus für Lehrpraxen

Ein weiteres Instrument der KV fruchtet: 10 000 Euro jährlich zahlt sie an Ärzte, die im Verbund mit Universitäten Lehrpraxen einrichten. So wie Dr. Elke Brandt in Dabel. Sie begleitet Studenten der Uni Rostock. "Diejenigen, die hier waren, konnten sich vorstellen, Allgemeinmediziner zu werden." Brandt heilt mit Enthusiasmus Patienten auf dem Land. Hier biete der Beruf vieles, was als Facharzt oder in Großstädten gar nicht möglich sei, argumentiert sie: neben sozialen Kontakten auch "hohe gesellschaftliche Anerkennung".

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